Tabuthema Depression
Deutschland trauert um Robert Enke – steht heute auf der Titelseite meiner Tageszeitung. Ohne pietätlos sein zu wollen, halte ich das für übertrieben, denn mir war der Name vorher noch nie untergekommen. Ich bin halt kein Fußballfan. Meine Kenntnisse der Namen von Nationaltorhütern hörten bislang noch bei Olli Kahn und Jens Lehmann auf. Aber das ist nicht mein Thema.
Es ist traurig, dass erst wieder ein Promi aufgrund seiner psychischen Erkrankung sterben musste, bevor die Menschen endlich mal über dieses große Tabuthema sprechen. Leute, wir leben im 21. Jahrhundert und Millionen Menschen sind betroffen! Und je härter unsere Umwelt wird, je stärker der Konkurrenzkampf in der Arbeitswelt, umso mehr werden es noch werden. Seit dem letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts bekennt man sich zum Krebs, wenn es einen erwischt – auch darüber wurde früher nicht gesprochen – Homosexualität ist zwar nicht unbedingt als selbständige Form der Sexualität anerkannt, aber immer mehr Menschen bekennen sich dazu. Doch psychische Erkrankungen gelten offenbar immer noch als Makel – man könnte auch gleich mit Aussatz behaftet sein.
Wer mich schon lange kennt, der weiß, dass ich aus Erfahrung spreche. Die weibliche Linie meiner Ursprungsfamilie hatte immer damit zu tun und auch ich bin nicht davon verschont geblieben. Und obwohl meine Großmutter Suizid beging, meine Mutter dauerdepressiv war, war sie total entsetzt, als ich als junge Frau zum ersten Mal einen Therapeuten aufsuchte. Das war in den 80zigern und die erste Reaktion meiner Mutter war: Das tust du nicht! Meine Tochter ist doch nicht verrückt. Ich selbst konnte diesen Schritt nur machen, weil eine meiner Schwägerinnen damals Psychologie studierte und meine beste Freundin in Behandlung war und mir Mut machte. Keiner sonst konnte und wollte meine Probleme sehen, auch mein Mann nicht (ich nehm ihm das nicht übel, heute ist es anders, aber es ist für gesunde Angehörige immer schwer überhaupt zu verstehen, was da mit dem Partner eigentlich los ist).
Ich habe innerhalb von ca. 20 Jahren Gesprächstherapien gemacht (oder auch nicht), Workshops besucht, Medikamente genommen und war zweimal für ein paar Wochen in einer Klinik für psychisch Kranke. Über beide Aufenthalte habe ich damals sogar – vorsichtig – gebloggt. Dieses “oder auch nicht” bezieht sich auf meine Erfahrung, dass die meisten Betroffenen mit aller Macht versuchen ihre Probleme zu verschleiern und sich deshalb auch oft dem Therapeuten nicht öffnen können. Welche Nuss ist kaum zu knacken? Ich glaube, es ist die Paranuss. Ich war eine solche Paranuss. Depressionen haben ja im Allgemeinen einen Grund, auch andere der Depression zugrunde liegende Probleme, Panikattacken haben ihre Auslöser und, und, und … Diese erste, frühe Gesprächstherapie konnte meinen Panzer nicht knacken, zu groß war die Angst davor Dinge anzusprechen, die wehtun würden, zu groß die Angst auch vor Gesichtsverlust. Und doch – zumindest war ein Riss im Panzer und alles was ich später unternahm, hatte die Chance durch diesen Riss ins Innere – zu mir selbst – vorzudringen. Als ich schließlich das erste Mal eine Klinik akzeptierte, hatte ich mehrfach mit dem Gedanken an Suizid gespielt. Warum ich es nicht getan habe? Einmal wegen meiner Kinder und zweitens war ich schlichtweg zu feige.
Um zum Ende zu kommen: ich bin auch heute nicht wirklich “geheilt”, vermutlich geht das auch garnicht. Aber mir geht’s gut, ich kann über meine Probleme reden, ich habe meinen Beruf aufgegeben, der Stress pur für mich war. Ich brauche im Moment auch keine Medikamente mehr, doch ich kenne die Zeichen, die mich hellhörig werden lassen. Mir geht es im Moment so gut wie selten zuvor, aber ich würde auch keine Sekunde zögern, mir wieder Hilfe zu suchen, wenn ich merken würde, das wieder was imAnzug ist. In der Klinik habe ich mit Menschen aller Altersklassen, beiderlei Geschlechtes und ganz unterschiedlicher Herkunft zusammen gesessen. Da gab es Hausfrauen, Lehrer, Manager, Jugendliche, Selbständige – es kann jeden treffen. Ich wünsche mir, dass die augenblickliche Berichterstattung und Betroffenheit über den Tod von Robert Enke nachhaltig ist, dass die psychischen Erkankungen endlich mal aus diesem Dunstkreis des “Sowas hat man nicht” herausgezerrt und als das erkannt werden, was sie sind: Erkrankungen und zunehmend ein Fluch unserer Leistungsgesellschaft.
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Bei Ocean habe ich ein Stöckchen von Sammy entdeckt:
1. Du besuchst einen neuen blog. was liest du als erstes?
Die ersten zwei, drei Einträge, und wenn vorhanden – die “ÜBER”-Seite.
2. Interessiert dich die “ueber seite” falls vorhanden, weil du etwas ueber die person erfahren moechtest die da schreibt?
Auf jeden Fall
3. Schaust du dir auch die vorherigen eintraege an oder nur den aktuellsten?
Siehe oben
4. Liest du manchmal im archiv?
selten
5. Hältst du ein gaestebuch fuer ueberfluessig?
An sich mag ich Gästebücher sehr gerne, aber sie sterben langsam aus – schade!
6. Müssen dich die farben und die gestaltung eines blogs ansprechen damit du ihn wieder besuchst?
Ja, auf jeden Fall. Am Wichtigsten ist zwar der Inhalt, aber ich brauch auch was für’s Auge
7. Bist du eher ein blog-abonnent und wartest gespannt auf den naechsten eintrag oder besuchst du einen bestimmten blog nur bei deiner ausfuehrlichen blogrunde?
Abo – meinst du den Feed? Also nein, ich habe eine Blogroll, besuche aber auch nicht alle Blogger täglich, dazu reicht die Zeit garnicht. Dafür immer mal wieder neue Blogs, die ich bei anderen entdecke.
8. Wie lange bloggst du schon?
Keine Ahnung, aber schon viele Jahre, ich hatte viele Blogs, bevor ich bei WordPress gelandet bin und das erste blogähnliche Etwas war eine Art Tagebuch auf meiner damaligen Homepage “Das Mondscheinportal”.
9. Was findest du interessanter, ein blog oder ein forum?
Blogs. Ich bin absolut kein Forum-Typ
10. Hast du schon mal schlechte erfahrungen mit dem bloggen gemacht?
Nein, an sich nicht. Ich habe Blogs kennengelernt, die ich wieder verlassen habe, ich hatte Leser, die bei mir wieder verschwunden sind, das ist normal. Früher habe ich emotionaler reagiert als heute und manch einer fühlte sich von meinen Kommentaren angegriffen. Das hat dann öfter mal zu Animositäten geführt. Heute halte ich zwar nicht meine Klappe, aber die Leute kennen mich *lol* und ich geh’s auch ruhiger an.
11. Findest du es unhoeflich wenn du schon einige male einen blog besucht hast, aber keinen gegenbesuch bekommst?
Nicht unhöflich, aber ich stelle irgendwann meine Besuche auch dort wieder ein. Ein gegenseitiger Austausch ist einfach interessanter.
12. Liest du die kommentare die andere vor dir geschrieben haben?
Ab und an, wenn ich dazu Zeit habe.



Hallo Elke, ich hatte gestern schon ein wenig in diesem Blog gelesen, aber dann aus Zeitmangel aufgehört. Nun habe ich mir richtig Zeit genommen. Dein Bericht macht mich sehr nachdenklich. Und ich bewundere deinen Mut, mit deiner Krankheit so offen umzugehen. Die vielen bemerkenswerten Kommentare haben gezeigt, dass es an der Zeit ist offen über das Thema Depression zu reden, zumal diese Krankheit tausend Gesichter hat. Viele Betroffene sucht auch keine professionelle Hilfe, also wird die Anzahl der Erkrankten wesentlich höher sein als die Ärzte vermuten. – Abgesehen von manchen Stunden, an dem mir nicht nach Lachen ist…, bin ich nicht (noch nicht) selbst betroffen. Aber ich hatte eine Kundin (die später so etwas wie eine Freundin war) die in regelmäßigen Abständen an Depressionen erkrankte…Man kann diese Krankheit als nicht betroffener nur sehr schlecht verstehen…Und ich glaube auch die Wissenschaft ist noch am Anfang ihrer Forschung, – was wirklich ich in den Phasen der Krankheit im Körper und in der Psyche eines Kranken abspielt….
Aber die Erkrankten als verrückt zu bezeichnen, ist wieder so ein unausrottbares Vorurteil….
Liebe Grüße an dich von Monré
Liebe Elke,
auch ich wollte es nicht wahrhaben als es mich traf. Ich war doch immer eine Frohnatur. Das geht doch nicht! Natürlich nicht in dieser schweren Form wie es Robert Enke wohl hatte aber es ist hammerhart! Und auch habe ich immer wieder mit Phasen zu kämpfen. Ich war schon sechs Wochen in Reha, weil ich auch immer wieder psychosomatische Erkrankungen habe.
Das ganze wurzelt in meiner Kindheit, worüber ich aber nicht berichten möchte…
LG
Ute
Hallo liebe Elke,

das Problem ist, dass sich ein Nichtbetroffener nicht vorstellen kann, wie sich das anfühlt, wenn man ein psychisches Leiden hat. In den letzten Jahren wird schon sehr viel Aufklärungsarbeit betrieben, nur kann man ja niemanden zwingen, sich das anzuhören oder zu lesen.
Ich kann mich gut erinnern, wie Du Deinen zweiten (?) Klinikaufenthalt hattest und ich freue mich, dass es Dir so gut geht. Aber man muss vermutlich auch viel selbst dazutun und lernen, was gut für einen ist. Ich wünsche Dir eine lichtvolle Zeit!
Steinreiche Grüße
Helga
Hallo Elke,
das hast du wirklich eindrucksvoll formuliert und ich bin voll mit deiner Meinung zu Depressionen und wie man damit umgeht bzw. darauf reagiert einverstanden.
Ein toller Beitrag Elke !
Herzliche Grüsse,
Cor
@Christa: Danke für den Link, dennoch lässt mich dein Kommentar etwas ratlos zurück. Soll ich mich nun gemassregelt fühlen, dass ich darüber geschrieben habe (Zitat: selbstverständlich sollte über Depressionen geschrieben und gesprochen werden. Ich bezweifle aber, daß der Freitod einer Person, die im Rampenlicht steht, dazu der richtige Anlaß ist)oder meinst du tatsächlich nur das Ausschlachten dieses “Medienereignisses” an sich, das ich ebenfalls verabscheue? Da hier die Kommentare der anderen Leser zu meiner Stellungnahme durchweg positiv waren, gehe ich mal davon aus, dass du nicht meinen Beitrag gemeint hast. Mir fällt in dem von dir erwähnten Link der Satz auf: Warum findet man in den „Qualitätsmedien“ beispielsweise keinen Beitrag, in dem das Thema „Depressionen und Suizidgefahr“ einmal enttabuisiert wird? Ich denke, es war mein Anliegen, dass genau das passiert. Und was ich geschrieben habe, unterscheidet sich kaum von den Gedanken des “Spiegelfechters”.
@Inge: Ich hatte vor ein paar Jahre durchs Internet eine Frau kennengelernt, zu der sich eine ganz nette Freundschaft aufbaute. Sie war jünger als ich, eine typische Powerfrau und wir trafen uns auch ab und an persönlich, nicht nur auf virtueller Ebene. Sie kam mit meiner Krankheit überhaupt nicht zurecht. Unterschwellig warf sie mir Schwäche vor und meinte, eine Frau wie ich müsse sich doch am eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen können. Letztendlich habe ich mich zurückgezogen, das konnte ich nicht ertragen. Aber es ist genau diese Einstellung der Umwelt, die es psychisch Erkrankten so schwer macht, offen damit umzugehen.
@Irmgard: Danke auch dir für deine Offenheit. Das Thema ist wirklich sehr komplex. Diese Stimmungsschwankungen, die du beschreibst, haben viele Menschen. Richtig gefährlich werden sie erst, wenn es sich um eine echte manisch-depressive Erkrankung handelt. Ich habe auch solche Menschen in der Klinik kennengelernt. Eben sind sie noch wie Du & ICH, dann kommen sie dir plötzlich vor Dr. Jekyll and Mr. Hide. Ich glaube, kaum etwas ist schwieriger zu behandeln als die Psyche. Deshalb haben es auch die Ärzte und Therapeuten nicht leicht und oft heißt es viel zu schnell: das bringt ja doch alles nichts.
Liebe Elke,
keiner mag es gern zugeben, aber auch ich gehöre zu den Menschen, die zeitweilig unter Depressionen leidet und gelitten hat. Man könnte es auch daran erkennen, wenn man ganz unten in meinen Links die XXXXXX anklickt.
Auch ich hatte schon mit 16 Jahren einen Suizidversuch mit Tabletten und landete im Krankenhaus. Im späten Erwachsenenalter besuchte ich zwei Jahre eine Psychotherapeutin, ohne dass davon bis heute ein Familienangehöriger etwas weiß. Lediglich ein paar recht persönliche Menschen außerhalb meiner Angehörigen wissen davon.
Bei so einer Krankheit wirste belächelt, ausgelacht, bevormundet und jeder der diese Krankheit nicht kennt, meint, er hätte das Gelbe vom Ei gefressen und steht über den Dingen. Die Arroganz spottet aller Beschreibung, wenn man sich über dieses Thema unterhält. Alles kommt dann vor, was man vom Mitmenschen hört: Die Feigheit dem Leben gegenüber oder man ist eingebildet krank oder man will sich bestimmten Dingen entziehen.
Ich finde, Aufklärung ist sehr wichtig über diese Krankheit, damit mal denen der Mund gestopft wird, die sich arrogant über alles erheben. Jeder Selbstmörder ist einer zuviel, aber verstehen kann ich die meisten und deshalb sind Depressionen zu behandeln.
Liebe Grüße von Inge
Liebe Elke,
Du hast sehr ausführlich geschrieben. Bei mir sind es eher Stimmungsschwankungen. Depressionen treten bei mir eher als Antriebsarmut auf, meist nach einer euphorischen Phase, so dass ich wenig fühle und mich nicht freuen kann. Das ist aber eher körperlich bedingt, denn ich verliere nie meinen Mut und meinen Glauben. Darum nehme ich jetzt – nachdem ich blödsinnigerweise wieder mal meine Medikamente abgesetzt hatte – wieder mein Prophylaktikum.
Ich bekomme regelmäßig meine Wut, wenn in Gesprächen “Psychisch Krank = verrückt” gleichgesetzt wird, was einfach Gang und Gebe ist. Aber bei diesen Menschen ist es sinnlos, dagegen anzugehen, das habe ich aufgegeben. Mein Mann ist dagegen positiv eingestellt, obwohl auch er in manchen Momenten hilflos ist. Sein positives Wesen tut mir gut.
Bei Männern ist sicherlich der Faktor “Stärke zeigen” noch höher. Ein depressiver Mann ist doch noch weniger akzeptabel für die Leute als eine depressive Frau.
Wegen Depressionen in der Familie: da ist, denke ich, ein genetischer also körperlicher Faktor mit drin. Hier sollte man außer den Therapien – die sind immer gut – die entsprechenden Medikamente nicht vergessen. Aber hier bitte nicht jedem Arzt alles glauben. Ich bin die Fachfrau mit meinen Problemen, muss mich zusätzlich informieren. Wenn ich eine Nebenwirkung nicht akzeptieren kann, gibt es noch mehrere Medikamente der Wahl.
Das Thema ist komplex, da könnte man lang drüber schreiben. Mal sehen, ob ich es in meinem Blog anschneide, aber zur Zeit blogge ich sehr wenig, lese lieber mehr.
Dir ganz liebe Grüße, Irmgard
Liebe Elke,
selbstverständlich sollte über Depressionen geschrieben und gesprochen werden. Ich bezweifle aber, daß der Freitod einer Person, die im Rampenlicht steht, dazu der richtige Anlaß ist.
Über die Art und Weise, wie und in welchem Umfang die Medien über das Ereignis berichten, macht mich wütend. Ich kann’s einfach nicht mehr lesen, hören, sehen, wer da alles und wie in der Öffentlichkeit trauert – und bin überzeugt, daß vieles davon auch nur veranstaltet wird, um von sich reden zu machen.
Wenn Du erlaubst möchte ich einen Link zu diesem Artikel »Der Freitod eines Torwarts und die Ethik« setzen:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/1147/der-freitod-eines-torwarts-und-die-ethik
Der gesamte Artikel ist lesenswert – mich hat insbesondere das Kapitel “Die Leiden des jungen Werther” sehr nachdenklich gestimmt.
Das ist eben die andere Seite der Medaille…
Viele Zitantengrüße von
Christa
Ich finde es mutig von dir, Elke, dass du so offen über deine Erkrankung schreibst. Respekt!
Ganz liebe Grüße – Donna
Ich mache nicht mehr viel Worte. Kann mich den vorangegangenen Kommentaren nur anschließen…..
Lieb Grüße vom Heidegeist
@Elfe: Ja, die Tageslichttherapie ist für Leute mit Winterdepression eine gute Sache. Ich habe auch so eine Lampe, die ist nur groß und von der Form her sehr unpraktisch. Aber ich weiß, dass es mittlerweile auch welche gibt, die wie normale Stehlampen konstruiert sind. Noch besser ist allerdings, wenn man sooft wie möglich raus an die frische Luft geht, auch wenn die Sonne nicht scheint.
Liebe Elke
Danke für deine mutmachenden Worte über Depressionen. Bei uns in der Schweiz hat vor einigen Jahren ein prominenter Regisseur über seine Depressionskrankheit ein Buch geschrieben. Das war der Initialzünder, dass viel in den Medien darüber berichtet wurde, und auch noch andere Betroffene das eine oder andere Buch dazu veröffentlicht haben.
Und vor einiger Zeit ist ein bekannter Politiker von einem Tag auf den anderen von der Politbühne abgetreten und hat öffentlich verlautbaren lassen, dass er an einem Burnout Syndrom leide (was vermutlich auch eine Art Depression ist). Auch das gab viel Wirbel in der Presse.
Ob sich deswegen etwas geändert hat im allgemeinen Arbeitsstress weiss ich nicht, doch ich denke, es hat Betroffenen geholfen zu erkennen, dass sie krank sind und nicht “spinnen” und es ihnen leichter fällt Hilfe zu holen, oder dass die Angehörigen hellhörig werden, und wenn es ein guter Arbeitgeber ist, sich auch dieser einschaltet.
Mich macht es immer etwas hässig, wenn so pauschalisierend und negativ über die psychiatrischen Kliniken hergezogen wird, das hält dann wenn möglich Betroffene ab sich dort Hilfe zu holen. Und bei der Depressionskrankheit ist es bewiesen, dass die Antidepressiva die Heilung günstig beeinflussen, und dass das Medikament auch wieder abgesetzt werden kann, man wird nicht süchtig davon.
Ich selbst leide nur an saisonaler Winterdepression, was nicht zu vergleichen ist mit einer echten Depression. Und glücklicherweise hilft mir da die Lichttherapie. Jetzt im grauen November stelle ich jeden Morgen beim Frühstück 15 Minuten diese Lampe ein (normales Licht, einfach viel, viel stärker als die Deckenlampe) und es geht mir sehr gut, bin nicht speziell müde und kann morgens ohne Probleme aufstehen.
Oh jetzt habe ich aber viel geschrieben, sorry.
Der Mann und die Familie tun mir auch sehr leid. Es wäre schön, wenn wenigstens dieses Leid der Anlass wäre, dass die Menschen sich über dieses Thema besser informieren und immer mehr Betroffene sich getrauen darüber zu sprechen.
Liebe Grüsse und nochmals vielen Dank
Elfe
Liebe Elke,
ich finde das die Öffentlichkeit schon seit ein paar Jahren wesentlich zugänglicher für das Thema Depressionen geworden ist. Allerdings wird die gesamte Tragweite der Erkrankung oft nicht begriffen. Wie auch ? Für Nichtbetroffene sind die Gedankengänge eines Menschen der an Depressionen mit all ihren Facetten leidet, so gut wie nicht nachvollziehbar. Noch dazu hat jeder Mensch ja seine ganz individuellen Empfindungen – Das ist wirklich ein ganz großes, kompliziertes Thema …
Es freut mich aber sehr zu lesen, daß du nach deiner Leidenszeit “deinen Weg” gefunden hast und dein Leben wieder lebenswert und fröhlich ist.
Weiterhin alles erdenklich liebe und sonnige Zeiten wünscht dir herzlichst …
Carol
@Brigitte (la Palma): …”Bitte versteh das nicht als “klugsch….” einer Nichtbetroffenen” <> ganz sicher versteh ich das nicht so, denn du hast ja absolut recht! Das mit dem Bauchweh oder anderen Erkrankungen an denen man manchmal selbst schuld ist, das ist sogar ein guter Vergleich, finde ich.
Liebe Elke
Ich werde nie verstehen, warum man sich wegen Depressionen schämen sollte. Ich schäm mich doch auch nicht wenn ich Bauchschmerzen habe, dabei wäre dies angebracht, da ich meist zuvor unvernünftig gegessen habe. Hätte ich also eher Grund mich zu schämen, nicht für die Bauchschmerzen eigentlich, aber für meine Unvernunft.
Depressionen kann jeder bekommen ohne was getan zu haben. Warum sollte man sich für etwas schämen, wofür man nichts kann?
Ich weiss, dass die Welt das anders sieht. Aber wäre nicht allen geholfen, wenn man über Depressionen reden könnte, wie über Bauchschmerzen auch?
Bitte versteh das nicht als “klugsch….” einer Nichtbetroffenen, ich wünschte mir doch nur, dass es allen besser geht.
Liebe Grüsse
Brigitte
ach übrigens, das Stöckchen hab ich auch beantwortet, sehe vieles ähnlich wie du
Hallo Elke, das Thema Depression wird in der Tat immer noch totgeschwiegen und ich meine vor allem die älteren Leute haben arge Probleme sich da Hilfe zu holen. Ärzte erkennen häufig das Grundproblem nicht und verschreiben lieber Schlafmittel oder Tranquilizer und so wird die Krankheit überlagert und nicht erkannt.
Ich weiß noch wie sehr meine Tante bestürzt und geschockt war, als ich ihr den Rat gab einen Psychologen aufzusuchen. Ebenso gut hätte ich ihr sagen können sie sollte sich ein Kettenkarussell kaufen, die Überraschung wäre nicht größer gewesen. Meine Tante war damals derart durch Depressionen und psychische Probleme in ihrem Leben eingeschränkt, dass ich ich den Weg zu einem Psychologen für völlig selbstverständlich hielt. Sie konnte nicht mehr selbst Autofahren, ging nicht einkaufen sondern bestellte alle Dinge aus dem Katalog, sie vermied Menschen und verkroch sich immer mehr, dazu kamen Herzrhytmusstörungen und andere gesundheitliche Probleme. Aber sich einem Therapeuten anzuvertrauen kam für sie und vor allem für ihren Mann so garnicht in Frage. ” Was sollen die Leute denken ? – Ich bin doch nicht verrückt – der macht mich nur kränker als ich ohnehin schon bin !!! Ein Gespräch zu diesem Thema war garnicht möglich, und das obwohl die Mutter meiner Tante auch schon vorbelastet war, das Problem also auch in der Familie lag. Mein Onkel hatte vor allem Angst das “es” rauskommt, das er irgendwelche Probleme in der Arbeit bekommt, das dort gelacht wird über seine ” verrückte” Frau.
Aufklärung tut Not, da hast du vollkommen recht und es wird Zeit das dieses Thema offen besprochen wird, dass die Menschen die es betrifft nicht als Verrückte abgestempelt werden.
Ein wichtiges Thema das du da angerissen hast.
Liebe Grüße von Pia-Marie
Hallo Elke, du hast ein “heißes” Eisen angepackt. Ich erinnere mich noch an den Inhalt einiger Leserzuschriften, im Internet und auch in der Wochenzeitung Die Zeit, zu der gleichen Problematik bei Sebastian Deisler. Man titulierte ihn als Memme, Schwächling und Versager, der dem Haibecken “Profifußball” nicht gewachsen ist.
Es ist ein Zeichen von Stärke, das ist meine Meinung, daß du als betroffene Person, so offen mit dem Thema umgehst. Ich wünsche dir viel Kraft.
Lieben Gruß
Helmut