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FFM – Teil2
Hier nun der zweite Teil meines gestrigen Spaziergangs. Wenn man von der alten Oper nicht schnurstracks durch die Fressgass’ weiter Richtung Hauptwache läuft sondern außen rum, dann gelangt man wieder in den inneren Grüngürtel, in diesem Fall in die Bockenheimer Anlage (neuerdings auch “Liesel-Christ-Anlage”). Hier kann man durchatmen – welche Wohltat! Die vielen hohen, alten Bäume und die übrigen Anpflanzungen filtern die Luft, nehmen die Abgase auf und produzieren Sauerstoff.

Apropos Liesel Christ: Wer nicht aus Frankfurt ist, kennt Liesel Christ vielleicht trotzdem. Sie war eine großartige Volksschauspielerin und ist vielen aus der Familie bzw. Firma Hesselbach bekannt (siehe hier.) Wer kennt von mir nicht den Seufzer “Kall, mei Drobbe”, den natürlich Mama Hesselbach bekannt gemacht hat.

Sogar Fischreiher und anderes Wassergetier gibt es hier zu entdecken
(auch die “nackische” Dame von gestern steht in dieser Anlage)
In der Bockenheimer Anlage steht auch das Nebbien’sche Gartenhaus. Das klassizistische Häuschen gehört sicher zu den Kleinoden Frankfurts, die im Krieg nicht zerstört wurden. 1810 erbaut für den Verleger Marcus Johannes Nebbien, steht es seit ca. 1950 dem “Frankfurter Künstlerclub e.V.” zur Verfügung. Man kann es mit dem Petrihäuschen an der Nidda (Brentanopark) vergleichen.

Brunnen im dazugehörigen Barockgärtchen
Die Liesel-Christ-Anlage endet an der Schillerstraße bzw. der großen Kreuzung am Eschenheimer Turm. Kurz vorher entdeckte ich eine ganze Reihe stattlicher Gingkobäume, die bei uns ja auch als Goethebäume bekannt sind. Und hier stehen tatsächlich nicht nur männliche Gingkobäume sondern auch die weniger geschätzten weiblichen (die reifen Früchte der weiblichen Gingkos sollen angeblich nach ranziger Butter riechen).

Kunterbuntes Frankfurt – Kontraste
von links im Uhrzeigersinn: Eschenheimer Turm, der neue “schiefe Turm von Frankfurt”,
das Portal des früheren Thurn und Taxis Palais, darunter der Blick in den Innenhof des Palais’
und schließlich ein Marktstand auf der Schillerstaße.
Was man auf der Collage sieht, gehört für mich zu den neuestens städteplanerischen Bausünden in Frankfurt. Hochhaustürme im Bankenviertel sind ja schön und gut, aber dieser neueste “Tower” mitten im alten Frankfurt, als Hintergrund für das frisch restaurierte Thurn-und Taxis Palais, das ist ein Katastrophe! Das sogenannte “Palais-Quartier” war wohl, soweit ich das verstanden habe, ein Gesamtpaket. Es gehört außerdem noch das neue Einkaufszentrum “My Zeil” dazu, das sowohl optisch als auch tatsächlich mit dem Hochhausturm verbunden ist, ein Hotel und eine Tiefgarage.
“My Zeil” mit seiner trichterförmigen Glasfassade
ein Saugrohr mitten hinein in den Konsumtempel
Die Zeil – Frankfurts Einkaufsmeile reicht von der Hauptwache bis über die Konstablerwache hinaus
Direkt neben dem neuen “My Zeil” bfindet sich die Zeilgalerie. Auf der achten Etage befindet sich eine offene Aussichtsplattform, von der man einen genialen Rundblick über Frankfurt genießen kann, sofern das Wetter mitspielt.
Blick nach Osten – der typische New Yorker Hochhaus-Baustil der Zwanziger Jahre
stand Pate für das Main Plaza (rechts) im Deutschherrrnviertel in Sachsenhausen,
links hinten sieht man das Main Triangel. Das Deutschherrnufer hat sich in den letzten Jahren
unter dem Motto “Urbanes Leben am Fluß” zu dem angesagten Viertel in Frankfurt entwickelt.
Blick auf den Dom – das umstrittene Technische Rathaus steht immer noch.
Unter dem in den Siebziger Jahren erbauten Technischen Rathaus liegen die ehemaligen Straßenzüge Hinter dem Lämmchen, Neugasse und der an den Alten Markt angrenzende Hühnermarkt. Ihre kleinteilige Bebauung wurde 1944 zerstört, die Trümmer bis 1950 abgeräumt. Im Zuge einer neuen Altstadtsanierung und Wiederbebauung soll das Technische Rathaus abgerissen werden. Noch wird viel diskutiert, wie die “neue” Altstadt aussehen soll. Der Römerberg in seiner augenblicklichen Form (bei Touristen sehr beliebt) wird schon oft genug als Frankfurts Puppenstube verspottet. Mir gefällt er übrigens.
Blick auf die Paulskirche – Deutschlands “Wiege der Demokratie”
Hier tagten 1848 die Delegierten der Frankfurter Nationalversammlung,
der ersten frei gewählten Volksvertretung Deutschlands.
Die Katharinenkirche
(ganz rechts unten in der Ecke ist noch ein Teil der Hauptwache angeschnitten)
Und ein letzter Blick auf’s Bankenviertel mit seinen Hochhäusern
unten nochmal ganz klein die historische Frankfurter Hauptwache
So – das war’s. Es gab noch mehr Fotos, aber irgendwie passen die hier nicht so richtig rein. Vielleicht zeige ich sie mal in einem anderen Zusammenhang, auf die Mainzauber Homepage kommendie Bilder nach und nach natürlich auch.
Hier geht’s zurück zu Teil 1: Frankfurts City vom 30. Oktober 2009
Frankfurts City
. . . ist voller Kontraste. Heute habe ich mich mal wieder in das Getümmel hineingewagt, genug Autoabgase für die nächsten 12 Monate eingeatmet und auch wieder so manches Neues entdeckt. Geparkt habe ich im Westend, wo ich tatsächlich einen stinknormalen kostenlosen Parkplatz gefunden habe – das ist Trefftrumph in dieser Gegend.

Es war heute total warm, fast wieder wie Frühling.
Ich bin vom Westend durch die Taunusanlage zum Opernplatz gelaufen, dann durch die Bockenheimer Anlage bis zum Eschenheimer Turm, durch die Schillerstraße bis vor zur Zeil, dort mal wieder einen Rundumblick über Frankfurts Dächer gewagt (leider war’s da schon wieder leicht neblig), noch zum neuen “myZeil” mit seiner spektakulären Fassade, dann zurück durch die Fress’gass (Kalbächer Gasse) und die Bockenheimer Anlage zurück ins Westend. Nun sind meine Füße platt
Die folgenden Fotos präsentiere ich heute mal (fast) ohne größere Erklärungen, es ist ein Rundgang ohne Konzept – einfach ein paar Impressionen.
Der Westendtower der Deutschen Zentralbank ist 208 m hoch
Vom Westend Richtung City – MAIN TOWER (Landesbank Hessen-Thüringen) – 200m
Die Zwillingstürme der Deutschen Bank – 158m
Altes Haus im Westend – Fassadendetails
In der Taunusanlage – Skulptur “Aufforderung”
Ebenfalls in der Taunusanlage – Der Marshallbrunnen
Zur Erinnerung an George C. Marshall, den 1959 verstorbenen Außenminister (1947-49) der Vereinigten Staaten, wurde 1963 der von dem Münchener Bildhauer geschaffene “Marshall-Brunnen” eingeweiht. Drei Bronzefiguren gruppieren sich um die Wasserquelle. Sie stellen Grazien der griechischen Mythologie dar und sollen die Anmut im Geben, Empfangen und Danken ausdrücken.
“AGLAIA:
ANMUT BRINGEN WIR INS LEBEN;
LEGET ANMUT IN DAS GEBEN
HEGEMONE:
LEGET ANMUT INS EMPFANGEN
LIEBLICH IST´S DEN WUNSCH ERLANGEN.
EUPHROSINE:
UND IN STILLER TAGE SCHRANKEN
HÖCHST ANMUTIG SEI DAS DANKEN.”
Die Alte Oper ist mal wieder eingepackt – die Quadriga wurde am 19. Oktober abgebaut
und zu Renovierungsarbeiten nach Thüringen gebracht.
Laterne am Opernplatz
Herbstliches zwischen Opernplatz und Bockenheimer Anlage
City zum Zweiten
Vorhin noch behauptet, dass ich die City nicht unbedingt liebe, so bin ich dann heute Nachmittag doch sehr spontan hin gefahren. Zu Hugendubel – Gartenbücher kaufen – Frustkauf sozusagen. Hugendubel gibt es nämlich wirklich nur in der City. Wobei die Buchhandlung im MTZ auch gut sortiert ist.
Aber ich will euch ein paar Fotos zeigen – nur mit meiner kleinen Immer-dabei-hab-Canon gemacht. Geparkt habe ich im Parkhaus Schillerpassage und das sieht dort teilweise auch schon sehr amerikanisch aus:

Parkhaus Schillerpassage
Der Weg von den Autos zum Ausgang enthält Boutiquen und Cafès

Café im Parkhaus
Im Kodak Theatre in Los Angels (Oskarverleihung) sieht’s auch nicht nobler aus

Draußen in der Schillerstraße wartet man wohl auch auf den Frühling

Der erste Citywolkenkratzer, der so richtig das Zentrum verunstaltet,
steht er doch genau hinter dem alten Thurn & Taxis Palais, das dafür wieder restauriert wird.

Blick durch die Hintertür auf die Kuppel des ” My Zeil”
Ehrlich gesagt, manche Dinge versteh ich in Frankfurt wirklich nicht. Da wird an anderer Stelle über die Bausünden der Sechziger geschimpft (Römerberg, Technisches Rathaus) und dann werden hier erneut welche begangen. Da hätte man das Thurn & Taxis Palais auch gleich abreißen können. Schön ist was anderes.
Bei Wikipedia und an einigen anderen Stellen im Internet kann man Informationen und auch noch sehr viele Originalfotos vom Palais Thurn & Taxis finden, das im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört aber erst 1951 bis auf das Portal abgerissen wurde.
Hier ein Modell des ehemaligen Palais’
Die Luft war wirklich schon recht mild. Weil ich eigentlich nur ins Auto gestiegen bin, um meinen Großen zu seinem Auto zu fahren, dass er gestern Abend stehn gelassen hatte, habe ich mir über meine Klamotten keine Gedanken gemacht. Und obwohl ich nur eine dünne Jeans und eine Übergangsjacke an hatte, habe ich nicht gefroren.
Konsumtempel
In diesen Tagen berichtet die FNP mindestens jeden zweiten Tag über einen neuen Einkaufstempel “My Zeil” (sehr originell) auf der Frankfurter Zeil “, der in drei Tagen eröffnet werden soll. Die Schreiberlinge überschlagen sich geradezu vor Begeisterung und der Präsident des hessischen Einzelhandels behauptet gar, dass damit Frankfurt auf einen Schlag zur Nr.1 der deutschen Einkaufsstädte werden wird. Vorbei also mit der Kö in Düsseldorf? Vielleicht geht’s ja auch eine Nummer kleiner. Wie auch immer, die Architektur muss wohl wirklich gigantisch sein.
Nur frage ich mich: cui bono? Wem bringt das was? Wir leben in einer Zeit, in der die Einen kaum genug Geld für das Allernötigste haben und Andere nur noch aus Langeweile kaufen, weil sie eh schon alles haben. In “My Zeil” werden die gleichen Läden einziehen, die uns eh schon von überall anspringen: In-Boutiquen, Media-Märkte ohne dass ich jetzt den Me*dia Markt als solchen meine, Fresstempel und alles, was wir in Frankfurt auch so schon zur Genüge haben. Und wenn nun wirklich Leute wie ich dort mal gucken gehn und vielleicht auch was einkaufen, dann kaufe ich dort in einem Laden, in dem ich ansonsten bei uns im MTZ gekauft hätte. Also was soll’s?
Komisch – für solche Projekte ist immer noch Geld da. Ob die Archäologen späterer Zeiten mal darüber sinnieren werden, welche Pharaonen sich solche Prachtbauten leisten konnten?


