Artikel-Schlagworte: „Deutschland“

Noch ein paar

. . . vorerst letzte Gedanken – ich will ja hier niemanden nerven – zu den DVDs über die deutsche Geschichte. Ich habe mir immer eingebildet mich gut auszukennen, aber langsam glaube ich, dass auch mein Geschichtswissen mehr oder weniger auf  Zahlen und Namen beruhte – Ende. Und je näher ich mit dem Betrachten der DVDs  dem modernen Deutschland komme, umso mehr merke ich, wieviel ich bisher nicht wirklich durchdacht, ja noch nicht mal gewußt habe. Hitler und das Dritte Reich – bisher habe ich nie wirklich verstanden, wie unsere Eltern, Großeltern auf diesen Mann und seine Ideen hereinfallen konnten. Die aktuelle deutsche Geschichte wurde auch während meiner Schulzeit nicht wirklich behandelt. Und vielleicht war das gut so, zumindest ist es mir inzwischen verständlich. Die meist alten Lehrer, die uns unterrichteten, sie hätten vermutlich garnicht objektiv dazu Stellung nehmen können. Ich selbst habe auch nur ein ganz geringes Nationalbewußtsein. Dass Deutschland in meinen jungen Erwachsenenjahren geteilt war in BRD und DDR fand ich zwar unangebracht und habe die DDR Regierung auch als Unrechtsregime gesehen, einfach weil sie ihre Bevölkerung wie in einem Gefängnis gehalten hat, aber ich habe die Wiedervereinigung nie unter dem Gedanken von Nationalbewußtsein gesehen. Jetzt verstehe ich allmählich, wie wichtig genau dieses Bewußtsein zu einer deutschen Nation zu gehören, für unsere Eltern und Großeltern noch gewesen sein muss. Mein Vater wurde 1909 geboren – hundert Jahre zuvor gab es noch kein Deutschland in unserem heutigen Sinne. Österreich, Preußen und der Rheinbund, das war, was damals “Deutschland” ausmachte. Und der Rheinbund paktierte mit Napoleon. Die Nation Deutschland entstand erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, war im Grunde eine ganz junge Nation, die nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 eine wirklich Identität bekam. Ich kenne die Geburtsjahre meiner Großeltern nicht, aber sie müssen um den Dreh herum geboren sein. Meine Oma väterlicherseits war einundachtzig als sie 1954 starb. Mir ist zumindest von der väterlichen Linie in Frankfurt nicht  bekannt, dass es dort aktive Nazis gegeben hätte. Aber wenn ich mir das alles jetzt so vergegenwärtige, kann ich zumindest besser verstehen, dass  im noch jungen Deutschland durchaus das Gefühl bestand, dass Nationalstolz etwas Gutes und zu verteidigendes sein musste.

Ja und heute? Wiederum knapp hundert Jahre später scheinen wir tatsächlich auf ein gemeinsames Europa hinzusteuern. Aber irgendwie scheint es mir auch verständlich, dass das Bekenntnis dazu noch nicht einheitlich positiv ausfällt. Wir leben in einer Zeit der enormen Beschleunigung auf allen Ebenen. Das habe ich jetzt schon mehrmals geschrieben. Die Frage ist, wie viel Beschleunigung der Mensch als solcher, wie viel Globalität der Rest Steinzeitmensch in uns überhaupt verträgt.

holzhausenEine weitere gotische Grabplatte aus dem Frankfurter Dom.
Sie zeigt den Bürgermeisters Johann von Holzhausen, gestorben 1393,
und seine 1371 verstorbenen Ehefrau Gundula Goldsteyn.

Vorhergesagt

. . . war dieses Wetter ja für heute, aber muss es gleich so ätzend daher kommen? Der Sturm am Vormittag hätte doch schon gereicht, aber nun haben wir Sturm und Regen in dicken, fetten Tropfen. Das hört sich auf dem Glasdach fast wie Hagel an, ist aber keiner.

Nun ja, wer im Warmen sitzt, der darf nicht meckern. Was geht’s den meistens von uns doch gut! Ich habe die DVDs von der Entwicklung Deutschlands schon erwähnt, die ich mir gerade angucke. Gestern waren Wallenstein und der Dreißigjährige Krieg dran. Man mag es sich wirklich nicht vorstellen, dass damals ein Drittel der Gesamtbevölkerung ums Leben kam – wenn das mal reicht. Und der Rest lebte – mal vom Adel abgesehen-  mehr als erbärmlich weiter. Und auch der hatte es nicht unbedingt immer gemütlich. Wenn man an die kalten, dunklen und zugigen Burgen denkt! Diese DVD Serie hat zwar für meinen Geschmack auch einige Mängel, aber sie hat mir doch so einiges klar gemacht, worüber ich noch nicht so richtig nachgedacht habe.  Dass Deutschland über viele Jahrhunderte ein föderalistischer Vielfürstenstaat war, das war mir klar. Aber dass unsere Kaiser – die Nachbarn hatten schließlich nur Könige – im Grunde nicht wirklich deutsche Kaiser waren – oftmals der deutschen Sprache garnicht mächtig – und das “Heilige römische Reich deutscher Nation” auch kein deutsches Vaterland (man verzeihe mir diesen patriotischen Ausdruck, aber ich weiß keinen besseren), das war mir so nicht klar. Geschichte ist schon eine spannende Sache!

grabplatteGotische Grabplatte aus dem nördlichen Querschiff des Frankfurter Doms

Ich bin nicht sicher, aber es könnte sich um einen Frankfurter Reichsschultheissen namens Rudolf von Sachsenhausen handeln. Ich stand schon im Dom vor den Schriften, die die Platte umkränzen, aber ich konnte nur Bruchstücke entziffern. Man müsste  der Identifizierung durch das Wappen und den Schwan irgendwie näher kommen können.

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war Frankfurt eine Freie Reichsstadt und somit einzig dem Kaiser unterstellt. Die Verwaltung lag anfangs ausschließlich in den Händen der Landvögte. Im Jahre 1220, zur Zeit der staufischen Kaiser wurde die Frankfurter Vogtei abgeschafft und ein Reichsschultheiß eingeführt, um die Reichsrechte, vor allem die fiskalischen, stärker nutzbar zu machen.

Tag der Deutschen Einheit

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Inge aus HH erinnert daran, dass morgen nicht irgend ein Feiertag ist sondern der Tag der Deutschen Einheit. Was verbindet ihr mit dem Datum, hat es überhaupt eine Bedeutung für euch? Geht es euch eher so wie mir, die lieber den 9. November (1989) , den Tag an dem Mauer fiel, als Feiertag im nationalen Bewusstsein verankert gehabt hätte? Oder ist euch die ganze Wiedervereinigung völlig egal . . . oder hättet ihr etwa gerne die Mauer wieder . . . oder schreibt ihr nichts, weil ihr in einem Blog öffentlich keine politische Meinung von euch geben wollt? Alles das würde mich doch mal interessieren.

Ich selbst bin froh über die Wiedervereinigung. Da steh ich voll dahinter, gleichgültig welche wirtschaftlichen Probleme sie mit sich gebracht hat. Natürlich kann man als “Wessi” darüber jammern, dass durch den Aufbau Ost Vieles im “Westen” auf der Strecke geblieben ist (hör ich häufiger mal), aber ich fand die Mauer und alles was dazu gehörte immer als totale menschliche Katastrophe.

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