Der Kaiserdom
Ein bisschen Lust auf Geschichte? Ich kann ja nicht immer nur das schöne Wetter preisen. Trotzdem – hätte mir wer Ende Oktober – als es so s*ukalt war – oder beim Dauerregen letzte Woche gesagt, dass ich heute im T-Shirt in der Sonne stehen würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Aber nun zum Kaiserdom St. Bartholomäus.
Eingang auf der Nordseite (Braubachstraße / Domplatz)
links von den Bäumen verdeckt das Kaiserportal
Die Figuren (aus dem 19.Jahrhundert) stellen Jesus und seine Apostel
sowie weitere Verwandte Jesu dar.
Der Hügel, sprich Römerberg, auf dem auch der Dom steht, war in alten Zeiten eine Maininsel. Der Main fließt südlich daran vorbei, aber damals existierte ein Seitenarm – die Braubach – der nördlich floß. Dieses Flussbett ist heute die Braubachstraße. Die Ursprünge unseres Doms liegen vermutlich mit einer ersten Bebauung um 500 n. Chr. Es gibt im Dom eine Tafel, welche die einzelnen Erweiterungs- und Umbauten sehr schön verdeutlicht. Im Bereich der ersten kleinen Saalkirche wurde ein merowingisches Mädchengrab gefunden. Der heutige Bau ist eine dreischiffige, gotische Hallenkirche, in der es enorm viel zu bestaunen gibt. Trotz vielen prunkvollen Altäre und trotz der verschiedenen Einflüße besticht mich doch die eigentlich schlichte Klarheit des gesamten Baus. Alles wirkt in sich stimmig. Im Mittelalter war der Dom, der nie Bischofskirche war, Sitz des kaiserlichen Domstiftes St. Bartholomäus, seit 1356 Wahlort der Deutschen Könige und ab 1562 Krönungsort der römischen Kaiser.
Die Vorhalle mit dem barocken Maria-Himmelfahrt-Altar
Blick durch das Mittelschiff nach Süden zum Hochchor
Blick nach oben im Mittelschiff mit den bemalten Kapitellen

Der gotische Hochaltar im Hohen Chor, ursprünglich aus Sachsen stammend (15.Jahrhundert)
Der Altarraum kann nicht betreten werden
Die ehemalige Wahlkapelle / Raum für das stille Gebet
Die Wahlkapelle des Domes, in der die Deutschen Könige gewählt worden sind, ist heute ein Raum für das stille Gebet. Sie befindet sich süd-westlich des Hohen Chores. Frankfurt war in der Goldenen Bulle Karls IV. von 1356 als Ort der Königswahl festgelegt worden. Seit der Zeit Maximilians I. galt der von den Kurfürsten zum König Gewählte auch ohne Zustimmung und Krönung durch den Papst als Erwählter Römischer Kaiser. In der Folge galt auch die Königs- zugleich als Kaiserkrönung. Sie fanden von 1562 an – in der Regel wenige Tage nach der Wahl – ebenfalls in Frankfurt statt. Diese Tradition endete erst mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation (Zitat aus Wikipedia). Vorher fanden die Kaiserkrönungen in der Peterskirche in Rom durch den Papst statt.
Ich glaube, das reicht erstmal. Ich bin selbst immer noch überwältigt von dem, was ich alles im Dom gesehen habe und von dem, was ich inzwischen über den Dom und seine Geschichte nachgelesen habe. Ganz sicher werde ich ihn bald wieder aufsuchen und diesmal etwas besser vorbereitet. Das war wieder so eine typische Lehre: da lebe ich seit 56 Jahren in Frankfurt, schau mir überall sonst in der Welt Kirchen an, aber unseren Dom kenne ich kaum. Das gilt außerdem für so manches andere in Frankfurt und Umgebung, aber ich bin ja nun – versehen mit der nötigen Zeit – dabei, es endlich in Angriff zu nehmen. Die heutigen Fotos und weitere gibt es jetzt auch auf der MainZauber Homepage unter “City” zu sehen.
Ich habe mir übrigens gerade die DVDs “The Tudors” gekauft, die ich teilweise im Fernsehn in englischer Sprache gesehen habe. Auch die englische Geschichte um Heinrich VIII., die ja mit der Geschichte ganz Europas innig verflochten ist, ist höchst interessant. Wobei die Fernsehserie bei mir viele Fragen offen lässt, aber es gibt ja Bücher und das Internet
Apropos Bücher. Da brachte mir doch heute die Post völlig überraschend ein Bücherpaket, Absender eine ganz liebe Internetfreundin, die ich vor einigen Jahren auch persönlich kennengelernt habe. Das hat mich total vom Sockel gehauen. Ein dickes Dankeschön und liebe Grüße nach Nürnberg!!! ![]()


Hallo Elke,
sehr schöne Bilder des Kaiserdoms der doch so einiges zu bieten hat, nicht nur fotografisch wie ich lesen kann. Da kann man wohl einige Stunden verbringen….
Herzliche Grüsse,
Cor
@Kelly: Besser Gedankensprünge als gar keine Gedanken
@Christa: Ja, man kann sich dieses Eindrucks kaum erwehren. Aber der Winter kommt sicher noch.
@Helmut: Das mit den Kraftplätzen weiß ich zumindest von einigen christlichen Kirchen – passt ja auch zum Schema, dass die christliche Kirche immer versucht hat mit ihren Gebäuden und Festen das vorher Vorhandene zu überdecken und auszurotten.
@Kvelli: Bei mir stehen inzwischen eine Reihe von Domen und Kathedralen auf der Besichtigungsliste – der Dom zu Speyer zum Beispiel.
@Inge: Nein, ich bin kein Kirchgänger; ich bin noch nicht mal in der Kirche, obwohl evangelisch getauft und als Kind in der Kirche durchaus aktiv. Mit einsetzendem Denkvermögen wurde mir die Lehre jedoch mehr und mehr suspekt. Aber darüber könnte ich nun stundenlang philosophieren.
moin elke,
es gibt für mich zuviel gedankensprünge zum thema allmächtige grösse gottes.
als bauwerk ist der kaiserdom eine wahre schatztruhe und mit dem geschichtlichen hintergrund sehr beeindruckend.
dann wende ich mich nun den irdischen *g* dingen zu, hunderunde und dem kochen für gäste und der himmel stehe mir bei.
liebe sonntagsgrüsse!
kelly
Liebe Elke!

Danke für den totalen geschichtlichen Nachhilfeunterricht! Man lernt doch nie aus!!! Wofür doch so ein Blog alles gut ist. Das war alles sehr interessant zu lesen.
Seit 2 Tagen ist hier Frühling, 16 Grad und das bei blauem Himmel und strahlender Sonne!!! Vielleicht blühen bald die Krokusse!
Liebe Grüße und einen gemütlichen Sonntag, Christa
Wenn ich diese Bauwerke sehe und/oder besuche (Dom zu Speyer, die Kathedralen in Chartres, Metz und Reims, die Münster in Freiburg, Breisach und Strasbourg), dann habe ich große Achtung vor der Leistung der Menschen, die eine Kirche oder Kathedrale, meist über einen sehr langen Zeitraum, gebaut haben. Es ist dir sicher auch bekannt, daß diese Gebäude auf bestimmte Kraftplätze gebaut wurden.
Danke für deinen liebevoll gestalteten Beitrag. So lerne ich immer wieder neu hinzu (bloggen bildet auch noch !!!).
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende
Lieben Gruß
Helmut
Diese Dome sind schon sehr beeindruckend und mit solch fachkundiger Beschreibung, die passende Fotogestaltung, ja, das macht schon Lust auf eine Besichtigung. Zumal wir bei uns in der Nähe vielleicht mal gerade so einen kleine Flügel haben, gut, den nennt man hierzulande auch nur Kirche
Sei lieb gegrüßt
Kvelli
Liebe Elke,
dieser Dom gefällt mir sehr. Wahrscheinlich auch, weil die Fotos wieder einmal so gelungen sind. Alles sehr gepflegt und sehr edel. Gehst du eigentlich auch noch manchmal oder sogar regelmäßig in eine Kirche zum Gottesdienst?
Nein, ich nicht, aber ich schau mir gern die Kirchen von innen an. Wahre Künstler sind dann manchmal zu bewundern.
Hab einen angenehmen und freundlichen Abend,
Inge