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Unterwegs
. . . nach Süden – war schon immer eine gute Idee. Heute Mittag hab ich den Junior mal wieder nach Darmstadt kutschiert (knapp 40km von Frankfurt nach Süden) und wurde dort mit strahlend blauem Himmel und herrlicher Sonne belohnt, während Frankfurt unter einer dunklen Wolkendecke dahin vegetierte. Erst jetzt um 15 Uhr 30, also kurz vorm untergehen, lässt sich diese wankelmütige Dame namens Sonne jetzt auch mal über Frankfurt sehen. [Wieso ist die Sonne im Deutschen eigentlich weiblich? Und der Mond männlich?] Da ich im Zentrum Darmstadts, wo ich Andi absetzte, auch noch einen kostenlosen Parkplatz ergatterte, bin ich natürlich auch ausgestiegen. Am Stadtschloss, direkt am Weihnachtsmarkt . . . fast wie sechs Richtige im Lotto. Allerdings galt der nur für eine halbe Stunde. Na ja, ich habe den Spaziergang etwas ausgereizt – RISIKO – und hatte nach einer guten Stunde glücklicherweise keinen Strafzettel.
Dank der kleine Digi, die immer dabei ist, habe ich euch daher “Schöne Momente im Herbst/Winter 09” aus Darmstadt mitgebracht.
Vor ein paar Wochen habe ich euch die Mathildenhöhe - das Jugendstil- und Kunstzentrum Darmstadts – vorgestellt. Im Zentrum der Stadt sieht es anders aus. Das Darmstädter Residenzschloss begründet sich auf einer ersten Wasserburg aus dem 14. Jahrhundert der Grafen von Katzenelnbogen (auch so ein in Hessen allgegenwärtiges Geschlecht). Als 1479 der letzte Graf von Katzenelnbogen starb, fiel Darmstadt an Landgraf Heinrich III. von Hessen.

Mir erschien das Residenzschloss von außen riesig und vor allem sehr verschachtelt (so im Vergleich zum Biebricher Schloss in Wiesbaden) und irgendwie ist es im Moment ein ziemliche Baustelle. Aber trotzdem sehr schön. Hier muss ich mal mit viel Zeit und am besten mit einem Plan herkommen.

Der Eingang zum Schlossmuseum
Das Schloss wurde mehrfach zerstört. 1715, nachdem die Kanzlei des Schlosses abgebrannt war, sollte unter dem Landgrafen Ernst Ludwig der französische Architekt Louis Remy de la Fosse ein neues Barockschloss mit vier großen Flügeln bauen. Dieses sollte das alte Schloss komplett ersetzen. Wegen Geldmangels blieb es allerdings bei zwei Flügeln. In der Darmstädter Brandnacht (Angriff der britischen Royal Air Force) vom 11. auf den 12. September 1944 brannte das Schloss bis auf die Außenmauern nieder. In zwanzigjähriger Arbeit wurde der äußere Zustand der Vorkriegszeit weitgehend detailgetreu wiederhergestellt. [Mir fällt gerade auf, dass der 11. September ein geschichtsträchtiges Datum ist.]
Blick auf den Glockenturm
Hessisches Staatsarchiv
Was hier im klassizistischen Stil wie ein griechischer Tempel daher kommt, heißt bei Wikipedia schlicht “Der Mollerbau” und ist auch tatsächlich wie so Vieles nach dem Bombardement im Zweiten Weltkrieg ein Neu- bzw. Wiederaufbau. 1817 hatte der Architekt Georg Moller das Theater in klassizistischem Stil errichtet. 1879 wurde es umgebaut, im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Innern gibt es nur wenige originalgetreu wieder hergestellte Räume. Ich hab’s in erster Linie trotz der Zelte davor wegen der unglaublich sommerlichen Farben mit dem strahlend blauen Himmel fotografiert.
Ein bisschen um die Ecke rum auf der anderen Seite befindet sich das ultramoderen Kongresszentrum das “Darmstadtium“, das seinen Namen hat von . . . . ? Tja – ich wüsste mir hier auf Anhieb nur eine Person, die damit vielleicht ohne zu googeln etwas anfangen kann. Als ich in die Schule ging, gab’s das definitiv noch nicht. Blechiiiiiiiii! – - – Noch ein Stückchen weiter breitet sich dann im Moment der Darmstädter Weihnachtsmarkt aus.
Auf dem Darmstädter Weihnachtsmarkt
Mit den beiden letzten Fotos hätte ich dann auch noch ganz ungeplant einen Beitrag zum Projekt 52, den ich mir an sich verkneifen wollte, weil es hier ja sowieso ständig weihnachtlich zugeht.
Kinderkarussell mit Eisenbahn
DA-Mathildenhöhe
Ich finde es immer prima, wenn ich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden kann und umgekehrt. Heute durfte ich am frühen Nachmittag den Junior ohne fahrbaren Untersatz nach Darmstadt kutschieren, wo er sich mit Klassenkameraden vom Hessenkolleg zum Lernen traf (sowas muss Muttern ja unterstützen). Da das Wetter gerade bombastisch aufklarte und die Sonne heraus kam, beschloss ich, endlich mal zur Mathildenhöhe zu fahren. Die Mathildenhöhe ist ein einzigartiges Kulturdenkmal des Jugendstils, weit über Hessens Grenzen hin bekannt.
Der Hochzeitsturm – Wahrzeichen der Matildenhöhe
Bereits 1830 war an dieser prominenten Stelle eine Parkanlage für Erbprinzessin Mathilde angelegt worden und Zar Nikolaus II. und die Zarin Alexandra, eine Prinzessin von Hessen-Darmstadt, ließen 1897 durch den Petersburger Architekten Louis Benois eine Kapelle errichten.
Die russische Kapelle, davor das “Wasserlilienbecken”
Es war Großherzog Ernst Ludwig, der als Mäzen der schönen Künste die Künstlerkolonie “Mathildenhöhe” gegen Ende des 19. Jahrhunderts ins Leben rief und damit dem Jugendstil eine einzigartiges Denkmal schuf. Zwischen 1900 und 1914 entstanden für mehrere große Kunstausstellungen einige Großbauten und zahlreiche Künstler- und Bürgerhäuser. Die meistenvon ihnen schuf Joseph Maria Olbrich, von 1900 bis 1908 Leiter der Künstlerkolonie.
Der Hochzeitsturm mit seiner auffälligen Fünf-Finger-Architektur war ein Geschenk der Stadt Darmstadt an den Großherzog zu dessen Vermählung mit Eleonore Solms-Hohensolms-Lich. Eine Hochzeit, die einen großen Skandal darstellte, denn die erste Frau des Großherzogs lebte noch. Scheidung war damals also vermutlich nicht erlaubt.

“Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst”
Großherzog Ernst Ludwig von Hessen

Ernst Ludwig Haus
Als gemeinschaftliches Ateliergebäude wurde das Ernst-Ludwig-Haus nach Plänen von Joseph Maria Olbrich gebaut. Die sechs Meter hohen Kolossalfiguren „Mann und Weib“ oder „Kraft und Schönheit“ stammen von Ludwig Habich und flankieren den Eingang, der in einer Portalnische mit vergoldeten Pflanzenornamenten liegt. Mich stören dieses Figuren eher, passen für mein Empfinden nicht zum leichten, spielerischen Jugendstil.

Schwanentempel
Derr Schwanentempel liegt etwas seitlich des Parks und kann auch über eine Treppe vom Prinz-Christians-Weg her erreicht werden. Er wurde anlässlich einer Kunstausstellung 1914 von Albin Müller entworfen und ist ein sogenannter “Keramischer Gartenpavillon“.

Es gibt auf der Mathildenhöhe einen wunderbaren Platanenhain mit vielen Skulpturen und mit Weisheiten in Bronze gegossen.
Brunnen mit Gedicht von J.W. v. Goethe

Gesang der Geister über den Wassern
Des Menschen Seele
gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
zum Himmel steigt es,
und wieder nieder
zur Erde muss es.
Ewig wechselnd.
Strömt von der hohen,
steilen Felswand
der reine Strahl,
dann stäubt er lieblich
in Wolkenwellen
zum glatten Fels,
und leicht empfangen
wallt er verschleiernd,
leisrauschend
zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
dem Sturz entgegen,
schäumt er unmutig
stufenweise
zum Abgrund.
Im flachen Bette
schleicht er das Wiesental hin,
und in dem glatten See
weiden ihr Antlitz
alle Gestirne.
Wind ist der Welle
lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
schäumende Wogen.
Seele des Menschen,
wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
wie gleichst du dem Wind!
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Und weitere Impressionen

Sodele, das war’s. Ich hoffe, mein Spaziergang hat euch gefallen.
Jugendstilfest in Darmstadt
Darmstadt liegt im Grunde auch vor Frankfurts Haustüre und doch habe ich dazu kaum einen Bezug. Allerdings weiß ich, dass Darmstadt ein wichtiges Zentrum des Jugendstils darstellt, ähnlich wie Bad Nauheim. Ich vermute, dass die Darmstädter Mathildenhöhe weit über Hessen hinaus bekannt ist. Ab morgen beginnt dort ein Jugendstilfest. Das Illuminationsfest auf der Mathildenhöhe ist der Beitrag und Auftakt der Darmstadt Marketing GmbH zur Luminale in Darmstadt. Die Luminale ist ein internationales Festival der Licht-Kultur, das alle zwei Jahre in Frankfurt und der Rhein-Main-Region stattfindet. Ich hoffe, dass es an diesem Wochenende nicht nur regnet, dann werde ich nämlich endlich mal Darmstadt einen ausgiebigen Besuch abstatten.

Der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe
Der Architekt Joseph Maria Olbrich gestaltete den 1908 fertiggestellten Backsteinturm im Auftrag der Stadt Darmstadt als Geschenk zur Erinnerung an die Hochzeit des Großherzogs Ernst Ludwig mit Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich am 2. Februar 1905. Markant sind die fünf abschließenden Bögen des Daches, die an eine ausgestreckte Hand erinnern, weshalb er auch “Fünffingerturm” genannt wird. Der gemauerte Turmkörper aus dunkelroten Ziegelsteinen beginnt mit einer Sandsteinplatte über dem Eingang. Sie sollen die Personifikation der vier Herrschertugenden Stärke, Weisheit, Gerechtigkeit und Milde darstellen. Also dann: alle Herrscher dieser Welt mal ab nach Darmstadt! Vielleicht können sie hier noch was lernen.
Ich bilde mir ein, ich hätte bei unserem Besuch von Potsdam vom Boot aus so einen ähnlichen Turm gesehen. Es gibt ja in Potsdam einen großen Parkbereich, in dem viele Gebäude nach dem Muster anderer bekannter Bauwerke errichtet wurden. Auch unser Eschenheimer Turm stand dort Pate.
Nein, ich weiß wieder was es war (allerdings nicht, wie das Gebäude heißt):

Sieht eher nach dem Portal einer Kathedrale aus, war es aber nicht. Wo sind die Potsdamer, die mir auf die Sprünge helfen können?

