Archiv für die Kategorie „Nachgedachtes“

Nachtrag / CO2 / TV

Weil nicht jeder hessisch babbelt: Der Schläschtschwätzer ist nichts anderes als die Frankfurter Variante des Dummschwätzers.

In Kopenhagen tagt der Klimaschutzgipfel. Teilweise kann man die tollsten Theorien hören, wie die CO2 Emissionen verringert werden können. Ich hätte da auch eine Idee: hören wir einfach alle auf zu atmen!  Etwa 2,5 Milliarden Tonnen CO2 könnten damit eingespart werden.  Der Rest erledigt sich dann von selbst. Der tierische CO2 Ausstoß dürfte durch die Photosynthese der Pflanzen dann irgendwann wieder ausgeglichen werden.

Vermutlich wurde auch der gestrige Fernsehfilm der Woche im ZDF im Hinblick auf den Klimagipfel ins Programm genommen. Das war eine gelungene Mischung aus Heimat- und Abenteuerfilm. Ich kann euch sagen, ich saß im geheizten Zimmer und mir lief’s kalt den Rücken runter, als die Bilder aus dem Inneren des Gletschers gezeigt wurden, in den die beiden Darsteller (sicher nicht sie selbst) eintauchten. Ich kenne solche Aufnahmen aus wissenschaftlichen Sendungen und auch da gruselt es mich immer. Obwohl ich ja selbst tauche, könnte ich nie in schier bodenlose Höhlen hinunter tauchen und schon gar nicht in Eiswasser. Überhaupt  – Eiswasser *bibber*. So rein logisch gesehen könnte ich mir vorstellen, dass Tod durch Ertrinken im Eiswasser auch nicht unangenehmer ist als im warmen Wasser, aber allein die Vorstellung – nee, danke. Ob sich diese Gefühl bei mir erst nach dem theatralischen Abgang von Leonardo di Caprio in Titanic festgesetzt hat, weiß ich nicht mehr, könnte sein. Wie auch immer – die Gletscherseebilder gestern Abend waren grandios.

Heute macht Brigitte (Blechi) das nächste Türchen für uns auf. Und weil unsere Blechi ja im Erzgebirge zu Hause ist, weiß ich auch, dass uns hinter dem Türchen etwas ganz Besonderes erwartet. Brigitte hat sowieso einen sehr schönen Adventskalender und wer’s noch nicht versucht hat, der sollte auch mal ganz frech auf ein Datum tippen, das noch garnicht dran ist .

Noch ein paar

. . . vorerst letzte Gedanken – ich will ja hier niemanden nerven – zu den DVDs über die deutsche Geschichte. Ich habe mir immer eingebildet mich gut auszukennen, aber langsam glaube ich, dass auch mein Geschichtswissen mehr oder weniger auf  Zahlen und Namen beruhte – Ende. Und je näher ich mit dem Betrachten der DVDs  dem modernen Deutschland komme, umso mehr merke ich, wieviel ich bisher nicht wirklich durchdacht, ja noch nicht mal gewußt habe. Hitler und das Dritte Reich – bisher habe ich nie wirklich verstanden, wie unsere Eltern, Großeltern auf diesen Mann und seine Ideen hereinfallen konnten. Die aktuelle deutsche Geschichte wurde auch während meiner Schulzeit nicht wirklich behandelt. Und vielleicht war das gut so, zumindest ist es mir inzwischen verständlich. Die meist alten Lehrer, die uns unterrichteten, sie hätten vermutlich garnicht objektiv dazu Stellung nehmen können. Ich selbst habe auch nur ein ganz geringes Nationalbewußtsein. Dass Deutschland in meinen jungen Erwachsenenjahren geteilt war in BRD und DDR fand ich zwar unangebracht und habe die DDR Regierung auch als Unrechtsregime gesehen, einfach weil sie ihre Bevölkerung wie in einem Gefängnis gehalten hat, aber ich habe die Wiedervereinigung nie unter dem Gedanken von Nationalbewußtsein gesehen. Jetzt verstehe ich allmählich, wie wichtig genau dieses Bewußtsein zu einer deutschen Nation zu gehören, für unsere Eltern und Großeltern noch gewesen sein muss. Mein Vater wurde 1909 geboren – hundert Jahre zuvor gab es noch kein Deutschland in unserem heutigen Sinne. Österreich, Preußen und der Rheinbund, das war, was damals “Deutschland” ausmachte. Und der Rheinbund paktierte mit Napoleon. Die Nation Deutschland entstand erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, war im Grunde eine ganz junge Nation, die nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 eine wirklich Identität bekam. Ich kenne die Geburtsjahre meiner Großeltern nicht, aber sie müssen um den Dreh herum geboren sein. Meine Oma väterlicherseits war einundachtzig als sie 1954 starb. Mir ist zumindest von der väterlichen Linie in Frankfurt nicht  bekannt, dass es dort aktive Nazis gegeben hätte. Aber wenn ich mir das alles jetzt so vergegenwärtige, kann ich zumindest besser verstehen, dass  im noch jungen Deutschland durchaus das Gefühl bestand, dass Nationalstolz etwas Gutes und zu verteidigendes sein musste.

Ja und heute? Wiederum knapp hundert Jahre später scheinen wir tatsächlich auf ein gemeinsames Europa hinzusteuern. Aber irgendwie scheint es mir auch verständlich, dass das Bekenntnis dazu noch nicht einheitlich positiv ausfällt. Wir leben in einer Zeit der enormen Beschleunigung auf allen Ebenen. Das habe ich jetzt schon mehrmals geschrieben. Die Frage ist, wie viel Beschleunigung der Mensch als solcher, wie viel Globalität der Rest Steinzeitmensch in uns überhaupt verträgt.

holzhausenEine weitere gotische Grabplatte aus dem Frankfurter Dom.
Sie zeigt den Bürgermeisters Johann von Holzhausen, gestorben 1393,
und seine 1371 verstorbenen Ehefrau Gundula Goldsteyn.

Vorhergesagt

. . . war dieses Wetter ja für heute, aber muss es gleich so ätzend daher kommen? Der Sturm am Vormittag hätte doch schon gereicht, aber nun haben wir Sturm und Regen in dicken, fetten Tropfen. Das hört sich auf dem Glasdach fast wie Hagel an, ist aber keiner.

Nun ja, wer im Warmen sitzt, der darf nicht meckern. Was geht’s den meistens von uns doch gut! Ich habe die DVDs von der Entwicklung Deutschlands schon erwähnt, die ich mir gerade angucke. Gestern waren Wallenstein und der Dreißigjährige Krieg dran. Man mag es sich wirklich nicht vorstellen, dass damals ein Drittel der Gesamtbevölkerung ums Leben kam – wenn das mal reicht. Und der Rest lebte – mal vom Adel abgesehen-  mehr als erbärmlich weiter. Und auch der hatte es nicht unbedingt immer gemütlich. Wenn man an die kalten, dunklen und zugigen Burgen denkt! Diese DVD Serie hat zwar für meinen Geschmack auch einige Mängel, aber sie hat mir doch so einiges klar gemacht, worüber ich noch nicht so richtig nachgedacht habe.  Dass Deutschland über viele Jahrhunderte ein föderalistischer Vielfürstenstaat war, das war mir klar. Aber dass unsere Kaiser – die Nachbarn hatten schließlich nur Könige – im Grunde nicht wirklich deutsche Kaiser waren – oftmals der deutschen Sprache garnicht mächtig – und das “Heilige römische Reich deutscher Nation” auch kein deutsches Vaterland (man verzeihe mir diesen patriotischen Ausdruck, aber ich weiß keinen besseren), das war mir so nicht klar. Geschichte ist schon eine spannende Sache!

grabplatteGotische Grabplatte aus dem nördlichen Querschiff des Frankfurter Doms

Ich bin nicht sicher, aber es könnte sich um einen Frankfurter Reichsschultheissen namens Rudolf von Sachsenhausen handeln. Ich stand schon im Dom vor den Schriften, die die Platte umkränzen, aber ich konnte nur Bruchstücke entziffern. Man müsste  der Identifizierung durch das Wappen und den Schwan irgendwie näher kommen können.

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war Frankfurt eine Freie Reichsstadt und somit einzig dem Kaiser unterstellt. Die Verwaltung lag anfangs ausschließlich in den Händen der Landvögte. Im Jahre 1220, zur Zeit der staufischen Kaiser wurde die Frankfurter Vogtei abgeschafft und ein Reichsschultheiß eingeführt, um die Reichsrechte, vor allem die fiskalischen, stärker nutzbar zu machen.

Kirche & Geschichte

Geschichte hat mich schon immer interessiert, war sogar in der Schule eines meiner Lieblingsfächer. Im Moment tauche ich mal wieder tief in die deutsche und die europäische Geschichte ein. Vieles darüber weiß ich schon lange, aber neue Erkenntnisse als auch mehr oder weniger gute bildliche Darstellungen im Fernsehn oder Kino lassen mich immer wieder neugierig werden. Letztes Jahr bekam ich zu Weihnachten eine Kassette mit vielen DVDs zum Thema “Die Deutschen – wer wir waren, wer wir sind”. Die Sendungen liefen damals im TV rauf und runter und ich habe die DVDs bis heute nicht angerührt. Gestern Abend habe ich mir dann die beiden ersten über Otto I. und Heinrich IV. (Gang nach Canossa) angeschaut und wieder viel dazu gelernt. Interessant sind auch die Gespräche mit Historikern auf den DVDs. Irgendwie kam mir früher diese Geschichte des frühen Mittelalters schrecklich weit weg vor. Heute denke ich eher, dass das alles gar nicht solange her ist und wie unendlich viel sich in 1000 Jahren doch verändert hat.  1000 Jahre – das sind 10 x 100 Jahre. Früher fand ich das viel. Heute werden viele Menschen an die hundert Jahre alt. Vielleicht schrumpft für mich die Zeit deshalb plötzlich so zusammen. Wusstet ihr, dass die ersten deutschen Kaiser samt Hofstaat im Grunde noch eine Art Nomaden waren? Man (ich) stellt sich immer vor, dass die auf ihren Burgen oder Schlössern saßen und von dort das Reich regierten. Das war vor tausend Jahren keineswegs der Fall. Die zogen fast das ganze Jahr mit ihrem Tross durch’s Land und machten immer nur mal einige Wochen bei einem Kloster, einer großen Kirche oder einer befestigten Anlage halt. Dort mussten sie dann von der ortsansässigen Bevölkerung verköstigt werden. Kein Wunder also, dass in vielen bedeutenden Domen und Kathedralen immer noch die Throne der Herrscher zu sehen sind. Dort wurde nicht nur gekrönt und beerdigt  sondern von dort wurde auch regiert.

sarkophagSteinerner Sarkophag im Frankfurter Dom – das sogenannte Heilige Grab
Der Raum vor der Wahlkapelle trägt den Namen Magdalenenkapelle

Wohin wollen wir?

An sich wollte ich heute nichts mehr schreiben. Ein philosophischer Erguss pro Tag sollte reichen. Aber bei Ocean bin ich auf die Frage gestoßen, ob die Deutschen (und nicht nur sie) das Lesen verlernen. Am besten lest ihr euch mal bei Ocean durch, was sie geschrieben hat, meinen Kommentar dort und auch den Link zu ZEIT online.  Zuviel verlangt? Seht ihr, genau das ist das Problem! Wer mir dennoch folgen möchte, lese bitte HIER weiter .    Danke.

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