Archiv für die Kategorie „Hessen“
DA-Mathildenhöhe
Ich finde es immer prima, wenn ich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden kann und umgekehrt. Heute durfte ich am frühen Nachmittag den Junior ohne fahrbaren Untersatz nach Darmstadt kutschieren, wo er sich mit Klassenkameraden vom Hessenkolleg zum Lernen traf (sowas muss Muttern ja unterstützen). Da das Wetter gerade bombastisch aufklarte und die Sonne heraus kam, beschloss ich, endlich mal zur Mathildenhöhe zu fahren. Die Mathildenhöhe ist ein einzigartiges Kulturdenkmal des Jugendstils, weit über Hessens Grenzen hin bekannt.
Der Hochzeitsturm – Wahrzeichen der Matildenhöhe
Bereits 1830 war an dieser prominenten Stelle eine Parkanlage für Erbprinzessin Mathilde angelegt worden und Zar Nikolaus II. und die Zarin Alexandra, eine Prinzessin von Hessen-Darmstadt, ließen 1897 durch den Petersburger Architekten Louis Benois eine Kapelle errichten.
Die russische Kapelle, davor das “Wasserlilienbecken”
Es war Großherzog Ernst Ludwig, der als Mäzen der schönen Künste die Künstlerkolonie “Mathildenhöhe” gegen Ende des 19. Jahrhunderts ins Leben rief und damit dem Jugendstil eine einzigartiges Denkmal schuf. Zwischen 1900 und 1914 entstanden für mehrere große Kunstausstellungen einige Großbauten und zahlreiche Künstler- und Bürgerhäuser. Die meistenvon ihnen schuf Joseph Maria Olbrich, von 1900 bis 1908 Leiter der Künstlerkolonie.
Der Hochzeitsturm mit seiner auffälligen Fünf-Finger-Architektur war ein Geschenk der Stadt Darmstadt an den Großherzog zu dessen Vermählung mit Eleonore Solms-Hohensolms-Lich. Eine Hochzeit, die einen großen Skandal darstellte, denn die erste Frau des Großherzogs lebte noch. Scheidung war damals also vermutlich nicht erlaubt.

“Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst”
Großherzog Ernst Ludwig von Hessen

Ernst Ludwig Haus
Als gemeinschaftliches Ateliergebäude wurde das Ernst-Ludwig-Haus nach Plänen von Joseph Maria Olbrich gebaut. Die sechs Meter hohen Kolossalfiguren „Mann und Weib“ oder „Kraft und Schönheit“ stammen von Ludwig Habich und flankieren den Eingang, der in einer Portalnische mit vergoldeten Pflanzenornamenten liegt. Mich stören dieses Figuren eher, passen für mein Empfinden nicht zum leichten, spielerischen Jugendstil.

Schwanentempel
Derr Schwanentempel liegt etwas seitlich des Parks und kann auch über eine Treppe vom Prinz-Christians-Weg her erreicht werden. Er wurde anlässlich einer Kunstausstellung 1914 von Albin Müller entworfen und ist ein sogenannter “Keramischer Gartenpavillon“.

Es gibt auf der Mathildenhöhe einen wunderbaren Platanenhain mit vielen Skulpturen und mit Weisheiten in Bronze gegossen.
Brunnen mit Gedicht von J.W. v. Goethe

Gesang der Geister über den Wassern
Des Menschen Seele
gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
zum Himmel steigt es,
und wieder nieder
zur Erde muss es.
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
steilen Felswand
der reine Strahl,
dann stäubt er lieblich
in Wolkenwellen
zum glatten Fels,
und leicht empfangen
wallt er verschleiernd,
leisrauschend
zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
dem Sturz entgegen,
schäumt er unmutig
stufenweise
zum Abgrund.
Im flachen Bette
schleicht er das Wiesental hin,
und in dem glatten See
weiden ihr Antlitz
alle Gestirne.
Wind ist der Welle
lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
wie gleichst du dem Wind!
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Und weitere Impressionen

Sodele, das war’s. Ich hoffe, mein Spaziergang hat euch gefallen.
Taunus zum Dritten
Man weiß ja nie, wie lange das trockene Wetter noch hält . . . also bin ich heute wieder auf Wanderschaft. Gerne fahre ich im Herbst durch das Lorsbachtal in den Taunus, weil man dort eine tolle Farbenpracht erleben kann. Aber noch hat sie sich nicht wirklich ausgebildet oder wir kriegen mal wieder einen Herbst ohne kräftige Farben. War es im letzten Jahr, als die Blätter so prächtig verfärbt waren?
Also bin ich in Lorsbach selbst aus dem Auto und hoch zur Gundelhard gelaufen. Das geht ziemlich bergauf und ich merk das morgen bestimmt wieder in den Beinen, vor allem auf dem Rückweg bergab zieht es immer mächtig in den hinteren Oberschenkelmuskeln. Am Wegesrand ist mir viel Herbsttypisches, aber auch Erstaunliches aufgefallen wie die rosa Blüten (Weißdorn?).

Obwohl ich nicht mitten durch den Wald bin sondern einen breiteren und nicht so dunklen Weg gewählt habe, prasselten neben mir ständig Eicheln runter. Auch aus dem Wald hörte man ständig die Geräusche herabfallender Eicheln und Kastanien. Ich habe mich wirklich gewundert, dass mir nichts davon auf den Kopf gefallen ist. Als ich heute morgen nochmal im Garten Wäsche aufgehängt habe, ist mir aufgefallen, dass der Rasen im Umkreis unserer Riesentanne übersäht ist mit den Schuppen der vielen großen Zapfen. *** Und außerdem sind die auch voller Harz – Wahnsinn. Aber zurück in den Taunus. Lorsbach liegt etwas nordwestlich von uns, die Gegend nähert sich unserer Landeshauptstadt Wiesbaden.
Wegweiser auf der Gundelhart
Die Gundelhard ist ein Bergrücken zwischen Hofheim-Lorsbach, Kelkheim und Eppstein, aber die meisten Wanderer und Mountainbiker verstehen darunter den gleichnahmigen Waldgasthof. Von hier oben kann man , wie man sieht in diverse Richtungen weiterwandern.

Im Sommer kann man hier schön draußen sitzen. Ich bin heute auf dem Rückweg eingekehrt und habe mich lieber reingesetzt, da ich ohne Jacke unterwegs war. Passend zur Oktoberfestsaison habe ich mir zwei kleine Weißwürstl und eine Bretzn bestellt, aber mein Leibgericht wird das nicht. Dazu muss man wohl doch Münchnerin sein. Mir schmeckt vor allem der süße Senf nicht so besonders.
Nomen est omen . . . *malwinke zu SunnyLatinus*
Über einen in der Tat urplötzlich sonnigen Wanderweg ging’s weiter bergauf. Hier oben gibt es viel unbebaute Fläche, was bei uns im Vordertaunus und dann natürlich in der Mainebene kaum noch vorstellbar ist.
Bahá’í Tempel in Langenhain
Auch wenn es wieder recht dunstig war, konnte man im Westen sehr gut den Bahá’í Tempel in Langenhain sehen. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich im Mai das letzte mal dort war. Meine Schwägerin und ich hatten uns dort einen Film über die Bahá’í Religion angesehen, deren Gedankengänge wir beide sehr positiv finden. Im Grunde empfinde ich diese Religion eher als eine sehr menschenfreundlich Philosophie.
“Wenn ein Kriegsgedanke kommt, so widersteht ihm mit einem stärkeren Gedanken des Friedens”
Abdu’l – Bahá
Felder auf der Gundelhard . . .
. . . und mächtige Strohballen
Auf meinem Rückweg war die Sonne dann leider schon wieder verschwunden.
* * * Und was seh ich da gerade im Garten und dann die Tanne bis in die höchsten Regionen erklimmen?

Das dunklere Eichhörnchen ist übrigens nicht schwarz sondern teilweise dunkel, teilweise rot und hat einen weißen Bauch. In unserem Garten befindet es sich offenbar auf noch fremdem Terrain und ist noch scheuer als das Rote.
Taunus zum Zweiten
Um das “T” weiterhin aus dem Taunus zu holen, bin ich heute auf unseren Haus- und Hofberg, den Großen Feldberg gefahren. Das war aber keine so gute Idee. Obwohl auch dort oben die Sonne schien, war es doch merklich kühler als bei uns unten im Tal, sozusagen. Vor allem war es dunstig, wieder nichts mit guter Sicht. Ein Blick auf die Uhr: Ha! – auf zum Falkenhof, gleich ist Flugschau. War aber auch nichts. Flugschau fand nicht statt, weil drei Greifvögel nicht nach Hause gekommen waren (das sind sicher die, die über unserem Garten kreisen, ich höre sie schon dauernd). Trotzdem wollte der Falkner 4,50 Eintritt und nochmal 2,–Euro fürs Fotografieren – sage und schreibe also 6,50 Euro. Ich habe ihm zwar nicht gerade einen Vogel gezeigt – die soll er selber sucher gehn – bin aber wieder dankend von dannen. Früher hat der Eintritt alles in allem 2 Euro gekostet.

Übrigens gibt es jetzt eine neue Jahreskarte, die für den Opelzoo in Kronberg und den Frankfurter Zoo zusammen gilt, eine geniale Idee! Da muss ich mal drüber nachdenken, ob ich mir die nicht wieder zu Weihnachten wünsche.
Ein bisschen Greifvogel ist mir dann noch in einem Wiesenblümchen begegnet, dass mich mit seiner Farbe überrascht hat: das orangerote Habichtskraut (orange Hawkweed) blühte auf einer Wiese auf dem Feldbergplateau. Habe ich vorher noch nie gesehen.
Ich hab’s mir ergoogelt, das müsste wohl hinkommen mit dem Habichtskraut
Noch was zum Taunus allgemein: Der Taunus gehört zum Rheinischen Schiefergebirge, sein höchster Punkt ist der Gr. Feldberg mit 881,50 m. Das Mittelrheintal trennt ihn im Westen vom Hunsrück, im Norden bildet das Lahntal eine natürliche Grenze, im Süden die Rhein-Main-Tiefebene, im Osten das Gießener Becken bzw. die Wetterau.
An Gesteinen findet man im Taunus viel Grünschiefer, der auch entsprechend verbaut wurde. Damit unterscheiden sich viele alte Gebäude – vor allem auch die Burgen – in der Farbe deutlich von den Prunkgebäuden in der Mainebene, wo der rote Sandstein vorherrscht.
Grünschiefer
Die frühesten Anzeichen menschlicher Besiedlung im Taunus stammen aus der Bronzezeit. Bei Wehrheim sind Grabhügel der mittleren bis jüngeren Urnenfelderkultur (10./11. Jahrhundert v. Chr.) entdeckt worden. Später lebten Kelten im und am Taunus. Ringwallanlagen auf dem Altkönig (798 Meter) wurden um 400 v. Chr. datiert.Quelle: Wikipedia
Vom 1. bis 3. Jahrhundert verlief auf dem Taunuskamm Obergermanisch-Raetische Limes, der von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Dazu gehört aauch die von mir schon öfter erwähnte Saalburg oder das Römerkastell Feldberg. Der Taunus erhielt seinen heutigen Namen erst im 18. Jahrhundert von Friedrich V. , Landgraf von Hessen-Homburg. Früher hieß er nur “Die Höhe” (Bad Homburg vor der Höhe, Rosbach vor der Höhe) und auch die Bedeutung des Namens ist nicht so ganz klar. Zuallererst benutzt hatte ihn allerdings bereits der Römer Tacitus, der von einem „castellum in monte tauno“ schrieb, vermutlich die heutige Stadt Friedberg.
Erinnert ihr euch noch an diese Bilder?
Sehr viel kälter als heute . . .
. . . und trotzdem sehr viel schöner


Projekt52 – Zauberei
Sari schreibt: Diese Woche kommt das Thema nach langer Zeit übrigens mal wieder von Sumomi: Zauberei – Magisch wird es also dieses Mal.
Magisch – tja – da fällt mir Harry Potter ein, aber von dem habe ich keine Fotos. Überhaupt hab ich es nicht so sehr mit Abrakadabra und anderem Brimborium. Wenn Häschen aus dem Zylinder hüpfen, find ich das eher zum Gähnen und von zerschnippelten Jungfrauen wende ich mich auch mit Grausen ab. Aber als ich gestern von der Burgruine Falkenstein runter zu meinem Auto gelaufen bin, stand ich vor einem Gebäudekomplex, der mich schon immer magisch angezogen hat, wenn ich mal mit dem Auto vorbei gefahren bin. Irgendwas flüstert dann immer in mir “Zauberberg” und ich denke automatisch an den berühmten Roman von Thomas Mann. Ich zeig euch mal ein paar Bilder:

Falkenstein
Und in der Tat, der Gedanke an Thomas Manns Zauberberg ist so verkehrt nicht. Obwohl ich immer noch nicht weiß, woran ich mit diesem Ensemble wirklich bin. Ist es noch Klinik, ist es ein Spa, gehört es zum noblen Kempinskihotel? An einem der Eingänge direkt gegenüber dem Kempinksi (dem Kempinski, in der auch unsere National-Elf abzusteigen pflegt), steht eindeutig ein Hinweis auf ein Spa. Im Internet finde ich Hinweise auf eine ehemalige Lungenheilanstalt, ein Offizierskasino, den Kempinskikomplex. Es scheint wirklich ein magisches Gebäude zu sein. Jedenfalls brauchen Gegend und Gebäude den Vergleich mit dem vornehmen Davos nicht zu scheuen und ich habe meinen Mazda zwischen einem Porsche und einen Jaguar eingeparkt *lach*.

Den roten Teppich haben sie für mich auch schon ausgelegt
. . . wenn das keine Zauberei ist
Alles sehr gediegen
Mehr zu Thomas Mann und seinem Roman “Der Zauberberg” z. B. bei Wikipedia oder bei Dieter Wunderlich
Wem die Verknüpfung Zauberei > Thomas Manns Zauberberg >> Falkenstein nun etwas zu gewagt erscheint – okay, mir ist halt nichts Besseres eingefallen. Vielleicht kann ich noch was nachliefern.
ABC Projekt “T”
Also normalerweise widme ich mich dem nächsten Buchstaben ja frühestens montags, aber weil mir der Taunus schon die ganze Zeit im Kopf herumspukt und das Wetter heute nochmals einfach nur spitze war, fang ich mal an:
Neulich beim “Q” habe ich ja geschrieben, dass Hessen ein ausgesprochenes Quellen- und somit Bäderland ist. Das hat – habe ich gemerkt – doch so manchen überrascht. Hessen ist aber auch ein ausgesprochen waldreiches Bundesland und ein Land der Burgen und Schlösser - ein geschichtsträchtiges Land. Glaubt ihr das wieder nicht? Besonders in unserem schönem Taunus – damit also wären wir beim “T” – gibt es jede Menge Geschichte anzugucken, wenn auch oft nur in Form von Ruinen. Und weil der Taunus direkt vor meiner Haustür anfängt, will ich versuchen, ihn euch diese Woche näher zu bringen, sofern das Wetter mitspielt.
Heute habe ich mich auf den Weg nach Falkenstein gemacht. Falkenstein ist mittlerweile ein Ortsteil von Königstein im Taunus und besitzt wie dieses eine Burgruine, genauer gesagt sogar zwei (na ja). Direkt neben der Burgruine Falkenstein hat man nämlich inzwischen die Mauern eines noch älteren Turmes ausgegraben, der zur Burg Nürings gehörte. Der Ort Falkenstein selbst hieß bis ins 17. Jh. noch Nürings. Nach dem Aussterben des Geschlechtes der Gaugrafen von Nürings übernahmen die Herren von Bolanden-Falkenstein die Grafschaft und ließen eine neue Burg errichten. Die salischen Burgen zählten im Mittelalter mit Mauerstärken von vier und mehr Metern zu den mächtigsten Burgen im Süden Deutschlands. Gesinde- und Wirtschaftsgebäude waren jedoch oft aus Holz, sodass davon selten etwas übrig geblieben ist.


Vom Ende des 14. Jahrhunderts an wechselten in rascher Folge die Besitzer der Burg. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg Falkenstein schließlich aufgegeben und verfiel. – Wenn man den steilen Burgweg zur Burg aufsteigt, begegnet man schon unterwegs Reste der Burgruine, meist Fundamente alter Türme.

Das wirkt schon etwas wildromantisch

Ein hohes Schloß heißt Falkenstein,
es liegt ein Meil des Wegs vom Main
zur rechten Hand des Okzidents.
Es ist umher ein feine Grenz’
wie wohl Falkenstein sehr hoch
auf einem Felsen liegt …
Eramus Alberus (1500-1553)
Allzu viel sieht man also von der Burg nicht mehr, aber man hat einen grandiosen Ausblick auf Frankfurt und die gesamte Mainebene von Hanau bis fast zum Rhein. Nur war die Sicht bisher immer verschleiert, so leider auch heute. Ich habe ein paar Bilder gemacht, aber so richtig brauchbar ist keins davon.



Allmählich verfärbt sich der Taunus
Soviel erstmal zum meinem ersten Taunus-“T” – ich hoffe, ich kann im Laufe der neuen Woche noch mit mehr ankommen und natürlich hoffe ich auch, dass es den einen oder anderen interessiert. Nun brauch ich aber ein paar Socken und ein Jäckchen und will außerdem mal hören, was die Hochrechnungen so sagen.

