Archiv für September 2008
Deutschland, Österreich oder USA
. . . Ingrids (Hexerl’s) aktueller Beitrag hat mich nochmal zurück gebracht auf die Armut, die mir in den USA ebenfalls begegnet ist. Ihr sollte unbedingt mal auf Ingrids Seite gehen und dort lesen, was sie zu schreiben hat. Wir haben uns auf der Reise auch mit Amerikanern unterhalten, wenn es sich gerade anbot. Unter anderem mit einem Busfahrer, der aus Ohio stammt und meinte: die USA bekämen allmählich eine Klassengesellschaft. Ja, wo hat der Mann denn seine Augen! Glaubte der allen Ernstes noch an Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo alle gleich und frei sind? Amerika hat schon lange, wenn nicht sogar schon immer eine Klassengesellschaft. Es gab zwar nie den Adel, das Bürgertum und die Unfreien wie einst in Europa – wobei – stopp mal: unfrei waren eigentlich immer schon die Farbigen, egal ob schwarze Sklaven oder die Natives, nachdem der Weiße Mann ihnen das Land wegnahm. Heute gibt es ähnlich wie bei uns den Geldadel, eine immer dünner werdende Mittelschicht und die Armen. Und zu den Letzteren zählen immer noch in erster Linie die Farbigen, egal ob Schwarze, Latinos oder Indianer. In Südkalifornien kann man zusammengerollt aber auch auf der Wiese zur Not übernachten, in Deutschland und Österreich werden die immer zahlreicher werdenden Stadtstreicher bei diesem Versuch vermutlich erfrieren. Bei uns kann man auch nur sehr schlecht im Auto leben, wie ich es in den USA auch gesehen habe. Wer noch eines hat, ist gut dran. Es gibt alle Nase lang Tankstellen und Fast Food Restaurants mit kostenlosen sauberen Toiletten und Waschbecken, teilsweise sogar öffentliche Duschen, die jeder benutzen kann, solange er nicht zu schäbig aussieht. Versuch das mal einer bei uns! Nein, Ingrid hat schon recht: bei den derzeit nach wie vor steigenden Energiepreisen, denen offenbar niemand Einhalt gebieten kann und will, wird es für Viele auch in Europa in diesem Winter verdammt schwer werden. Irgendwie kann das nicht mehr lange gut gehen. Nur – was dann? Und wir haben in Deutschland noch nicht mal einen Barack Obama anzubieten, unter dessen Bild überall “HOPE” steht.

Und wieder daheim
So, da bin ich wieder und blogge vom häuslichen Frankfurter Schreibtisch aus. Wir sind gegen 10:30 Uhr heute vormittag angekommen, der Flug verlief problemlos, diesmal auch praktisch ohne Turbulenzen. Geschockt hat uns natürlich erstmal das Wetter hier, obwohl wir es ja ahnten. Es gießt in Strömen und ist ekelhaft kalt, zumindest wenn man an kalifornische Wärme gewöhnt ist. Die Jungmänner und die Katzen leben noch, die Fische auch und das Haus ist auch nicht abgebrannt – was will man mehr
Über alles andere schweige ich lieber, aber ich hab’s mir schlimmer vorgestellt *lach*. Nee, ich muss zwar morgen mal noch etwas gründlicher den Putzlappen schwingen, heute habe ich nur mal meine Küche wieder so hergerichtet, dass ich mich wieder auskenne. Stefan war vorhin kurz einkaufen und meinte beim Zurückkommen: irgendwie sind die Menschen hier hektischer und viel weniger freundlich. Mal sehen, ob ich das auch so empfinden werde, aber kann schon sein. In den USA war das Lächeln an der Tagesordnung, bloß nicht am Flughafen. Solche Stoffel wie dort bei der Security und Passkontrolle habe ich noch selten erlebt. Das ist echt schon pathologisch.
Hier ein paar Fotos ohne größeren Zusammenhang

Warten auf die Welle

Strandläufer – eine Brachvogelart?

In Phoenix – Arizona

Kolibris haben wir öfter auch im Freien gesehen. Sie waren aber zum Fotografieren zu schnell.
Bei diesen Bildern sollte es mir eigentlich warm werden, aber ehrlich gesagt, ist es mir im Moment fürchterlich kalt. Vermutlich bin ich auch noch müde, obwohl ich am Nachmittag zwei Stunden geschlafen habe. Im Flugzeug selbst kann ich nicht ordentlich schlafen. Aber ich will heute Abend ganz normal ins Bett gehen, in der Hoffnung, dass ich dann die Zeitumstellung schneller wieder verkrafte.

Dann wünsche ich mal noch einen schönen Abend und eine gute Nacht. Ab morgen werde ich dann auch wieder meine Blogrunden bei euch drehen.
Collage – Impressionen

The End
Tja – das war’s dann. Heute sind wir am späten Nachmittag wieder in Los Angeles eingetroffen und haben uns gefreut, dass uns endlich mal ein paar Straßen und Richtungen vertraut waren
Wir verbringen die letzte Nacht diesmal im Radisson Hotel, nicht im Crown Plaza wie bei der Ankunft und das ist weit weniger attraktiv. Vor allem wird hier ebenfalls wieder mal umgebaut und die Restaurants sind geschlossen, der Parkplatz zum Self-Parking ebenfalls. Was nichts anderes heißt, als dass uns nur das teure Valet Parking übrig blieb. Ich hasse das in den großen Städten. Meine Meinung zu den Hotels auf der Rundreise ist die: wenn man sich erstmal auskennt, dann ist selbst buchen per Internet oder an Ort und Stelle sicher besser. Meiers Weltreisen hat teure Hotels in erster Citylage kombiniert mit einfachen Hotels und andererseits schönen Landhotels. Ich würde auch für die Großstädte immer zu kleineren Hotels etwas außerhalb tendieren. Auch die Strecken kann man sicher besser kombinieren, aber man muss das erstmal kennengelernt haben. In sofern war es für die erste Amerikarundreise in Ordnung.

Gestern Abend in Best Western Pepper Tree Inn
Die Einrichtung der Hotelzimmer war bis auf Kleinigkeiten immer fast gleich: ein oder zwei King Size Betten mit einem “Kissen-Menu”, was heißt, dass man die Auswahl zwischen 4-6 Kissen unterschiedlicher Härtegrade bekommt, Schreibtisch mal mit, mal ohne Internetanschluss (wenn, dann meistens kostenlos), zwei Sessel, ein Vitrinenschrank mit Fernseher, die wir nicht einmal in Betrieb genommen haben, Kleiderschrank immer mit Bügelbrett und Bügeleisen, meistens ein Kühlschrank, manchmal auch Mikrowelle. Die Badezimmer hatten immer einen Fön, die Duschen waren von sehr unterschiedlicher Qualität, aber immer von oben, eine Handbrause gab es nirgends. Sehr unterschiedlich war die Größe der Zimmer, von riesig bis ziemlich mickrig. Die kleinen wurden optisch mit wandgroßen Spiegeln aufgepeppt. Alle Hotels hatten in den Fluren immer einen Eisautomaten (also Wassereis zum Kühlen) und einen Automaten für Softdrinks.

Die Landhotels waren meist hübsch und liebevoll eingerichtet und von schönen Gärten umgeben. Die meisten (oder alle) hatten einen Pool.

Badezimmer im Santa Maria Inn
Heute war schon so ein richtiger Abschiedstag. In Santa Barbara haben wir uns gegen den Strand entschieden und sind stattdessen zum Natural Historic Museum gefahren, das einem dort sehr ans Herz gelegt wird. Also wir fanden es ganz nett aber nicht überwältigend. Nun sind wir als Frankfurter von unserem Senckenberg Museum halt auch Gigantisches gewöhnt. Aber für uns interessant waren dann die Ausstellung über die Chumashindianer, die früher Kalifornien besiedelt hatten und auch einiges über die in Kalifornien lebenden Tiere.

Eine Klassengesellschaft bei den nordamerikanischen Natives – auch das gab es
Anschließend sind wir noch zum Botanischen Garten, aber das war “für die Füß”. Dieser botanische Garten konnte uns einfach nichts mehr bieten, was wir nicht in drei Wochen Rundreise viel gewaltiger und eindrucksvoller gesehen hätten. Er ist trotzdem schön und sicher auch im Frühling und Sommer, wenn es blüht reizvoll, aber nach einer solchen Rundreise nicht empfehlenswert.

Grizzly im Natural Historic Museum
So ist unser letzter Tag also ausgeplätschert. Morgen (Montag) gegen 14:45 Uhr Ortszeit fliegen wir zurück nach Frankfurt und werden dort am Dienstag gegen 11 Uhr vormittags Ortszeit ankommen. Also dann . . . den nächsten Bericht wieder von zu Hause. Ich wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche.
Ausruhen in Santa Barbara
Gestern hatten wir volles Programm (rund 500 km), da war es nicht weiter schlimm, dass es in Santa Maria mit dem Internet nicht klappen wollte. Wir sind in der Früh von San Francisco aufgebrochen und durften ein Teilstück der Pacific Coast Straße No.1 – eine der Traumstraßen dieser Welt befahren. Gegen Abend im Dunklen und nach endlosen Serpentinen wurde sie dann fast zur Albtraumstraße – aber nur fast. Zunächst fuhren wir aber auf der I 280 (stimmt hoffentlich) durch ländliches Gebiet, wo auf riesigen Felder Obst aller Art und Wein, vor allem Wein angebaut wurde.
Der Blick auf ein Feld voller Kürbisse ließ mich dann spontan auf eine Farm einbiegen. Während ich Kürbisse fotografierte, ging der GöGa erfolgreich einkaufen: Trauben, dicke rote Erdbeeren und Nüsse kamen in unsere Überlebenstüte bzw. gleich darauf in den Mund – köstlich! Endlich sind wir wieder in einer Region, in der man Obst und Gemüse bekommt.

Ist ja bald wieder Halloween
Die Straße #1 zieht sich wie gesagt die Küste entlang. Bevor wir endgültig auf ihr blieben, besuchten wir Monterey, bekannt durch John Steinbeck’s “Straße der Ölsardinen” – auf englisch Cannery Row. Montery hat außerdem ein superschönes Aquarium, für das wir uns zwei Stunden Zeit nahmen und die haben sich wirklich gelohnt. Es ist eindeutig wesentlich schöner und informativer als das in Los Angeles.

Qualle im Monterey-Aquarium
Unser nächster Stop, bei dem wir uns erst nicht ganz einig waren, ob wir wirklich halten sollten, war der Point Lobos Park bei Carmel. Dort lag nämlich ziemlich dichter Nebel über der Küste und es war kühl. Außerdem kostet alles immer etliche Dollar Eintritt (der American The Beautiful – Pass gilt nur für die Nationalparks). Wir sind dann doch reingefahren und es war grandios. Die eingeplante Zeit reichte eigentlich nur für einen Trail, zwei sind wir dann doch gelaufen, es war einfach zu schön. Hier erschien die kalifornische Küste plötzlich nicht mehr blau und sonnig sondern rauh und wild wie die irische See.

Point Lobos
Point Lobos wird geprägt von vielen alten und riesigen Zedern. Auf vielen Trails kommt man an Punkte, von denen aus man Seelöwen oder Seeottern beobachten kann, auch Kormorane und Pelikane und zu bestimmten Zeiten Wale. Wer dort hinfährt, darf keinesfalls ein gutes Fernglas vergessen! Ich habe dort viele Fotos gemacht, die ich nach und nach mal bearbeiten und euch zeigen werde.
Weiter ging es auf der #1 und bald war es klar, dass wir erst im Dunkeln in Santa Maria ankommen würden. Ich spinxte immer nach einem Aussichtspunkt zur Zeit des Sonnenuntergangs, während sich Stefan über die Serpentinen quälte. Und dann ging sie unter und wir fanden unseren Vista-Point in der Nähe von San Simeon.

Sunset bei San Simeon
Erst als es schon fast dunkel war, wurde uns klar, dass die Laute, die wir vom Meer her hörten keine Seelöwen sein konnten. In der Dämmerrung konnten wir noch das Spiel von See-Elefanten und Seeottern in den Wellen beobachten. Das war wunderschön. – Die letzten Meilen zogen sich endlos. Wir wechselten dann schließlich auf die I 101, um schneller nach Santa Maria zu kommen. Es war dann trotzdem fast 22 Uhr, aber uns erwartete mit dem Santa Maria Inn ein zauberhaftes historisches Hotel im viktorianischen Stil, in dem schon fast sämtliche Hollywoodgrößen der alten Zeit übernachtet haben, wie Cary Grant, Marylin Monroe, Clark Gable, Charlie Chaplin und andere. Viel hatten wir davon allerdings nicht, sondern fielen nur todmüde in die Betten, um heute früh nach einen gepflegten Frühstück auf echten Porzellan und mit Silberbesteck! wieder weiter zu fahren (am Morgen davor frühstückten wir mal wieder an der Tanke mit Pappbecher und Muffin aus der Hand.)
Derzeit relaxen wir in Santa Barbara. Es ist Nachmittag. Santa Barbara ist von Santa Maria nicht weit entfernt. Wir haben heute zwei schöne Stops gemacht, einmal bei Los Alamos, wo wir in einen amerikanischen Flohmarkt geraten sind und dann in einem original “dänisches”Städtchen namens Solvang. Mehr dazu später oder morgen. Auch Santa Barbara ist sehenswert, aber wir haben im Moment keine Lust mehr zu weiteren Unternehmungen. Unser Zimmer liegt wunderschön zum Garten mit Pool hinaus und das genießen wir jetzt. Es ist heute übrigens wieder sonnig und ausgesprochen heiß.

