Archiv für 24. September 2008
L e c k e r !
Irgendwann am Anfang schrieb ich noch, dass man sich zumindest in Kalifornien doch ganz gut ernähren kann. Das stimmt für die Küste, aber je mehr wir ins Innere kamen, um so problematischer wurde die Esserei für unseren deutschen Geschmack. Inzwischen hängen mir Burger, Burritos, Tacos etc. genauso zum Hals heraus wie total süße Hörnchen und Müsliriegel zum Frühstück. Wann immer wir einen vielversprechenden Supermarkt sehen, wird er geentert und wenn wir Glück haben, finden wir Obstsalat, frische Salate und Weintrauben. Das gibt es durchaus, aber auf die Schnelle ist es schwierig. Der Absturz war das heutige und das vorgestrige Frühstück: einmal Müll in Plastikgeschirr in Visalia und heute einen Coffee to go plus Müsliriegel auf einem Parkplatz! Dafür bekamen wir tatsächlich im Yosemite NP an einer Berghütte heute leckeren Salat und frisches Obst. – Heute Abend dann großes Glück: direkt neben unserem Shiloh Inn eine Westernkneipe namens “Ol’ Kettle”, die mit Familiendinner warb. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass das meist gut sei. Und in der Tat, wir aßen beide Fisch mit Reis bzw. Kartoffeln und Gemüse, davor eine superleckere Suppe für einen mehr als anständigen Preis. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie wunderbar das nach all dem Fastfood war. Weil es heute Abend doch kühl geworden ist, habe ich mir einen Tee bestellt und bekam gleich eine ganze Auswahl hingestellt. Entschieden habe ich mich für den “Sweet & Spicy” Earth Tea – einen total leckeren Gewürztee.
Falls ihr also mal Lust auf den Südwesten habt, dann empfehle ich euch nach Los Angeles oder San Francisco zu fliegen und euch anschließend hier in Oakhurst einzumieten. Das wäre eine super Ausgangsbasis für fast alle großen Nationalparks.

Breakfast at Tiffanys an der Tanke
Yosemite NP
Heute war der Tag des Yosemite Nationalparks. Irgendwie dachte ich immer, dieser Park wird das absolute Highlight unserer Reise – warum auch immer. Eins vorweg: der Yosemite NP ist ein Highlight, er ist großartig, aber nachdem wir schon so viel Gigantisches gesehen haben, ist er tatsächlich eher ein idealer Abschied von den Naturwundern des Südwestens. Der Yosemite ist ein riesiges Gebiet – wie alles in den USA riesig ist – aber er ist mehr der Erholungspark, ein Gebiet, in dem man gerne zwei Wochen am Stück verbringen würde. Er hat Sequoias, aber nicht in den Größen und Mengen wie der Sequoia NP, er hat Berge und Canyons, aber ohne den Boah-Effekt wie der Grand Canyon oder der Bryce Canyon und vor allem muss man wieder enorme Strecken zurück legen – Strecken, an denen es aussieht wie bei uns (nur alles ein bisschen kleiner). Allerdings ist mir im Taunus und auch im Schwarzwald noch nicht, ein Hirsch oder Rehbock auf dem Parkplatz vor die Füße gelaufen.

Bisher hatten wir überall riesigen “Auslauf”, d.h. immer viele Parkmöglichkeiten und man ist sich nirgendwo auf die Füße getreten. Das haben wir auf die Jahreszeit zurückgeführt. Wenn man im Reiseführer liest, dass es im Yosemite NP schnell eng wird, dann stimmt das aber auch für die Nebensaison. In der Hauptsaison ist mit dem eigenen PKW vermutlich kein Durchkommen und ich möchte nicht wissen, wie sich die Leute dann vor den “Views” beim Fotografieren drängen.

Heute waren Fotos ohne fremde Menschen drauf durchaus mal drin.
Hier wieder ein Blick auf die unglaublichen Berge der Sierra Nevada.

Den Namen dieses Wasserfalles weiß ich im Moment nicht. Er war auch sehr weit entfernt, aber es war in tolles Schauspiel, wie der Wind das Wasser immer wieder nach oben geblasen hat, bevor es in die Tiefe fiel. Mit dem Fernglas konnte man es gut beobachten. — Der Wasserfall ist der Bridalveil, ein extravaganter Name und schwer zu merken
188m stürzt er in die Tiefe.

Obwohl viele Wasserfälle und Flüsse ausgetrocknet waren, gab es doch noch einige herrliche Wasserläufe und kleine Seen mit glasklarem Wasser, in dem man ohne weiteres Fische und große Flußkrebse beobachten konnte. Hier sieht man im Hintergrund die 914 Meter hohe Steilwand des “El Capitan” aus Granit.
Das war’s für heute (liest hier noch wer mit?). Wir sitzen in Oakhurst im Shiloh Inn und haben es sehr gemütlich hier. Die verschiedenen Hotels sind eine Reiseerfahrung für sich. Uns gefallen die Kleineren meist am besten. Da stimmt der Service und man wird nicht einfach abgefertigt. Gestern im Radisson in Fresno hatten wir wieder ein ganz blödes Zimmer erwischt, ähnlich wie neulich im Holiday Inn in Visalia. Man sollte grundsätzlich das Zimmer erst angucken, bevor man mit dem Gepäck einzieht und auspackt. Meistens kann man nämlich gut ein anderes verlangen, wenn man nicht zufrieden ist. Seit heute haben wir das kapiert und umgesetzt. Ich glaube, die vergeben gerade in den großen Hotels die schlechten Zimmer immer an die vorgebuchten Gäste, die nur eine Nacht oder zwei bleiben.

Links hinter mir der “Half Dome”, den man beim ersten Foto oben aus einer anderen Perspektive rechts sieht.
Ach ja, mit dem Wetter könnten wir es besser nicht treffen. Ich hatte im Yosemite NP damit gerechnet, dass es kalt werden würde – nicht die Bohne! Ihr seht es an den Fotos . . . herrliches Spätsommerwetter.

