Archiv für 14. Oktober 2009

ABC > V

projekteherbst Villa,  aus dem Lateinischen, bezeichnet ursprünglich ein vornehmes Landhaus mit großem Park, eine Sommerfrische derer, die es sich zusätzlich zu ihren opulenten Stadtpalästen leisten konnten, einen weiteren eleganten Wohnsitz zu unterhalten.  Oftmals waren es auch große Landgüter, wo Pferdezucht betrieben wurde, Weinanbau oder denen Olivenhaine angegliedert waren.

Villen gibt es auch in Deutschland und das nicht zu knapp. Die meisten sind schon etwas älteren Datums, aber hier bei uns im reichen Rhein-Main- bzw. Taunusbereich werden auch heute noch moderne Villen für gut betuchte Menschen gebaut. Viele ältere Villen aus dem 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut gleichen kleinen Schlössern oder Palästen und sind heute von Privatpersonen kaum noch zu erhalten.

Heute will ich euch die Villa Meister in Sindlingen vorstellen und damit wieder etwas Heimatkunde betreiben. Sindlingen ist der südwestlichste Frankfurter Vorort, zwischen Frankfurt-Höchst und Hattersheim direkt am Main gelegen.  Wie die meisten Höchster und Unterliederbacher (Zeilsheimer, Sindlinger etc.) bin ich mit den Farbwerken Hoechst groß geworden (später Hoechst AG), die in meiner Kindheit nur  “Die Rotfabrik” hieß.  Diese Fabrik wurde zunächst durch die Herstellung von Anilinfarben groß und ihre Gründer von 1863 hießen Carl Friedrich Wilhelm Meister, Eugen Lucius und Ludwig August Müller. Später ersetzte Adolf von Brüning den Dritten im Bunde, sodass man meistens von der Höchster Farbenfabrik Meister, Lucius & Brüning spricht. Das soll reichen.

Es war Herbert von Meister, ein Sohn des  Carl Friedrich Wilhelm Meister, nach welchem heute die Villa am Main mit großem Park, Pferdeställen und einer Remise benannt ist. Ihr Ursprung ist allerdings noch wesentlich älter und einst hieß sie “Villa unter den Linden”. Dieser Name nahm Bezug auf eine Lindenallee direkt unterhalb der Terrasse am Main.

villamainAnsicht vom Mainufer aus

villaparkAnsicht vom Park aus

Ich war ehrlich gesagt einigermaßen baff, als ich vorhin durch das Tor des Kutscherhauses aus in den Park kam. So groß hatte ich mir das Anwesen nicht vorgestellt. Es handelt sich um eine schlossähnliche Anlage im Stil des Neobarock von 1902/04 in einem mauerumfriedeten Park mit Orangerie, Kutscherhaus, Pferdestall und Gärtnergebäude. Es waren italienische Kaufleute – Andreas und Franz Vaccani – die 1740 ein Hofgut in Sindlingen erwarben und es später an einen Karl Franz Allesina aus dem Piemont verkauften. Irgendwo habe ich für die Brüder Vaccani den Begriff “Galanteriewarenhersteller” gelesen – herrlich! Es handelte sich dabei um Brokatbänder in Gold und Silber.

misthaufenHofreite durch die man von der Allesinastraße aus das Anwesen betritt

remiseRemise – von der Allesinastraße aus gesehen

Einer der Allesinabrüder heiratete 1724 in die Familie Brentano ein (die, wie sollte es auch anders sein, ebenfalls italienischstämmig ist).  1774 wurde in großem Stil Goldene Hochzeit gefeiert, bei der auch der junge Johann Wolfgang von Goethe anwesend war sowie einer der Brüder Bolongaro.  Ich staune immer wieder, wie viele reiche italienische Kaufleute in unserer Gegend lebten. Insofern ist die Ähnlichkeit zwischen der Villa Meister und dem Höchster Bolongaropalast, die ich gleich empfunden habe, auch erklärbar. – Die Geschichte ging sehr wechselvoll weiter, ich werde sie mal anderenorts (auf der Mainzauber Homepage) ausführlich erzählen.

fenster1

Im Treppenhaus

fenster2Details

Die Villa Meister ist heute eine Klinik für Sucht gefährdte Jugendliche. Ich hatte im Internet gelesen, dass das Gebäude deshalb selbst nicht besichtigt werden könnte. Ich bin aber einfach mal reinspaziert und habe an der Anmeldung gefragt, ob ich mich umsehen und im Treppenhaus fotografieren dürfe. Das war überhaupt kein Problem. Die Leute waren allesamt – auch vorne beim Reitverein – ausgesprochen freundlich. Die Jugendstilfenster haben mich wie immer geradezu magisch angezogen. Leider sieht man dem ganzen Anwesen an, dass das Geld fehlt, um es optimal in Schuss zu halten. Die heutigen Besitzer sind wohl eine Erbengemeinschaft der Familie von Meister. Das Treppenhaus ist wunderschön, es gibt Wandmalereien und einige alte Möblierungen.

treppenhaus*
halle

Das soll hier an dieser Stelle reichen. Aber ich bin sehr froh, dass mich der Buchstabe “V” des ABC-Projektes zur Villa Meister geführt hat. Ich habe noch mehr Fotos und Informationen. Am besten mache ich mich gleich daran, das auf der Mainzauber Homepage unter zu bringen.

feierabend

* * *

Kraniche! Eben habe ich sie zum ersten Mal in diesem Herbst gehört.  Guten Flug!!!

Herbst-Winter-Putz

putzensmiley Nun ist es soweit, Elke schwingt Putzlappen und Eimer, wäscht Gardinen und fängt an, das Haus langsam aber sicher winterfein zu machen. Ich finde einen kräftigen Hausputz um diese Jahreszeit auch viel sinnvoller als jeden Frühjahrsputz. Jetzt werde ich wieder den größten Teil der Tage und Nächte im Haus verbringen und will es hier wohlig, sauber und gemütlich haben.  Im Frühjahr will ich dagegen nur raus in den Garten, ins Freie überhaupt. Und weil ich in der kalten Jahreszeit eh mehr drinnen als draußen gemacht habe, ist es auch nicht unbedingt schmutzig.

Ich glaube, dass der Frühjahrsputz in erster Linie auch noch ein Relikt aus den Zeiten ist, in denen man weder moderne Waschmaschinen und Wäschetrockner noch Zentralheizung  hatte. Da wurde mit Holz und Kohle geheizt, jeder Ritz nach Möglichkeit gegen die Kälte von außen zugestopft und die Kleider mehrfach über einander und solange wie möglich getragen. Frühjahr – das war dann die Zeit, in der man Fenster und Türen wieder öffnete, um Gerüche zu beseitigen, die dunklen Ablagerungen entfernen wollte und Kleider und sämtlichen Hausrat waschen und endlich wieder im Freien trocknen konnte.  Ja, vor hundert und mehr Jahren war so ein Frühahrsputz sicher sinnvoll. Da haben wir es heute doch sehr viel bequemer. Und mir macht es schon deshal mehr Spaß jetzt zu putzen als bei Hitze, weil’s mir dabei schön warm wird – im Sommer bin ich eh immer am schwitzen ;-)

Für heute habe ich genug geputzt, in unserem Haus ist das sowieso eine Aufgabe ohne Ende, deshalb darf man das nicht so genau nehmen. Draußen lockt das schöne Wetter. In der Sonne sind die Temperaturen inzwischen auch erträglich .   *grmmmpf*  . . . kaum habe ich die Putzutensilien zusammengeräumt, bedeckt sich draußen der Himmel!

Schockgefrostet

. . . bin ich zwar nicht, aber – boah – es ist KALT!!!  Als ich heute morgen aufgestanden bin und auf’s Thermometer geguckt habe, zeigte mir das doch glatt  -1°C an. Inzwischen haben wir immerhin bereits wieder +5°C und die Sonne lacht vom blauen Himmel. Aber Wäschetrocknen im Freien ist wohl endgültig vorbei. Ich orakele ja schon seit der massiven Nadelbaumblüte im Frühjahr, dass es einen frühen kalten Winter geben könnte. Der Behang sämtlicher Laub- und Nadelbäumen mit Unmengen von Samen und Früchten deutet das ebenfalls an. Wie war das 2008? Da hatten wir im Oktober ebenfalls bereits den ersten Schnee und der Winter war auch nicht von schlechten Eltern.

Habt ihr schon Winterreifen auf den Rädern? Ich nicht, muss ich gestehen. Das Bächlein sprudelt im Garten ebenfalls noch munter vor sich hin und Ficus, Palme und Oleander stehen ebenfalls noch im Freien. Die Ersteren sollte ich heute wohl doch mal reinholen in die gute Stube. Der Oleander darf noch ein bisschen draußen bleiben.

Archiv