Artikel-Schlagworte: „Erinnerungen“

Die Schachtel

schachtel

Wenn man die Eindrücke eines jeden Jahres in eine Schachtel packen wollte, dann brauchte man dazu vermutlich Schachteln von ganz unterschiedlicher Größe. Manchmal scheinen Tage, Wochen, Monate einfach nur zu verfliegen ohne das etwas passiert, das man für erwähnenswert hält. Dann passiert plötzlich an einem Tag soviel auf einmal, dass man für diesen Tag fast schon eine eigene Schachtel haben müsste. Vor dem Digitalzeitalter packten viele Menschen ihre Fotos in Schachteln, immer mit dem Gedanken sie später mal in ein Album zu kleben. Meistens ist es dann dabei geblieben und plötzlich hat man sie wieder in der Hand und fragt sich: wie und wo war das damals eigentlich?  Ich fürchte, es wird heute vielen Bilder auf den diversen Speichermedien ähnlich ergehen. Andererseits – die wirklich wichtigen Momente im Leben, die bleiben einem vermutlich auch so in Erinnerung?  Tun sie das? Wir haben in den letzten Tagen viel über Depressionen gelesen. Zu vielen psychischen Erkrankungen gehört auch, dass man Dinge schlicht und einfach verdrängt. Das müssen garnicht nur schlimme Dinge sein. Aber manchmal fühlt man sich nicht mehr in Lage Neues und noch mehr und immer noch mehr aufzunehmen und dann schafft die Seele das irgendwo ins Abseits. Ich glaube, es ist gut, wenn man in diesen Zeiten Tagebuch schreibt. Das ist immer noch etwas anderes als Bloggen. Ich besitze stapelweise Tagebücher aus vergangenen Zeiten und oftmals erzählen sie mir von ganz anderen Gedanken als meine Fotos das vermuten lassen würden.

Wie ich darauf komme? Keine Ahnung – einfach so Gedanken, die mir vorhin bei einem kleinen Spaziergang im Nieselregen durch den Kopf gingen. Ich hatte ja gehofft, es sei nun mal trocken, aber das war wohl ein Irrtum.

Ach ja – die BlogSchachtel des heutigen Tages enthält mal wieder viel zu viel – insgesamt vier (4) Beiträge. Fühlt euch gefordert aber bitte nicht überfordert *lach*.

1909 – 2009

eismann

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Ihr habt euch vielleicht schon über das Bild ohne Text gewundert. Es war gestern in der Zeitung, weil dieser Eismann aus Nied gestern vor 100 Jahren geboren wurde. Ich habe es mir gescannt und hebe es auf, weil erstens mein Papa nun heute vor 100 Jahren auf die Welt kam und zweitens ich diesen oder einen anderen Eismann in meiner Kindheit noch erlebt habe. Mein Elternhaus im Heimchenweg steht ja schräg gegenüber der alten Gaststätte “Zum Vater Jahn” und dorthin brachte der Eismann immer riesige Eisblöcke, die die Metzgerei  brauchte.  Aber einige wurden auch zerkleinert und die konnten dann die Normalhaushalte für ihre Eisschränke (ohne Strom!) kaufen.

Tja – Papa, du hättest mir soviel erzählen können. Mehr denn je bin ich traurig, dass du so früh gestorben bist. Mit Sechzig früh für heutige Verhältnisse und für mich, die ich damals noch keine  Siebzehn war,  sowieso.

Altersunterschied

Ein Altersunterschied von sechs Jahren ist bei Erwachsenen kein Thema, bei Kindern trennt er Welten. Ich habe gestern Post bekommen von einer Dame, die inzwischen in Kappeln an der Schlei (Ostsee) wohnt und als Kind im Heimchenweg schräg gegenüber von meinem Elternhaus gewohnt hat. Mit Post meine ich eine Email, weil sie mich über meine Mainzauber-Homepage gefunden hat. Inzwischen sind schon einige Emails hin und her gegangen, die klar gemacht haben, dass wir uns nicht gekannt haben. Unser Haus war ja noch zwei Jahre nach meiner Geburt von den Amerikanern besetzt und als ich als Zweiährige nach Hause kam, war sie immerhin schon 8 Jahre alt. Mit Dreizehn ist sie weggezogen. Unsere Erinnerungen betreffen also in erster Linie ihre Freunde und deren jüngere Geschwister, die ich kannte oder noch kenne. Aber lustig ist das schon. Außerdem bekomme ich Lust mal wieder ein paar Tage im Norden Urlaub zu machen. Zuletzt war ich dort, als die Jungs noch klein waren. Ihr erinnert euch: Bad Segeberg, Karl May Festspiele? Es war im Grunde meine erste Helferin, die sich nach Schleswig Holstein verheiratet hatte und die wir damals dort auch besucht haben. Lang, lang ist’s her.

1990 An der Schlei

Links meine beiden, rechts  Angelina und Boy
(wie man sieht: Mädchen sind fotogener)

Ich als Märchentante
Am Abend bei Waltraud – Elke als Märchentante ;-)

Beauty – Damals & Heute

. . . heißt das August-Thema von Elke Zedlitz. Meine Erinnerungen und Anmerkungen dazu gibt es wie immer im Schreiben & Lesen-Blog.

Renaissance der Schrotthändler

Seit Jahren werfen wir keinen Müll mehr weg: wir entsorgen! Aber das im großen Stil. Vor dem alten Mietshaus stehen insgesamt vier Tonnen: drei große für Papier, für sog. Restmüll und die Gelbe. Dann gibt es noch eine kleine Tonne für Biomüll. Wegbringen müssen wir immer noch Glas zum Glascontainer und Plastikflaschen zum Supermarkt? Wann hat der Wahnsinn eigentlich angefangen?

Als ich Kind war, holten wir die Wurst, das Brot und vieles andere beim nächsten Tante Emma Laden, meist unverpackt. Für die Milch fuhr der “Milchmann” durch die Straße und wir holten sie in der Blechkanne ab. Was heißt überhaupt “Vieles andere”? Tante Emma hatte keine zehn Joghurtsorten zum aussuchen – ich glaube Joghurt kannte man gar nicht. Dickmilch oder Sauermilch entstand manchmal von selbst, wenn man nicht aufpasste. Südfrüchte? – noch lange Zeit Fehlanzeige. Obst aß man aus dem Garten hinterm Haus, sofern man den hatte – kleine, wurmstichige, verschrumpelte Äpfel.

Und der Rest? Der Rest war kostbar. Alle paar Tage zog der Schrotthändler mit dem Pferdegespann durch das Dorf und brüllte: “Aal Eise, aale Öfe, Babier” – was so viel bedeutet, er suchte nach Altmetall und Papier zum Wiederverwerten. Erinnern Sie sich noch?

Und heute? Seit letzter Woche zieht wieder einer durch die Straßen: “Aal Eise – alde Öfe” – Papier wird im Moment nach wie vor “entsorgt”. Es gibt offenbar noch genügend Wälder zum Abholzen. Wieviel Recyclingpapier wird wohl im Verhältnis zu neuem Papier tatsächlich genutzt?

Nächstes Szenario: vorgestern stellten wir mal wieder Sperrmüll auf die Straße zum Abholen. Frankfurt hat einen tollen und kostenlosen Sperrmülldienst (überhaupt will ich die FES an dieser Stelle mal loben!). Wenn Metall darunter ist, kann man sich inzwischen getrost darauf verlassen, dass der Sperrmüll am nächsten Tag nichts mehr vorfindet. So wertvoll ist es inzwischen auf dem Weltmarkt wieder geworden.

Ich versuche mich beim Schreiben an meine Kindheit zu erinnern. Vom Fuhrwerk des Schrotthändlers ziehen die Gedanken weiter. Wie war das damals eigentlich? Manches ist sofort wieder da, anders verschwindet im Nebel. Aber vielleicht lässt sich die Erinnerung locken.

Ich werde die Morgengedanken wieder aufnehmen: jeden Morgen eine Seite schreiben, jetzt im Moment keine Gedanken zum Tagesgeschehen sondern Erinnerungen.

Tun Sie es auch! Ich bin sicher, es lohnt sich.

Wer Hilfe beim biografischen Schreiben braucht: klicken Sie bitte hier.

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“Schrotteln” mit Mama – eher nicht, aber ich habe keine Ahnung, was wir transportiert haben. Mal sehen, ob mein Bruder eine Idee hat. Ich werde ihm das Bild mal mailen.

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