Archiv für September 2008
San Francisco – Tag 2
Abgelatschte Füße habe ich heute – fürchterlich! Aber der Tag war toll. Wir hatten wider Erwarten ausgesprochen sommerliches Wetter, einen strahlend blauen Himmel und auch der Nebel über der Golden Gate Bridge verzog sich frühzeitig. Wir haben zunächst die Cable Car zur Fisher Man’s Warf genommen – ein Erlebnis der besonderen Art *lach*. Es ist halt wie eine uralte Straßenbahn mit Holzbänken, auf denen man gewaltig durchgerüttelt wird. Aber es gehört einfach in San Francisco mindestens einmal dazu. Wenn man sie am Morgen benutzt, dann sind die Schlangen für’s Ticket auch noch nicht so lang.

Cable Car Powell & Hyde Street
Im Bereich der Bay sind wir dann ewig unterwegs gewesen, haben uns Schiffe, Leute und Seelöwen angeguckt und immer wieder einen Blick Richtung Golden Gate Bridge geworfen, um zu sehen, wann sich der Nebel verzieht.

Nebel über der Bucht, im Sommer vormittags sehr häufig

Pier 39 mit seinen vielen Seelöwen, außerdem ein stark touristisch geprägter Abschnitt
Wir haben dann gegen Mittag eine große Rundfahrt durch die Bay gemacht und sind mit dem Schiff unter der Golden Gate Bridge durchgefahren – ein tolles Erlebnis, aber auch wieder sehr windig. Das gehört wohl dazu. Anschließend kamen wir noch dicht an der berüchtigten Gefängnisinsel Alcatraz vorbei.

Tolle Sicht vom Wasser aus auf die Brücke
Später haben wir in einem der zahlreichen Crab Restaurants etwas gegessen. Ganz witzig ist ja die Clam Chowder, die es an den Buden im Bereich des Hafen sogar zum Mitnehmen gibt. Das ist eine dicke Muschelsuppe, die in einem riesigen, ausgehöhlten Brot (Sauerteig! – ist man hier ganz stolz dauf) mit Brotdeckel serviert wird.
Anschließend sind wir in unseren Rundfahrtbus von gestern gestiegen – die Karte galt noch – und zurück zum Union Square gefahren, dem Dreh- und Angelpunkt der City. Von dort sind wir zum und durch China Town gelaufen. Das chinesische Viertel hat einen sehr touristischen Teil auf der Grant Street und andererseits auch authentische Nebenstraßen.

In Chinatown
Nun bin ich fix und alle, zumal Stefan gerade festgestellt hat, das wir irgendwie keine Rückflugtickets haben. Aber wir haben ja noch ein paar Tage Zeit. Zunächst werde ich morgen in aller Ruhe sämtliche Koffer und sonstige Behältnisse durchsuchen – einen Teil lassen wir grundsätzlich im Kofferraum – und wenn wirklich nichts da ist, dann werde ich meine Nichte anmailen, die wird das hoffentlich vom Reisebüro in Deutschland aus managen können. Sonst bleiben wir halt da *lach*, Kalifornien ist doch gar nicht so übel. Gestern Abend lag ich übrigens etwas falsch mit den Wochentagen. Ich dachte, heute sei bereits Freitag, war aber erst Donnerstag. Gut so!
Frühere Einträge
Ich sehe gerade, dass ich mit diesem Template mal wieder eines erwischt habe, bei dem man nicht blättern kann. Ich habe die Anzahl der Beiträge jetzt auf 10 Beiträge erhöht; kann sein, dass der Aufbau etwas dauert. Um das Theme abzuändern, fehlen mir hier die Zeit, Lust und Muse. Das mache ich dann zu Hause mal. Ihr könnt aber im Kalender in der Sidebar die einzelnen Tage anklicken. Der erste Amerikabeitrag war am 11. September!
San Francisco
Wow – was für eine Stadt – das erschlägt einen geradezu. Wir sind heute schon gegen Mittag angekommen und haben uns gleich noch zu einer Stadtrundfahrt aufgerafft, um einen Überblick zu bekommen. Weil uns in Los Angeles der Minibus ziemlich geärgert hat, bei dem man fast nichts aus den Fenstern heraus sehen konnte, haben wir diesmal eine Rundfahrt in einem Doppeldeckerbus gemacht, der oben offen ist. – Aber der Reihe nach:
Nach einem leckeren Frühstück im hochgelobten Shiloh Inn in Oakhurst sind wir zeitig aufgebrochen. Die Fahrt ging diesmal Richtung San Francisco durch ausgesprochenes Agrargebiet und wir staunten erneut darüber, wie groß hier alles ist. Es werden übrigens enorm viel Oliven angebaut, das wusste ich bisher nicht. Aber es gab auch riesige Weizen- und Maisfelder, Weiden für Rinder, Weinstöcke ohne Ende und überhaupt Obstanbau.
Die erste Brücke, die wir querten, war die Oaklandbridge, ein Wunderwerk der Technik. Sie ist mautpflichtig (5 $).

Oaklandbridge
Unsere Papiere von Meiers Weltreisen führten uns sehr gut zum Holiday Inn. Nur hatten wir diesmal nicht darauf geachtet, dass wir umgebucht worden waren *lach*, so landeten wir im falschen Hotel. Aber es ist ebenfalls ein HI und der Herr an der Rezeption wies uns freundlich und ebenfalls eindeutig den Weg zum richtigen Holiday Inn. Die Parksituation in San Francisco ist katastrophal, aber das Hotel hat ein Parkhaus: 29$ pro Tag! Glücklicherweise waren wir vorgewarnt.
Man kann sich in San Francisco gut zurecht finden. Deshalb liefen wir auch gleich zum Union Square, wo wir den Doppeldecker enterten. Es ist übrigens in San Francisco wesentlich kühler als bisher und auf der Golden Gate Bridge war es richtig eisig. Glücklicherweise hatten wir uns Jacken mitgenommen. Die Stadt hat einerseits Hochhäuser wie die Frankfurter City, andererseits aber wunderschöne Häuser im viktorianischen Stil. Und nicht nur ein paar, fast die ganze Stadt sieht so aus:

San Francisco – Architektur
Praktisch alle Häuser sind wunderschön verziert, haben Erker und Balkone und immer die obligatorische äußere Feuerleiter. Hier hätte man die berühmte Schlußszene von Pretty Woman noch attraktiver als in Los Angeles in Szene setzen können.

Historic Cable Car – Powell – Ecke Hyde Straße – Wendeplatte
Nur noch drei Linien der alten Cable Cars existieren. Das hier ist eine der Stellen, wo die Cable Cars per Hand gedreht werden, um dann in die andere Richtung weiter zu fahren. Für ein Ticket muss man oft sehr lange anstehen.
Unser Doppeldecker fuhr uns 1 1/2 Stunden rund um die Innenstadt und schließlich zur und über die Golden Gate Bridge. Kinners – das war heftig! Ich habe selten außer im Winterurlaub beim Skilaufen einen so starken und kalten Wind erlebt wie auf dieser Brücke. Aber immerhin konnten wir die Brücke im Sonnenschein erleben, das ist nicht selbstverständlich. Noch als wir gegen Mittag in San Francisco angekommen waren, lag sie im dichten Nebel.

Golden Gate Bridge
Morgen wollen wir versuchen, die Brücke noch von einem anderen Punkt aus zu betrachten oder vielleicht eine Hafenrundfahrt machen.

Mal wieder eine Möwe – Fischerman’s Wharf
San Francisco ist ein echter “melting pot”. Mich erschreckt diese Stadt ein bisschen und das, obwohl ich von Frankfurt viel Multi-Kulti gewähnt bin. Aber hier sieht man viel mehr Armut quer durch alle Hautfarben und Rassen, viele Behinderte auch, junge Leute, die sich einen Schuss setzen und jetzt am Abend stolpert man fast über Stadtstreicher, die in alte Schlafsäcke gehüllt – sofern sie einen besitzen – zwischen den Parkuhren auf den Fusswegen liegen. Manchmal dachte ich heute, dass es hier mehr Farbige und Asiaten gibt als weiße Amerikaner, aber das wirkt vermutlich auf mich als Fremde nur so. Als wir vorhin im Dunkeln unterwegs waren, um noch ein kleines Restaurant zu finden, war das erstmal ein komisches Gefühl, zumal in den großen Straßen, die tagsüber so belebt sind, abends Läden und auch die kleinen Restaurants früh schließen. Das war uns schon in San Diego aufgefallen. Wir haben dann einen Chinesen gefunden, der von draußen auch erstmal aussah, als wolle er gerade schließen. Drinnen waren sie sehr freundlich und das Essen lecker und mehr als reichlich. Viele dieser kleinen Restaurants leben wohl vom “Dinner to go”. Das heißt, man setzt sich nicht, sondern nimmt das Essen mit nach Hause.
Unser Zimmer hier im H.I. ist in Ordnung, aber ich bezweifle, dass man bei Umbuchung immer ein “Upgrade” bekommt. Das ursprüngliche Hotel wirkte freundlicher, lag auch netter. Wir hatten diesmal ja den Vergleich. Dieses H.I. befindet sich teilweise im Umbau und die Restaurants sind z.B. derzeit nicht zugänglich.
So, morgen geht’s weiter. Bei euch zu Hause ist bereits Freitag morgen und ihr freut euch sicher schon wieder auf das Wochenende. Für uns geht es in die “Endrunde”.
L e c k e r !
Irgendwann am Anfang schrieb ich noch, dass man sich zumindest in Kalifornien doch ganz gut ernähren kann. Das stimmt für die Küste, aber je mehr wir ins Innere kamen, um so problematischer wurde die Esserei für unseren deutschen Geschmack. Inzwischen hängen mir Burger, Burritos, Tacos etc. genauso zum Hals heraus wie total süße Hörnchen und Müsliriegel zum Frühstück. Wann immer wir einen vielversprechenden Supermarkt sehen, wird er geentert und wenn wir Glück haben, finden wir Obstsalat, frische Salate und Weintrauben. Das gibt es durchaus, aber auf die Schnelle ist es schwierig. Der Absturz war das heutige und das vorgestrige Frühstück: einmal Müll in Plastikgeschirr in Visalia und heute einen Coffee to go plus Müsliriegel auf einem Parkplatz! Dafür bekamen wir tatsächlich im Yosemite NP an einer Berghütte heute leckeren Salat und frisches Obst. – Heute Abend dann großes Glück: direkt neben unserem Shiloh Inn eine Westernkneipe namens “Ol’ Kettle”, die mit Familiendinner warb. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass das meist gut sei. Und in der Tat, wir aßen beide Fisch mit Reis bzw. Kartoffeln und Gemüse, davor eine superleckere Suppe für einen mehr als anständigen Preis. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie wunderbar das nach all dem Fastfood war. Weil es heute Abend doch kühl geworden ist, habe ich mir einen Tee bestellt und bekam gleich eine ganze Auswahl hingestellt. Entschieden habe ich mich für den “Sweet & Spicy” Earth Tea – einen total leckeren Gewürztee.
Falls ihr also mal Lust auf den Südwesten habt, dann empfehle ich euch nach Los Angeles oder San Francisco zu fliegen und euch anschließend hier in Oakhurst einzumieten. Das wäre eine super Ausgangsbasis für fast alle großen Nationalparks.

Breakfast at Tiffanys an der Tanke
Yosemite NP
Heute war der Tag des Yosemite Nationalparks. Irgendwie dachte ich immer, dieser Park wird das absolute Highlight unserer Reise – warum auch immer. Eins vorweg: der Yosemite NP ist ein Highlight, er ist großartig, aber nachdem wir schon so viel Gigantisches gesehen haben, ist er tatsächlich eher ein idealer Abschied von den Naturwundern des Südwestens. Der Yosemite ist ein riesiges Gebiet – wie alles in den USA riesig ist – aber er ist mehr der Erholungspark, ein Gebiet, in dem man gerne zwei Wochen am Stück verbringen würde. Er hat Sequoias, aber nicht in den Größen und Mengen wie der Sequoia NP, er hat Berge und Canyons, aber ohne den Boah-Effekt wie der Grand Canyon oder der Bryce Canyon und vor allem muss man wieder enorme Strecken zurück legen – Strecken, an denen es aussieht wie bei uns (nur alles ein bisschen kleiner). Allerdings ist mir im Taunus und auch im Schwarzwald noch nicht, ein Hirsch oder Rehbock auf dem Parkplatz vor die Füße gelaufen.

Bisher hatten wir überall riesigen “Auslauf”, d.h. immer viele Parkmöglichkeiten und man ist sich nirgendwo auf die Füße getreten. Das haben wir auf die Jahreszeit zurückgeführt. Wenn man im Reiseführer liest, dass es im Yosemite NP schnell eng wird, dann stimmt das aber auch für die Nebensaison. In der Hauptsaison ist mit dem eigenen PKW vermutlich kein Durchkommen und ich möchte nicht wissen, wie sich die Leute dann vor den “Views” beim Fotografieren drängen.

Heute waren Fotos ohne fremde Menschen drauf durchaus mal drin.
Hier wieder ein Blick auf die unglaublichen Berge der Sierra Nevada.

Den Namen dieses Wasserfalles weiß ich im Moment nicht. Er war auch sehr weit entfernt, aber es war in tolles Schauspiel, wie der Wind das Wasser immer wieder nach oben geblasen hat, bevor es in die Tiefe fiel. Mit dem Fernglas konnte man es gut beobachten. — Der Wasserfall ist der Bridalveil, ein extravaganter Name und schwer zu merken
188m stürzt er in die Tiefe.

Obwohl viele Wasserfälle und Flüsse ausgetrocknet waren, gab es doch noch einige herrliche Wasserläufe und kleine Seen mit glasklarem Wasser, in dem man ohne weiteres Fische und große Flußkrebse beobachten konnte. Hier sieht man im Hintergrund die 914 Meter hohe Steilwand des “El Capitan” aus Granit.
Das war’s für heute (liest hier noch wer mit?). Wir sitzen in Oakhurst im Shiloh Inn und haben es sehr gemütlich hier. Die verschiedenen Hotels sind eine Reiseerfahrung für sich. Uns gefallen die Kleineren meist am besten. Da stimmt der Service und man wird nicht einfach abgefertigt. Gestern im Radisson in Fresno hatten wir wieder ein ganz blödes Zimmer erwischt, ähnlich wie neulich im Holiday Inn in Visalia. Man sollte grundsätzlich das Zimmer erst angucken, bevor man mit dem Gepäck einzieht und auspackt. Meistens kann man nämlich gut ein anderes verlangen, wenn man nicht zufrieden ist. Seit heute haben wir das kapiert und umgesetzt. Ich glaube, die vergeben gerade in den großen Hotels die schlechten Zimmer immer an die vorgebuchten Gäste, die nur eine Nacht oder zwei bleiben.

Links hinter mir der “Half Dome”, den man beim ersten Foto oben aus einer anderen Perspektive rechts sieht.
Ach ja, mit dem Wetter könnten wir es besser nicht treffen. Ich hatte im Yosemite NP damit gerechnet, dass es kalt werden würde – nicht die Bohne! Ihr seht es an den Fotos . . . herrliches Spätsommerwetter.

