Archiv für die Kategorie „Nachgedachtes“

Die Schachtel

schachtel

Wenn man die Eindrücke eines jeden Jahres in eine Schachtel packen wollte, dann brauchte man dazu vermutlich Schachteln von ganz unterschiedlicher Größe. Manchmal scheinen Tage, Wochen, Monate einfach nur zu verfliegen ohne das etwas passiert, das man für erwähnenswert hält. Dann passiert plötzlich an einem Tag soviel auf einmal, dass man für diesen Tag fast schon eine eigene Schachtel haben müsste. Vor dem Digitalzeitalter packten viele Menschen ihre Fotos in Schachteln, immer mit dem Gedanken sie später mal in ein Album zu kleben. Meistens ist es dann dabei geblieben und plötzlich hat man sie wieder in der Hand und fragt sich: wie und wo war das damals eigentlich?  Ich fürchte, es wird heute vielen Bilder auf den diversen Speichermedien ähnlich ergehen. Andererseits – die wirklich wichtigen Momente im Leben, die bleiben einem vermutlich auch so in Erinnerung?  Tun sie das? Wir haben in den letzten Tagen viel über Depressionen gelesen. Zu vielen psychischen Erkrankungen gehört auch, dass man Dinge schlicht und einfach verdrängt. Das müssen garnicht nur schlimme Dinge sein. Aber manchmal fühlt man sich nicht mehr in Lage Neues und noch mehr und immer noch mehr aufzunehmen und dann schafft die Seele das irgendwo ins Abseits. Ich glaube, es ist gut, wenn man in diesen Zeiten Tagebuch schreibt. Das ist immer noch etwas anderes als Bloggen. Ich besitze stapelweise Tagebücher aus vergangenen Zeiten und oftmals erzählen sie mir von ganz anderen Gedanken als meine Fotos das vermuten lassen würden.

Wie ich darauf komme? Keine Ahnung – einfach so Gedanken, die mir vorhin bei einem kleinen Spaziergang im Nieselregen durch den Kopf gingen. Ich hatte ja gehofft, es sei nun mal trocken, aber das war wohl ein Irrtum.

Ach ja – die BlogSchachtel des heutigen Tages enthält mal wieder viel zu viel – insgesamt vier (4) Beiträge. Fühlt euch gefordert aber bitte nicht überfordert *lach*.

Tabuthema Depression

Deutschland trauert um Robert Enke – steht heute auf der Titelseite meiner Tageszeitung. Ohne pietätlos sein zu wollen, halte ich das für übertrieben, denn mir war der Name vorher noch nie untergekommen. Ich bin halt kein Fußballfan. Meine Kenntnisse der Namen von Nationaltorhütern hörten bislang noch bei Olli Kahn und Jens Lehmann auf. Aber das ist nicht mein Thema.

Es ist traurig, dass erst wieder ein Promi aufgrund seiner psychischen Erkrankung sterben musste, bevor die Menschen endlich mal über dieses große Tabuthema sprechen. Leute, wir leben im 21. Jahrhundert und Millionen Menschen sind betroffen!  Und je härter unsere Umwelt wird, je stärker der Konkurrenzkampf in der Arbeitswelt, umso mehr werden es noch werden. Seit dem letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts bekennt man sich zum Krebs, wenn es einen erwischt – auch darüber wurde früher nicht gesprochen – Homosexualität ist zwar nicht unbedingt als selbständige Form der Sexualität anerkannt, aber immer mehr Menschen bekennen sich dazu.  Doch psychische Erkrankungen gelten offenbar immer noch als Makel – man könnte auch gleich mit Aussatz behaftet sein.

Munch: Der Schrei

Wer mich schon lange kennt, der weiß, dass ich aus Erfahrung spreche. Die weibliche Linie meiner Ursprungsfamilie hatte immer damit zu tun und auch ich bin nicht davon verschont geblieben. Und obwohl meine Großmutter Suizid beging, meine Mutter dauerdepressiv war, war sie total entsetzt, als ich als junge Frau zum ersten Mal einen Therapeuten aufsuchte. Das war in den 80zigern und die erste Reaktion meiner Mutter war: Das tust du nicht! Meine Tochter ist doch nicht verrückt. Ich selbst konnte diesen Schritt nur machen, weil eine meiner Schwägerinnen damals Psychologie studierte und meine beste Freundin in Behandlung war und mir Mut machte. Keiner sonst konnte und wollte meine Probleme sehen, auch mein Mann nicht (ich nehm ihm das nicht übel, heute ist es anders, aber es ist für gesunde Angehörige immer schwer überhaupt zu verstehen, was da mit dem Partner eigentlich los ist).

Ich habe innerhalb von ca. 20 Jahren Gesprächstherapien gemacht (oder auch nicht), Workshops besucht, Medikamente genommen und war zweimal für ein paar Wochen in einer Klinik für psychisch Kranke. Über beide Aufenthalte habe ich damals sogar – vorsichtig – gebloggt.  Dieses  “oder auch nicht” bezieht sich auf meine Erfahrung, dass die meisten Betroffenen mit aller Macht versuchen ihre Probleme zu verschleiern und sich deshalb auch oft dem Therapeuten nicht öffnen können. Welche Nuss ist kaum zu knacken? Ich glaube, es ist die Paranuss.  Ich war eine solche Paranuss. Depressionen haben ja im Allgemeinen einen Grund, auch andere der Depression zugrunde liegende Probleme, Panikattacken haben ihre Auslöser und, und, und …  Diese erste, frühe Gesprächstherapie konnte meinen Panzer nicht knacken, zu groß war die Angst davor Dinge anzusprechen, die wehtun würden, zu groß die Angst auch vor Gesichtsverlust. Und doch – zumindest war ein Riss im Panzer und alles was ich später unternahm, hatte die Chance durch diesen Riss ins Innere – zu mir selbst – vorzudringen. Als ich schließlich das erste Mal eine Klinik akzeptierte, hatte ich mehrfach mit dem Gedanken an Suizid gespielt. Warum ich es nicht getan habe? Einmal wegen meiner Kinder und zweitens war ich schlichtweg zu feige.

Um zum Ende zu kommen: ich bin auch heute nicht wirklich “geheilt”, vermutlich geht das auch garnicht. Aber mir geht’s gut, ich kann über meine Probleme reden, ich habe meinen Beruf aufgegeben, der Stress pur für mich war. Ich brauche im Moment auch keine Medikamente mehr, doch ich kenne die Zeichen, die mich hellhörig werden lassen. Mir geht es im Moment so gut wie selten zuvor, aber ich würde auch keine Sekunde zögern, mir wieder Hilfe zu suchen, wenn ich merken würde, das wieder was imAnzug ist. In der Klinik habe ich mit Menschen aller Altersklassen, beiderlei Geschlechtes und ganz unterschiedlicher Herkunft zusammen gesessen.  Da gab es Hausfrauen, Lehrer, Manager, Jugendliche, Selbständige – es kann jeden treffen. Ich wünsche mir, dass die augenblickliche Berichterstattung und Betroffenheit über den Tod von Robert Enke nachhaltig ist, dass die psychischen Erkankungen endlich mal aus diesem Dunstkreis des “Sowas hat man nicht” herausgezerrt  und als das erkannt werden, was sie sind: Erkrankungen und zunehmend ein Fluch unserer Leistungsgesellschaft.

___________________________

Bei Ocean habe ich ein Stöckchen von Sammy entdeckt:

1. Du besuchst einen neuen blog. was liest du als erstes?
Die ersten zwei, drei Einträge, und wenn vorhanden – die “ÜBER”-Seite.

2. Interessiert dich die “ueber seite” falls vorhanden, weil du etwas ueber die person erfahren moechtest die da schreibt?
Auf jeden Fall

3. Schaust du dir auch die vorherigen eintraege an oder nur den aktuellsten?
Siehe oben

4. Liest du manchmal im archiv?
selten

5. Hältst du ein gaestebuch fuer ueberfluessig?
An sich mag ich Gästebücher sehr gerne, aber sie sterben langsam aus – schade!

6. Müssen dich die farben und die gestaltung eines blogs ansprechen damit du ihn wieder besuchst?
Ja, auf jeden Fall. Am Wichtigsten ist zwar der Inhalt, aber ich brauch auch was für’s Auge

7. Bist du eher ein blog-abonnent und wartest gespannt auf den naechsten eintrag oder besuchst du einen bestimmten blog nur bei deiner ausfuehrlichen blogrunde?
Abo – meinst du den Feed? Also nein, ich habe eine Blogroll, besuche aber auch nicht alle Blogger täglich, dazu reicht die Zeit garnicht. Dafür immer mal wieder neue Blogs, die ich bei anderen entdecke.

8. Wie lange bloggst du schon?
Keine Ahnung, aber schon viele Jahre, ich hatte viele Blogs, bevor ich bei WordPress gelandet bin und das erste blogähnliche Etwas war eine Art Tagebuch auf meiner damaligen Homepage “Das Mondscheinportal”.

9. Was findest du interessanter, ein blog oder ein forum?
Blogs. Ich bin absolut kein Forum-Typ

10. Hast du schon mal schlechte erfahrungen mit dem bloggen gemacht?
Nein, an sich nicht. Ich habe Blogs kennengelernt, die ich wieder verlassen habe, ich hatte Leser, die bei mir wieder verschwunden sind, das ist normal. Früher habe ich emotionaler reagiert als heute und manch einer fühlte sich von meinen Kommentaren angegriffen. Das hat dann öfter mal zu Animositäten geführt. Heute halte ich zwar nicht meine Klappe, aber die Leute kennen mich *lol* und ich geh’s auch ruhiger an.

11. Findest du es unhoeflich wenn du schon einige male einen blog besucht hast, aber keinen gegenbesuch bekommst?
Nicht unhöflich, aber ich stelle irgendwann meine Besuche auch dort wieder ein. Ein gegenseitiger Austausch ist einfach interessanter.

12. Liest du die kommentare die andere vor dir geschrieben haben?
Ab und an, wenn ich dazu Zeit habe.

Vorurteile

Habt ihr Vorurteile? Ich bin mir sicher, dass jeder von uns irgendwelche Vorurteile hat – ich habe welche, auch wenn ich glaube, dass ich im Großen und Ganzen so neugierig bin, dass ich wenig von vorn herein ablehne.  Und oft ist es ja so, dass man ein Vorurteil sich selbst gegenüber verschleiert, indem man glaubt, dass man aus Erfahrung handelt oder aus “gesundem Menschenverstand” heraus.  Wie ich darauf komme? Eigentlich eine total witzige und gleichzeitig  auch nicht unbedingt weltbewegende Erfahrung dieses Wochenendes.

Kurz – ich mag den Schauspieler Tom Cruise nicht. Fragt mich nicht warum, es ist einfach so ein allgemeiner Eindruck, dass ich ihn für einen arroganten und eitlen Menschen und nicht gerade herausragenden Schauspieler halte. Vielleicht hat’s auch was damit zu tun, dass er der Scientology Church angehört. Jedenfalls hat mich dieses eher diffuse (Vor-)urteil auch immer davon abgehalten mir Filme mit Tom Cruise anzugucken. Nun hat es sich so ergeben, dass ich mich beim Fernsehgucken in den letzten Tagen zweimal zufällig in Filme hineingezappt habe, in denen Tom Cruise mitspielte bzw. sogar die Hauptrolle innehatte. Der erste war “Eine Frage der Ehre” von 1992, in der Tom Cruise viele andere bekannte Schauspieler an der Seite hatte, der zweite “The last Samurai” von 2003, wo er nun definitiv neben Ken Watanabe die Hauptrolle spielte (auch Mitproduzent war). Freitagabend bin ich also ins letzte Drittel irgendwie reingerutscht und der Film hat mich tatsächlich so fasziniert, dass ich mir letzte Nacht bis um halb Drei den Film noch komplett angeguckt habe.

Was ich damit sagen will? Erstens denke ich inzwischen nicht mehr unbedingt, dass Tom Cruise ein schlechter Schauspieler sein muss, weil er mir (nach wie vor) nicht sonderlich sympathisch ist und zweitens – und das ist die wichtigere Erfahrung: ein Vorurteil kann dazu führen, dass man alle möglichen Dinge von vornherein ablehnt ohne sie überprüft zu haben. Und das kann unter Umständen dazu führen, dass man sich selbst etwas Interessantes im Leben vorenthält und wenn es nur ein guter Film ist.  “The last Samurai” hat im Übrigen mein Interesse an Japan geweckt. Japan ist ein Land, das mir total fremd ist, es könnte auch auf einem anderen Planeten existieren.  Ich glaube, ich werde mich in der nächsten Zeit etwas ausführlicher mit Japan, seiner Geschichte und den Japanern beschäfigen.

Ansichten

Gestern Abend habe ich mal wieder ausschließlich hr-Regionalprogramm geguckt.  Zunächst ging es um hessisches Fachwerk, wobei dort immer wieder ausgiebig der Hessenpark in Neu-Anspach gezeigt wurde. Dass Fachwerkbau eine alte Kunst des Hausbauens darstellt, war mir klar, aber über das “wie alt” habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das älteste bekannte Fachwerkhaus in Hessen  ist 800 Jahre alt und wurde im Schlosshof von Romrod entdeckt. Was auch wieder zeigt, wie oft alte Fundamente und Bauten später von neueren überbaut wurden. Seit gestern Abend weiß ich auch, dass Hessen nicht nur ein Bäder- und Burgenland ist sondern eben auch ein Land der Fachwerkarchitektur. Übrigens – kennt ihr die Deutsche Fachwerkstraße?  <<< Ein Klick führt euch zu einer interessanten Seite.

fachwerk

Eine mir völlig andere Interpretation des Themas Fachwerk lernt ich dann im Verlauf der Sendung während eines Interviews mit einem Frankfurter Architekten kennen. Prof.Klaus Bollinger leitet gemeinsam mit seinem Partner ein international agierende Ingenieurbüro. Er erklärte, dass das Prinzip des Fachwerkbaus heute auch in ganze modernen Stahl-Glaskonstruktionen angewendet wird. Fachwerk bedeutet für ihn weniger die Materialkombination aus Holzstreben, Stroh und Lehm sondern mehr die Versteifung viereckiger Grundgerüst durch eine Diagonale.  Wenn man sich unter diesem Gesichtspunkt Frankfurts Hochhaustürme oder Brücken anguckt, dann entdeckt man in der Tat viel mehr Fachwerk als die der Ostzeile auf dem Römerberg.

schiller2

Später gab es im Rahmen des “Stadtgespräches” eine interessante Diskussion zum Thema Schweinegrippe: Impfen oder nicht impfen. Jürgen Banzer, der hessische Gesundheitsminister hat sich impfen lassen und wie er sagt mit dem eher umstrittenen Impfstoff Pandemrix , Prof. Dr. Wilhelm Doerr, Virologe an der Frankfurter Uniklinik nahm Stellung zu den wissenschaftlichen Aspekten, ebenso waren zwei Hausärzte dabei ,  die eigentlich nur zur weiteren Verunsicherung beitrugen. Der Eine war eher ein Gegner der Grippeimpfung, hat sich aber selbst geimpft, um die Patienten, die er Risikogruppen zuordnet, auch überzeugen zu können (Respekt!), die andere Ärztin machte auf mich einen total unsicheren Eindruck, zu ihr würde ich vermutlich als Patient überhaupt nicht gehen. Sie lässt sich selbst nicht impfen, man merkt ihr die eigene Angst vor den Nebenwirkungen an. Ich fand die Argumentation von Prof. Doerr einleuchtend, dass die Ärzte selbst natürlich einen vorzüglichen Überträger des Virus darstellen können und es somit für sie an sich selbstverständlich  sein sollte sich impfen zu lassen. Das ist natürlich ein Dilemma und ich bin einmal mehr froh, dass ich nicht mehr praktiziere.

leuchtenErleuchtung? Eher nicht!
(Laterne im Wiesbadener Kurpark)

Nächste Woche ist mal wieder Hessischer Zahnärztetag, eine Großveranstaltung, die mir mit ihrem Gedränge niesender, hustender und schniefender Menschen im November noch nie gefallen hat. Mein Mann muss aus beruflichen Gründen daran teilnehmen, mir ist nicht wohl dabei. Ich habe ihm geraten es sich gut zu überlegen, vor allem wenn er sich gesundheitlich nicht auf der Höhe fühlt. Ein halbes Jahr vor seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben muss er sich meiner Meinung nach diesem Risiko nicht mehr unbedingt aussetzen. Denn ich finde, das Beste, was man im Moment für sich selbst tun kann, ist dass man Großveranstaltungen aller Art meidet.

waldsonneLieber raus an die frische Luft! Allerdings ist das Wetter heute nicht verlockend.

leuchtebiebrichIch mag schöne alte Straßenlaternen – ihr auch?

Halloween?

Also mein Ding ist das nicht, auch wenn es immer populärer wird. Für mich nimmt diese Nacht zum 1. November immer faschingsähnlichere Züge an und dieses Trick or Treat der Kinder find ich eher nervig. Gehn wir mal davon aus, dass das kirchliche Allerheiligen zurück zu führen ist auf das keltische Samhainfest, so ist der Grundgedanke der augenblicklichen Nächte doch ein Innehalten, ein Akzeptieren der dunkleren Jahreszeit, ein Akzeptieren des Werden und Vergehens in der Natur ebenso wie von uns Menschen. Unser Problem ist wohl, dass viele Menschen das nicht vertragen.

hallo3

Nicht von ungefähr boomt der Jugendwahn und Dinge wie der Tod werden weit, weit weggeschoben. Also macht man lieber Party als dass man mal daran denkt, dass die dunkle Jahreszeit als Ruhezeit auch ihre Berechtigung hat. Der Geisterglaube mag ja zu Halloween gehören, schließlich sollen unsere Altvorderen auch davon überzeugt gewesen sein, dass in der Samhainnacht der Übergang zur Andernwelt durchlässig wird und man durchaus den Geistern der Verstorbenen begegnen könnte. Nur – was haben Vampire, Zombies und andere fürchterliche Faschingsgewänder dabei zu suchen? Wie so viele andere Feste auch wird auch Samhain/Halloween/Allerheiligen von der Konsumindustrie pervertiert und (fast) alle laufen hinterher.

hallo2
hallo1
hallo4

Wie immer ihr es haltet, macht es euch gemütlich an diesem Wochenende!

Archiv
Mai 2012
M D M D F S S
« Jun    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031