Archiv für 19. Oktober 2009
ABCprojekt “W”
. . . und dann auch gleich noch zauberhafte Herbstmomente kann ich euch heute liefern. Waren die Turmbeiträge gestern aus dem Archiv, so sind die neuen Bilder noch ofenwarm.

Für das ABC Projekt mit dem Buchstaben “W” bin ich nämlich heute extra nach Wiesbaden gefahren. Das war schon lange fällig, denn obwohl unsere hessische Landeshauptstadt nur eine knappe halbe Autostunde vom Frankfurter Westen entfernt ist, kenne ich Wiesbaden kaum. Zunächst habe ich mal mein Auto in Höhe der Rhein-Main-Hallen abgestellt, einer der ganz wenigen Punkte, wo ich schon öfter mal war. Eine Grünanlage führt in der einen Richtung zum Wiesbadener Hauptbahnhof, in der anderen Richtung Innenstadt. Ich bin erstmal zum Bahnhof marschiert, durchaus willens nach einer Info zu gucken, um einen Stadtplan zu ergattern. Gab’s aber nicht (oder ich hab’s nicht gefunden).
Europa auf dem Stier (Reisinger Anlage)
Das einstige Reichsbahngelände, unmittelbar vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof gelegen, wurde 1932 auf Initiative der Stifter Hugo Reisinger und Adam Herbert in eine Grünanlage umgewandelt. Diese Reisinger Anlage ist an sich recht hübsch gemacht und nimmt irgendwie Bezug auf die Mythen von Europa und Zeus. Leider ist das Säulentempelchen im Hintergrund mit Tafel und ursprünglicher Gestaltung völlig von Graffitis und Geschmiere verschandelt. Da könnt ich grad wieder die große Wut bekommen.
[Europa ist eine Gestalt der griechischen Mythologie, die Tochter des phönizischen Königs Agenor. Zeus verliebte sich in sie. Er verwandelte sich wegen seiner argwöhnischen Gattin Hera in einen Stier. Sein Bote Hermes trieb eine Kuhherde in die Nähe der am Strand von Sidon spielenden Europa, die der Zeus-Stier auf seinem Rücken entführte. Er schwamm mit ihr nach Matala auf der Insel Kreta, wo er sich zurückverwandelte. Der Verbindung mit dem Gott entsprangen drei Kinder: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Auf Grund einer Verheißung der Aphrodite wurde der fremde Erdteil nach Europa benannt.]
Blick zum Hauptbahnhof
Wiesbaden liegt am Rhein und zwar als Landeshauptstadt Hessens der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz genau gegenüber. Es ist sogar noch verrückter, es gibt einen Wiesbadener Stadtteil, der Mainz Kastel heißt und somit zu Hessen gehört. Kastel liegt rund einen Kilometer unterhalb der heutigen Mündung des Mains in den Rhein. Hessen und Rheinland Pfalz sind durch eine Brücke zwischen Mainz-Kastel (Wiesbaden) und Mainz verbunden.
Hauptbahnhof mit Uhrturm (somit hätte ich auch noch einen Turm!)
Der aus rotem Sandstein erbaute Hauptbahnhof wurde 1906 im Beisein Kaiser Wilhelms II. eingeweiht. Der Bau ist vorwiegend in klassischem Neobarock gehalten. Die Anordnung seiner Einzelheiten wie Turm (40 m), Pavillon und Halle sind der Zeit entsprechend prunkvoll ausgestaltet. Wenn man durch Wiesbaden flaniert, fällt einem automatisch der bekannte Satz ein: Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wiederhaben. In Wiesbaden kann man noch sehr viel Architektur aus der Ära Wilhelms II. finden.
Vom Hauptbahnhof bin ich dann zum Auto zurück, mit diesem die Wiesbadener Prachtstraße hinauf, die – wie sollte es anders sein – Wilhelmstraße heißt. Hier gibt es übrigens keine Parkplätze am Straßenrand – nur falls es euch mal nach Wiesbaden verschlägt. Einen Parkplatz gefunden habe ich aber in der noblen Parkstraße (die nichts mit parken zu tun hat), die am Alten Kurpark entlang führt. Genau da wollte ich hin.
Kurparkweiher
Und damit kommen wir schon wieder zum Element Wasser, das in Wiesbaden allgegenwärtig ist. Der Kurpark ist wunderschön und der Weiher sehr groß.
In der großen Fontäne brach sich gerade das Sonnenlicht
Sittiche im Wiesbadener Kurpark
Insgesamt leben in Wiesbaden und Umgebung über 1000 Halsbandsittiche und mehrere hundert der großen Alexander-Sittiche frei in den Parkbäumen. Das kalte Winterwetter und Minusgrade machten den Tieren nichts aus. Halsband- und Alexander-Sittiche sind ziemlich robust.
In deren Heimatregionen in Indien und Afrika kann es – wie in Deutschland – empfindlich kalt werden. Limitierende Faktoren sind vielmehr das Angebot von Nahrung und Bruthöhlen. Dabei sind die Sittiche nicht wählerisch:Sie knabbern alle möglichen Blätter, Früchte und Samen – etwa von Eschen, Platanen, Hainbuchen und Linden, aber auch von Rosskastanien, Pappeln oder Ahorn. (Quelle: Die Papageienbäume von Wiesbaden)
Aber auch Eichhörnchen konnte ich im Kurpark beobachten, dieses hier war gleich mit einem ganzen Apfel unterwegs:


Richtung Kurhaus und Casino kam ich auch wieder an einer der typischen “Ruinen” vorbei, die zu den im englischen Landschaftsgartenstil angelegten Parks einfach dazu gehören.

In diesem Fall handelt es sich aber um einige Säulen des alten Kurhauses,
das dem 1907 eingeweihten neuen Bau weichen musste.
1810 – aber es sieht aus, als würde hinter dem “X” etwas fehlen.
Das herrliche Kurhaus von innen zeige ich euch morgen – hier nur noch einer der großen Brunnen in der Anlage davor:
Wasser in Wiesbaden – Brunnen in der Grünanlage vor dem Kurhaus/Casino
Moin, moin
Meine gute Laune steigt mit dem Sonnenstand! Der Vormittag war ja reichlich trübe, aber ich hab das Beste draus gemacht und mal wieder diverse Fenser geputzt. Ist manchmal ja doch doof, wenn man in so einem halben Glashaus sitzt. Aber was muss, das muss. Nun bin ich mit dem Wintergarten eingermaßen rum, auch die letzte sommerliche Fensterdeko ist entfernt. Wenn mir was Hübsches herbstliches unterkommt, dann papp ich’s drauf oder hänge was an die großen Scheiben, sonst bleibt es erstmal so. Schließlich sind ja auch frisch geputzte Scheiben ein schöner Anblick.


Erstmal ein kurzer Gartenrundgang:





