Archiv für die Kategorie „Politik“
Mißfelder missfällt
. . . mal wieder. Der CDU Jungspund Philipp Mißfelder hat mit seinem englischen Namensvetter Prinz Philipp eines gemein: er tritt in jedes Fettnäpfchen, das sich ihm bietet. Hatte er schon 2003 unliebsam auf sich aufmerksam gemacht, als er meinte, dass alte Menschen sich weniger künstliche Hüftgelenke von der Krankenkasse bezahlen lassen sollten, so fiel er jetzt unangenehm auf mit demAusspruch, dass die Erhöhung von Hartz IV nur der Tabak- und Alkoholindustrie helfen würde. Die CDU sollte sich mal überlegen, ob so ein Abgeordneter für sie überhaupt tragbar ist.
Grenzüberschreitendes
Radio hören ist manchmal auch ganz interessant. Beim Bügeln hatte ich gerade einen bayerischen Sender drin, der mir einiges zum Hören, Lachen und Denken bescherte – was man beim Bügeln auch dringend braucht. Da war diese Kabarettistin – Name sagte mir nichts – die sich über die hauptberuflichen Muttis mit ihrem hochintelligenten Dauergelaber ausließ, dass schon Babies zum Wahnsinn treibt und die erwachsenen Kinder später garantiert zum Psychiater. Wer kennt sie nicht – diese Mütter, mein ich?
Wichtiger war mir aber die Erkenntnis, dass der Herr Seehofer tatsächlich nicht nur wieder im Rennen ist sondern inzwischen der designierte nächste bayerische Ministerpräsident. Dass dieser Schluri nicht sang- und klanglos verschwinden würde, war mir schon klar, als er noch als relativ junger Gesundheitsminister in den Neunzigern unter Helmut Kohl uns Ärzten das Leben schwer machte. Nach ihm kamen aber weitaus Schlimmere, das muss ich zugeben. Weder gesundheitliche Probleme noch seine außereheliche Affäre, die ziemlich breit getreten wurde, konnten ihm offenbar den Schneid abkaufen. Mich sollte es nicht wundern, wenn hier gerade der nächste Bundeskanzler erstmal zum bayerischen Ministerpräsidenten gekrönt wird. Seehofer for President?

Walk of fame in Los Angeles
Es wird weiter gebügelt . . .
Tag der Deutschen Einheit

Inge aus HH erinnert daran, dass morgen nicht irgend ein Feiertag ist sondern der Tag der Deutschen Einheit. Was verbindet ihr mit dem Datum, hat es überhaupt eine Bedeutung für euch? Geht es euch eher so wie mir, die lieber den 9. November (1989) , den Tag an dem Mauer fiel, als Feiertag im nationalen Bewusstsein verankert gehabt hätte? Oder ist euch die ganze Wiedervereinigung völlig egal . . . oder hättet ihr etwa gerne die Mauer wieder . . . oder schreibt ihr nichts, weil ihr in einem Blog öffentlich keine politische Meinung von euch geben wollt? Alles das würde mich doch mal interessieren.
Ich selbst bin froh über die Wiedervereinigung. Da steh ich voll dahinter, gleichgültig welche wirtschaftlichen Probleme sie mit sich gebracht hat. Natürlich kann man als “Wessi” darüber jammern, dass durch den Aufbau Ost Vieles im “Westen” auf der Strecke geblieben ist (hör ich häufiger mal), aber ich fand die Mauer und alles was dazu gehörte immer als totale menschliche Katastrophe.
Finanzkrise / Handy
Wir haben in den drei Wochen USA wenig vom Weltgeschehen mitbekommen, weder Zeitung gelesen noch fern gesehen – ganz bewusst. Seit gestern weiß ich erst wieder, dass derzeit eine Bankenkrise Europa und die USA schüttelt. Und interessanterweise ist es nun doch wieder die Politik, sind es die Regierungen die Hilfestellung leisten müssen. Wenn also unseren Regierungen doch soviel an finanzieller Macht gegeben ist – was ich bisher nicht für möglich gehalten habe – dann fragt es sich allerdings doch, warum sie diese Macht nicht auch einsetzen, um das Kapital zu kontrollieren. Die Konzerne brauchen die Banken und die Banken offenbar die Regierungen. Bisher habe ich Politik für relativ wenig einflussreich gehalten. Verhält es sich aber anders herum, dann zum Teufel sollten sie ihre Macht auch benutzen, um den ihnen anvertrauten Bürgern, das Leben zu verbessern.
Ich weiß natürlich, dass Politik nicht so einfach ist, keine Milchmädchenrechnung. Aber um an meine Gedanken von gestern Abend anzuschließen: so wie im Moment kann und darf es nicht weiter gehen.
Übrigens: wisst ihr, was den durchschnittlichen Amerikaner in meinen Augen charakterisiert? Das Handy am Ohr. Ich habe im ganzen Leben noch nie so viele Menschen gesehen, die mit Handy am Ohr durchs Leben gehen. Es ist unglaublich! Ich hatte den Eindruck, der Amerikaner schlechthin telefoniert Tag und Nacht, egal was er sonst gerade noch macht. Und die Krönung ist das Bluetooth telefonieren, bei dem man das Mobiltelefon nicht mehr sieht. Da steht allenthalben ein scheinbar Debiler neben dir, der sich offenbar bestens mit sich selbst unterhält, meist ziemlich laut. Irgendwann merkst du dann, ach nee, der hat ja einen Knopf im Ohr, der telefoniert. Brabbel, brabbel, brabbel – auf der Straße, bei der Stadtrundfahrt, auf dem Schiff, im Supermarkt, in den Nationalparks, noch auf der Zubringerbrücke zum Flieger – alles brabbelt vor sich hin.


Deutschland, Österreich oder USA
. . . Ingrids (Hexerl’s) aktueller Beitrag hat mich nochmal zurück gebracht auf die Armut, die mir in den USA ebenfalls begegnet ist. Ihr sollte unbedingt mal auf Ingrids Seite gehen und dort lesen, was sie zu schreiben hat. Wir haben uns auf der Reise auch mit Amerikanern unterhalten, wenn es sich gerade anbot. Unter anderem mit einem Busfahrer, der aus Ohio stammt und meinte: die USA bekämen allmählich eine Klassengesellschaft. Ja, wo hat der Mann denn seine Augen! Glaubte der allen Ernstes noch an Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo alle gleich und frei sind? Amerika hat schon lange, wenn nicht sogar schon immer eine Klassengesellschaft. Es gab zwar nie den Adel, das Bürgertum und die Unfreien wie einst in Europa – wobei – stopp mal: unfrei waren eigentlich immer schon die Farbigen, egal ob schwarze Sklaven oder die Natives, nachdem der Weiße Mann ihnen das Land wegnahm. Heute gibt es ähnlich wie bei uns den Geldadel, eine immer dünner werdende Mittelschicht und die Armen. Und zu den Letzteren zählen immer noch in erster Linie die Farbigen, egal ob Schwarze, Latinos oder Indianer. In Südkalifornien kann man zusammengerollt aber auch auf der Wiese zur Not übernachten, in Deutschland und Österreich werden die immer zahlreicher werdenden Stadtstreicher bei diesem Versuch vermutlich erfrieren. Bei uns kann man auch nur sehr schlecht im Auto leben, wie ich es in den USA auch gesehen habe. Wer noch eines hat, ist gut dran. Es gibt alle Nase lang Tankstellen und Fast Food Restaurants mit kostenlosen sauberen Toiletten und Waschbecken, teilsweise sogar öffentliche Duschen, die jeder benutzen kann, solange er nicht zu schäbig aussieht. Versuch das mal einer bei uns! Nein, Ingrid hat schon recht: bei den derzeit nach wie vor steigenden Energiepreisen, denen offenbar niemand Einhalt gebieten kann und will, wird es für Viele auch in Europa in diesem Winter verdammt schwer werden. Irgendwie kann das nicht mehr lange gut gehen. Nur – was dann? Und wir haben in Deutschland noch nicht mal einen Barack Obama anzubieten, unter dessen Bild überall “HOPE” steht.


