Archiv für 12. November 2009

Tabuthema Depression

Deutschland trauert um Robert Enke – steht heute auf der Titelseite meiner Tageszeitung. Ohne pietätlos sein zu wollen, halte ich das für übertrieben, denn mir war der Name vorher noch nie untergekommen. Ich bin halt kein Fußballfan. Meine Kenntnisse der Namen von Nationaltorhütern hörten bislang noch bei Olli Kahn und Jens Lehmann auf. Aber das ist nicht mein Thema.

Es ist traurig, dass erst wieder ein Promi aufgrund seiner psychischen Erkrankung sterben musste, bevor die Menschen endlich mal über dieses große Tabuthema sprechen. Leute, wir leben im 21. Jahrhundert und Millionen Menschen sind betroffen!  Und je härter unsere Umwelt wird, je stärker der Konkurrenzkampf in der Arbeitswelt, umso mehr werden es noch werden. Seit dem letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts bekennt man sich zum Krebs, wenn es einen erwischt – auch darüber wurde früher nicht gesprochen – Homosexualität ist zwar nicht unbedingt als selbständige Form der Sexualität anerkannt, aber immer mehr Menschen bekennen sich dazu.  Doch psychische Erkrankungen gelten offenbar immer noch als Makel – man könnte auch gleich mit Aussatz behaftet sein.

Munch: Der Schrei

Wer mich schon lange kennt, der weiß, dass ich aus Erfahrung spreche. Die weibliche Linie meiner Ursprungsfamilie hatte immer damit zu tun und auch ich bin nicht davon verschont geblieben. Und obwohl meine Großmutter Suizid beging, meine Mutter dauerdepressiv war, war sie total entsetzt, als ich als junge Frau zum ersten Mal einen Therapeuten aufsuchte. Das war in den 80zigern und die erste Reaktion meiner Mutter war: Das tust du nicht! Meine Tochter ist doch nicht verrückt. Ich selbst konnte diesen Schritt nur machen, weil eine meiner Schwägerinnen damals Psychologie studierte und meine beste Freundin in Behandlung war und mir Mut machte. Keiner sonst konnte und wollte meine Probleme sehen, auch mein Mann nicht (ich nehm ihm das nicht übel, heute ist es anders, aber es ist für gesunde Angehörige immer schwer überhaupt zu verstehen, was da mit dem Partner eigentlich los ist).

Ich habe innerhalb von ca. 20 Jahren Gesprächstherapien gemacht (oder auch nicht), Workshops besucht, Medikamente genommen und war zweimal für ein paar Wochen in einer Klinik für psychisch Kranke. Über beide Aufenthalte habe ich damals sogar – vorsichtig – gebloggt.  Dieses  “oder auch nicht” bezieht sich auf meine Erfahrung, dass die meisten Betroffenen mit aller Macht versuchen ihre Probleme zu verschleiern und sich deshalb auch oft dem Therapeuten nicht öffnen können. Welche Nuss ist kaum zu knacken? Ich glaube, es ist die Paranuss.  Ich war eine solche Paranuss. Depressionen haben ja im Allgemeinen einen Grund, auch andere der Depression zugrunde liegende Probleme, Panikattacken haben ihre Auslöser und, und, und …  Diese erste, frühe Gesprächstherapie konnte meinen Panzer nicht knacken, zu groß war die Angst davor Dinge anzusprechen, die wehtun würden, zu groß die Angst auch vor Gesichtsverlust. Und doch – zumindest war ein Riss im Panzer und alles was ich später unternahm, hatte die Chance durch diesen Riss ins Innere – zu mir selbst – vorzudringen. Als ich schließlich das erste Mal eine Klinik akzeptierte, hatte ich mehrfach mit dem Gedanken an Suizid gespielt. Warum ich es nicht getan habe? Einmal wegen meiner Kinder und zweitens war ich schlichtweg zu feige.

Um zum Ende zu kommen: ich bin auch heute nicht wirklich “geheilt”, vermutlich geht das auch garnicht. Aber mir geht’s gut, ich kann über meine Probleme reden, ich habe meinen Beruf aufgegeben, der Stress pur für mich war. Ich brauche im Moment auch keine Medikamente mehr, doch ich kenne die Zeichen, die mich hellhörig werden lassen. Mir geht es im Moment so gut wie selten zuvor, aber ich würde auch keine Sekunde zögern, mir wieder Hilfe zu suchen, wenn ich merken würde, das wieder was imAnzug ist. In der Klinik habe ich mit Menschen aller Altersklassen, beiderlei Geschlechtes und ganz unterschiedlicher Herkunft zusammen gesessen.  Da gab es Hausfrauen, Lehrer, Manager, Jugendliche, Selbständige – es kann jeden treffen. Ich wünsche mir, dass die augenblickliche Berichterstattung und Betroffenheit über den Tod von Robert Enke nachhaltig ist, dass die psychischen Erkankungen endlich mal aus diesem Dunstkreis des “Sowas hat man nicht” herausgezerrt  und als das erkannt werden, was sie sind: Erkrankungen und zunehmend ein Fluch unserer Leistungsgesellschaft.

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Bei Ocean habe ich ein Stöckchen von Sammy entdeckt:

1. Du besuchst einen neuen blog. was liest du als erstes?
Die ersten zwei, drei Einträge, und wenn vorhanden – die “ÜBER”-Seite.

2. Interessiert dich die “ueber seite” falls vorhanden, weil du etwas ueber die person erfahren moechtest die da schreibt?
Auf jeden Fall

3. Schaust du dir auch die vorherigen eintraege an oder nur den aktuellsten?
Siehe oben

4. Liest du manchmal im archiv?
selten

5. Hältst du ein gaestebuch fuer ueberfluessig?
An sich mag ich Gästebücher sehr gerne, aber sie sterben langsam aus – schade!

6. Müssen dich die farben und die gestaltung eines blogs ansprechen damit du ihn wieder besuchst?
Ja, auf jeden Fall. Am Wichtigsten ist zwar der Inhalt, aber ich brauch auch was für’s Auge

7. Bist du eher ein blog-abonnent und wartest gespannt auf den naechsten eintrag oder besuchst du einen bestimmten blog nur bei deiner ausfuehrlichen blogrunde?
Abo – meinst du den Feed? Also nein, ich habe eine Blogroll, besuche aber auch nicht alle Blogger täglich, dazu reicht die Zeit garnicht. Dafür immer mal wieder neue Blogs, die ich bei anderen entdecke.

8. Wie lange bloggst du schon?
Keine Ahnung, aber schon viele Jahre, ich hatte viele Blogs, bevor ich bei WordPress gelandet bin und das erste blogähnliche Etwas war eine Art Tagebuch auf meiner damaligen Homepage “Das Mondscheinportal”.

9. Was findest du interessanter, ein blog oder ein forum?
Blogs. Ich bin absolut kein Forum-Typ

10. Hast du schon mal schlechte erfahrungen mit dem bloggen gemacht?
Nein, an sich nicht. Ich habe Blogs kennengelernt, die ich wieder verlassen habe, ich hatte Leser, die bei mir wieder verschwunden sind, das ist normal. Früher habe ich emotionaler reagiert als heute und manch einer fühlte sich von meinen Kommentaren angegriffen. Das hat dann öfter mal zu Animositäten geführt. Heute halte ich zwar nicht meine Klappe, aber die Leute kennen mich *lol* und ich geh’s auch ruhiger an.

11. Findest du es unhoeflich wenn du schon einige male einen blog besucht hast, aber keinen gegenbesuch bekommst?
Nicht unhöflich, aber ich stelle irgendwann meine Besuche auch dort wieder ein. Ein gegenseitiger Austausch ist einfach interessanter.

12. Liest du die kommentare die andere vor dir geschrieben haben?
Ab und an, wenn ich dazu Zeit habe.

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