Archiv für 25. November 2009

Vor 33 Jahren

. . . war ich sicher einer der (von ca. 17)  glücklichsten Menschen der Welt, naja zumindest in Frankfurt. Das zahnmedizinische Staatsexamen war endlich bestanden, all der Stress, die Plackerei, die Ängste waren vorbei. Ich war gerade mal 23 Jahre alt und dachte, nun steht dir die Welt offen, liebe Elke. Letztendlich waren die Jahre des Studiums trotz allen Stresses und die folgenden Jahre meiner Assistenzzeit bis zur Praxisgründung 1980 vermutlich auch wirklich die freiesten meines Lebens. Wenn ich aus dieser Zeit überhaupt etwas bereue, dann dass ich mir nicht mehr Freiheiten erlaubt habe, einen Auslandsaufenthalt etwa.  Aber diese Denkweise, mal nur was für mich zu tun, die war mir leider nie gegeben.  Egal – es war eine gute Zeit!

examen1Und waren auch geschafft!

examen2Den Sekt tranken wir natürlich stilecht aus den Mundspülbechern

Karin, Lutz und ich – wir drei trafen uns bis zu Karins viel zu frühem Tod vor zwanzig Jahren regelmässig Ende November mit unseren Partnern zu einem gemeinsamen Staatsexamens-Gedenk-Essen und auch sonst sehr häufig.  So eine gemeinsame Prüfungsgruppe über gut ein halbes Jahr, das schweisst zusammen. Und wir verstanden uns auch vorher einfach schon sehr gut, so fand man sich in den Prüfungsgruppen zusammen. In meinem Buch klingt das übrigens so:

“Ganz wichtig ist die richtige Zusammensetzung der Prüfungsgruppe! Da gibt es im Vorfeld Koalitionsverhandlungen – Sie glauben es nicht! Natürlich spielen Sympathien eine wichtige Rolle, aber auch ganz praktische Überlegungen. Und die Zeit der Prüfungen und  Prüfungsvorbereitungen  schweißt die Gruppe zusammen wie kaum etwas Anderes. Meine eigene Gruppe fand ich wirklich ideal. Wir hatten mit L. einen Kopf, einen Vordenker, der für alle ungeklärten Fragen gut war. Sein IQ war vermutlich Schwindel erregend. Und wir hatten einen Techniker im wahrsten Sinne des Wortes. Bevor W. Zahnmedizin studierte, war er bereits Zahntechniker gewesen. Meine Freundin K. und ich waren der weibliche Part, normal, fleißig, zuverlässig. Was sollte da schief gehen?”  Na ja – es hätte einiges schiefgehen können und es sind auch nicht alle aus dem Semester durchgekommen.

Genug der Nostalgie – heute war ich in Wiesbaden auf dem Neroberg. Das Wetter war schön, die Wiesbadener Innenstadt verstopft und bis ich auf Wiesbadens  Hausberg war, wurde es leider schon duster. Aber schön war trotzdem.

Der Neroberg ist gerademal 245 m hoch aber weithin sichtbar durch eine russisch-orthodoxe Kirche mit fünf goldenen Kuppeln. Diese Kirche  wurde 1847 bis 1855 von Herzog Adolf von Nassau anlässlich des frühen Todes seiner Gemahlin, der 19-jährigen russischen Prinzessin Jelisaweta (Elisabeth) Michailowna, Großfürstin von Russland und Herzogin von Nassau (1826-1845) erbaut. Sie war die Tochter von Michael Romanow (1798-1849), dem jüngeren Bruder der Zaren Alexander I. Dass bei uns in Hessen überall russisch-orthodoxe Kirchen rumstehen, habe ich schon damals bei Darmstadt und der Mathildenhöhe erwähnt. Als ich zum Neroberg hochfuhr, leuchteten mir die Kuppeln in der Abendsonne entgegen.

kapellehoch

kapellekuppeln

prinzessDas Medaillon über dem Westeingang stellt die Heilige Helena dar,
Mutter des römischen Kaisers Konstantin

Geweiht ist die Kirche allerdings der Heiligen Elisabeth, deren Medaillon sich auf der Südseite befindet. Dort wurde der Eingang, der sowieso immer nur dem Adel vorbehalten war, nach dem Sturz des letzten russischen Zaren zugemauert.

Zwischen Frühling und Herbst führt auf den Neroberg vom Nerotal aus seit 1888 die Nerobergbahn hinauf, eine mit Wasserballast betriebene Standseilbahn.  Oben auf dem Berg steht ein kleiner Tempel, den man auch Monopteros nennt, ein Begriff aus der Architektur, der mir bisher fremd war.

tempelMonopteros

Es gibt einiges zu entdecken auf dem Neroberg, nur sollte man in einer anderen Jahreszeit herkommen. Sogar einen Weinberg hat Hessens Landeshauptstadt hier oben. Selbst der Name “Neroberg” leitet sich davon ab, denn er hat nichts mit Kaiser Nero zu tun. Zunächst hieß der Hügel „Ersberg“ (“Der hintere Berg”), was im 17. Jahrhundert zu „Mersberg“ oder „Neresberg“ wurde. Das Umwandeln von alten Namen in gefälligere (in Frankfurt z.B das Galgenfeld  in Gallusviertel ) oder eben antikisierende war zu Zeiten groß in Mode.

weinbergFasziniert hat mich der Strauch mit den vielen Misteln -
dieser Weinberg wäre was für Miraculix und andere Druiden ;-)

Vom Weinberg aus und auch von einer speziellen Plattform hat man einen tollen Panaromablick auf Wiesbaden und ins Land drumrum. Mir fehlt da aber ein bisschen die Spannung im Bild. Anders als Frankfurt hat Wiesbaden halt keine Skyline zu bieten.

panorama

leuAussichtsplattform mit Sandsteinlöwen in der Abenddämmerung

kapellenblick

Bevor es dann ganz finster wurde, ging’s wieder abwärts Richtung Auto und ich hatte nochmal einen schönen Blick auf die Südseite der russischen Kirche.

Hessenwetter

Morgensonne erhellt die Welt – der Regen hat aufgehört – zumindest erstmal.

weihstern251109

jeanie251109Nix wie raus – das ist Jeanies Devise heute morgen

garf251109Herr Garfield hatte wohl eher eine lange Nacht ;-)
(Der Kratzbaum ist übrigens nicht kurz vorm umfallen. Das sieht nur so aus)

Ich schätze, ich werde mich bis zum Dunkelwerden nicht unbedingt am PC aufhalten. Ich sitze hier nämlich trotz Sonne halb im Finstern – der eine große Rolläden hat mal wieder der Schwerkraft nachgegeben. Da muss erstmal mal wieder der Göttergatte ran. Das ist bei diesen alten Rolläden schon fast Routine, nur macht sich das Reparieren im Sommer besser.

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