Archiv für 12. März 2009
Gewalt & Liebe
Natürlich beschäftigt auch mich, was da gestern passiert ist. Und nachdem ich nun bei Ocean einen elend langen Kommentar zum Thema reingeschrieben habe, kann ich mich auch hier im eigenen Blog nochmal dazu äußern.
Was den Amoklauf angeht, wird man wie schon öfter, nicht wirklich herausfinden können, was im Kopf des Jungen vorging. Ich vermute, dass auch das Elternhaus keine unbeträchtliche Rolle gespielt haben wird. Ein Vater, der als “Patriarch” beschrieben wird, der eine Waffensammlung sein eigen nennt, der vielleicht “Leistung, Recht & Ordnung” höher gehalten hat als andere – das sind nur meine Vermutungen – da kann sich ein Siebzehnjähriger schonmal einsam und vor allem überflüssig vorkommen. Waffen – für mich gehören sie dienstlich zum Militär und zur Polizei, vielleicht noch zum Forstberuf (Jäger) – Ende meiner Toleranz! In einem Privathaushalt haben sie nichts zu suchen. Schützenvereine müsste es für mich persönlich nicht geben. Ich sehe Schießen genauso wenig als Sport an wie Boxen. Und dann die unsäglichen Gewaltspiele, die mit dem Internetzeitalter so selbstverständlich geworden sind – fürchterlich. Aber da gibt es ja noch soviel mehr, von dem unsereiner eigentlich nichts wissen will, ich denk da nur an Kinderpornografie. Aber es ist die verdammte Pflicht von Eltern, sich damit zu beschäftigen, was ihr Kinder tun, spielen, welche Gedanken und Ängste sie haben. Das ist sehr viel wichtiger als dem Kind den neuesten PC zu kaufen oder das neuste Handy, Klamotten etc. Das ist schwer, wenn man selbst berufstätig ist, ich weiß es aus eigener Erfahrung. Es ist soviel bequemer, die Kinder sich selbst und dem Fernseher zu überlassen, aber es ist eben auch gefährlich. Und wenn wir das nicht endlich mal begreifen, dann geht der Horror weiter.
Ein Positives hatte die Sache heute für mich: Ich habe – und ich vermute andere Eltern auch – auch mal meine erwachsenen Söhne wieder umarmt (und die haben sich das erstaunlicherweise gefallen lassen) und ihnen gesagt “passt gut auf euch auf”. Es war ein Satz, der mich gestern im TV so besonders getroffen hat. Da sagte ein Vater oder eine Mutter – ich weiß es nicht mehr – “da sagst du morgens an der Tür Tschüs bis heute Mittag und dann kommt dein Kind plötzlich nicht mehr wieder.” Ein fürchterlicher Gedanke! Als ich hörte, dass auch in einem Autohaus Menschen erschossen wurden, dachte ich für einen Moment: Es hätte beide treffen können – Andi, der im Hessenkolleg wieder die Schulbank drückt, Flo der als Automobilkaufmann arbeitet. So Vieles geht einem plötzlich durch den Kopf. Die eigene ursprünglich mal vorhandene Enttäuschung, dass die Jungs nicht den gleichen schulischen Ergeiz hatten wie ich selbst und den langen Prozess meinerseits, das zu akzeptieren. Und dann die Überzeugung, dass genau diese Akzeptanz das Richtige ist. Sie fördern, manchmal auch fordern, aber den eigenen Weg gehen lassen. Sie erziehen, aber auch mal Fünfe grade sein lassen und vor allem ihnen immer wieder zu zeigen, dass man sie liebt, so wie sie sind, mit allen ihren Eigenheiten.

Von den Kindern
Deine Kinder sind nicht deine Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht
des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch dich, aber nicht von dir,
und obwohl sie mit dir sind, gehören sie dir doch nicht.
Du kannst ihnen deine Liebe geben,
aber nicht deine Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
aber nicht ihrer Seele,
denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
das du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in deinen Träumen.
Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht, sie dir gleich zu machen.
Denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.
Khalil Gibran (1883 – 1931)
Aasgeier // Stöckchen
Bügeln ohne Radio im Hintergrund ist doof, aber bügeln mit Radio im Hintergrund ist an Tagen wie heute geradezu unerträglich. Selten geht mir die Berufsgruppe der Radiomoderatoren mit ihren ewig gleichen, dümmlichen Fragen mehr auf die Nerven, als wenn irgendwo in der Welt ein Drama passiert ist. Da hilft nur eins: Ausschalten und eine CD einlegen.
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Und noch ein Stöckchen – bei Inge aufgeschnappt:
Was wäre für mich das Wünschenswerteste?
Wenn die Menschen einander mehr zuhören würden und sich Mühe gäben, einander wirklich zu verstehen und zu akzeptieren. Das würde viele sinnlose Kriege überflüssig machen, aber auch solche schrecklichen Amokläufe von Kindern und Jugendlichen.
Lebe ich gern dort wo ich wohne?
Ja, ausgesprochen gerne. Ich wohne fast schon ein bisschen ländlich, am Rande der Großstadt, die ich in wenigen Minuten mit all ihren Möglichkeiten erreichen kann. Ab und an würde ich mir schon einen großen See wünschen.
Was täte ich gern, wenn ich alle Möglichkeiten hätte?
Mal eine Weltreise machen – einmal, dann wär’s gut.
Ein Werbespott und was mache ich darinnen?
Absolut keine Ahnung. Aber es müsste etwas sein, hinter dem ich voll und ganz stehen kann.
Was stört mich überhaupt nicht?
Dass ich nach vielen hektischen Berufs- und Mutterjahren jetzt ab und an mal überlegen muss, womit ich den Tag verbringe
Möchte ich etwas ändern?
Im Moment vor allem das Wetter! Ab und an die Menschheit als solche. Beides geht dummerweise nicht.
Was macht mich besonders aktiv?
Wenn Pläne habe, wenn der Frühling kommt, wenn ich die Aussicht habe mich mit jemandem zu treffen, den ich wirklich mag.
Wo möchte ich nie Urlaub machen?
Oh – darüber habe ich noch nie nachgedacht. Aber sicher nicht in extrem totalitären Ländern, in denen der einzelne Mensch nichts gilt, in denen keine Freiheit herrscht.
Was nervt mich garantiert nie?
Hatten wir doch schon – oder?
Kann ich nachtragend sein?
Es kommt auf die Situation an, manchmal schon (danke für die Antwort, Inge)
Mein schönstes letztes Erlebnis?
Als endlich die Gärtner anrückten.
Worauf kann ich gut verzichten im Leben?
Auf überhebliche, streitsüchtige, neidische Menschen – auf Egomanen, bei denen sich die Welt nur um sich selbst dreht. Für mich selbst: Zigaretten, Alkohol, teure Klamotten – alles mit “in-Faktor”, von dem mir die Werbung einzureden versucht, dass man es haben müsste.
Bei welcher Person wäre ich gern mal für eine Woche?
Sehr schwierig? Vielleicht beim Papst, wenn ich ihn alles das fragen dürfte und ehrliche Antworten bekäme, was ich ihn gerne fragen würde.
Was ist für mich die wunderbarste Entwicklung?
Die meiner Kinder
Mag ich Zirkus und Zootiere?
Für Zirkus habe ich überhaupt nichts übrig, würde ich am liebsten abschaffen, zumindest wenn es um Tierdressur geht. Zootiere – das ist sowas wie ein notwendiges Übel. Ich sehe sie gerne, freue mich, wenn sie einigermaßen artgerecht gehalten werden (bin mir dabei im Klaren, dass es wirklich artgerecht nicht geht) und verstehe, dass man mit Zoos auch Arten erhalten kann, die sonst vielleicht aussterben würden. Menschenaffen im Zoo – das ist für mich ein extrem heikles Thema. Es wäre mir lieber, man könnte ihre Arten in natürlicher Umgebung erhalten, wo sie von uns Menschen so wenig wie möglich belästigt werden. Aber genau dazu scheint der Mensch nicht in der Lage zu sein. Das ist ein Thema, über das ich mich in Rage schreiben kann.
Ungemütlich
. . . ist es draußen nach wie vor, heute wieder nass und eher kalt als mild. Das Wetter schlägt mir allmählich doch auf die gute Laune, nicht nur weil im Garten nichts mehr vorwärts geht. Aber deswegen natürlich besonders. Wenn das noch zwei Wochen so weitergeht, dann sehe ich schon, dass wir an Ostern immer noch auf einen Acker gucken statt in einen Garten. Ich habe im Moment auch wenig Lust mir die Kamera zu schnappen, um meine Niddaspaziergänge wieder aufzunehmen. Im Januar und auch noch im Februar war’s ja in Ordnung kalte Hände zu haben und durch Matsch zu laufen, aber inzwischen reicht mir das völlig. Immerhin müsste ich jetzt schon bis nach Bad Vilbel fahren, um den letzten Niddaabschnitt fortzusetzen. Aber das bei DEM Wetter?


