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Mein Lustschloss

. . . zu Halloween habe ich heute definitiv schon gefunden – wer will da noch nach England oder gar Transsylvanien reisen?

mosburg1

Wer mir auf Anhieb sagt, wo diese Gemäuer stehen, ist entweder richtig gut . . .
oder aus Wiesbaden ;-)

Ich bin nämlich heute weder in den Taunus gefahren noch zur Nidda, nein  – ich war erneut in unserer Landeshauptstadt. Diesmal aber direkt am Rhein in Wiesbaden-Biebrich. Den Schlosspark wollte ich mir schon lange ansehen. Außerdem reizte mich das milde Klima. Wer will schon frieren, wenn es auch noch anders geht. Die Burg oben im Bild ist aber nun beileibe nicht das Biebricher Schloß sondern die Mosburg am Ende des Schloßparks. So – jetzt aber mal ganz systematisch.

biebschloss1So schaut es aus, das Biebricher Schloss und zwar von der Rheinseite aus

biebschloss2Mit großer geschwungener Freitreppe (gegengleich auch von links)

biebschloss5. . . und so vom großen Park aus.

Obwohl das barocke Ensemble heute als einheitliche Anlage erscheint, entstand es nach und nach. Zunächst war es nur ein Sommersitz, den Fürst Georg August von Nassau-Idstein um 1700 errichtete. Zwischen 1707 und 1721 entstand die erste Version des barocken Lustschlosses mit Garten. 1734 wurde daraus eine dreiflügelige Schlossanlage mit Rotunde und gleichzeitig Residenz des Fürsten Karl von Nassau-Usingen (weit und breit tatsächlich keine Mainzer Erzbischöfe in Sicht!).

Die seitlichen Schlossflügel setzen sich in Kastanienalleen fort, während von der Rotunde aus die “Dicke Allee” nach Norden führt (ebenfalls eine Kastanienallee). Bis zur Fertigstellung des  Stadtschlosses 1841 in Wiesbaden war Schloss Biebrich Hauptresidenz der nassauischen Fürsten und Herzöge. Danach diente es bis 1866 nur noch als Sommerresidenz.

Interessant ist auch, dass 1868  Adolf von Nassau die 1844 bis 1848 errichteten Gewächshäuser mit dem wertvollen Baum- und Pflanzenbestand zusammen mit einem kleineren Pflanzenbestand aus dem Stadtschloss an die Stadt Frankfurt am Main verkaufte. Sie bildeten den Grundstock des Frankfurter Palmengartens. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Nassau bereits zu Preußen, Wilhelm I. von Preußen überließ das Biebricher Schloß jedoch Adolf von Nassau.

orangerie1
Heute verfügt das Schloss nur noch über eine sog. Arbeitsorangerie, also mehr oder weniger Gewächshäuser, in denen auch die empfindlichen Pflanzen des großen Schloßparks überwintern. Während ich dort unterwegs war, kamen ständig kleine Traktoren angefahren und brachten Palmen in die Gewächshäuser. Interessant ist ja, dass man in diesen barocken Anlagen immer wieder auf die gleichen Namen trifft, wenn es um die Anlage der großen Parks und Gärten geht. Gute Gartenbaumeister waren hoch geehrte Leute (von Welsch, von Sckell, Siesmayer).

orangerie2

Der Schloßpark ist riesig. Neben den Kastanienalleen gibt es mehrere kleine Bäche, den natürlichen Mosbach, einen großen Weiher, den Prinzessinnenweiher hinter dem Eishaus (das Eishaus habe ich entdeckt, den Prinzessinnenweiher nicht) und am Ende dann die Mosburg.

Prinzessinnenweiher

Infotafel zum Prinzessinnenweiher

Zugeschüttet also – kein Wunder! Wie gut, dass ich immer die Infotafeln fotografiere!

Vor allem aber gibt es unendliche viele hohe Bäume und in all diesen Bäumen sitzen unendlich viele Sittiche und Papageien.  Seit heute ist mir klar, warum die Wiesbadener Sittiche mittlerweile als Plage empfunden werden. Das Gekreisch ist wirklich fürchterlich. Mit Kusshand bin ich heute zu meinen heimischen Elstern zurück und werde über diese nie wieder ein böses Wort verlieren.

sittichebiebrich
Schlecht zu erkennen, aber das sind die großen Alexandersittiche (Psittacula eupatria)

Im Moment gibt es erst wenige kahle Bäume wie diesen, so dass man unentwegt von dieser Kakophonie an Tönen begleitet wird, aber die Verursacher kaum zu Gesicht bekommt.

baumhoch

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Anfang des 19. Jahrhunderts  in der  Epoche der Romantik erwarb Herzog Friedrich August von Nassau weiteren Grundbesitz zur Erweiterung des Parks, darunter auch die Ruinen einer ehemaligen Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert. Ihr Äußeres entsprach ganz der Idealvorstellung einer mittelalterlichen Burg. Der Herzog beauftragte seinen Hofbaumeister mit dem Bau einer romantischen Wohnburg auf deren Fundamenten. Dieser erzeugte den Eindruck einer mittelalterlichen Burg u.a. durch die Verwendung von Abbruchmaterial der mittelalterlichen Liebfrauenkirche in Mainz. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Mosburg erneut zur Ruine.

weiher

mosburg3

Und mit einem fast schon wieder abendlichen Blick auf den Rhein ging es kurz nach Vier dann zurück nach Frankfurt. Waren das genug “Schöne Momente” für diese Woche – oder waren es etwa zu viele? Ich hoffe wie immer, euch hat dieser kleine Ausflug ebenfalls Freude bereitet.

rhein

Eines noch: mir ist ein Laubbaum aufgefallen, der sehr seltsame bzw. mir völlig unbekannte Früchte trug, die vor allem im trockenen Zustand fast wie Zapfen von Nadelbäumen aussehen. Kennt jemand diesen Baum?

zapfenbaumUnbekannter Baum – wer kennt ihn?

Der mir unbekannte Baum ist übrigens ein Tulpenbaum – eine nordamerikanische Magnolie. Mehr dazu im Gartenblog und auch an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an Sisah für die Identifizierung.

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