Libyen
Es kommt selten vor, dass ich keine eindeutige Meinung zu einer politischen Lage oder Entscheidung habe. Im Falle der Enthaltung beim Votum über die Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat ist das aber tatsächlich mal der Fall. Eine Flugverbotszone ist letztendlich eine militärische Intervention und schließt auch eine Bombardierung nicht aus. Ausgerechnet der Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestags, der Grünen-Politiker Tom Koenigs, kritisiert aber wie viele Andere auch die Enthaltung Deutschlands. Anfang des Monats hat der aber noch ganz was Anderes erzählt. Wie passt denn das zusammen?
Ich bin alles andere als ein Freund totalitärer Regime, und Diktatoren wie Gaddafi sind mir ein Gräuel. Insofern wünsche ich den aufbegehrenden Regimegegner dort und in allen anderen totalitären Ländern dieser Erde, dass sie Erfolg haben und ich bewundere sie, dass sie mit Leib und Leben für die Veränderung kämpfen. Aber hat der Westen das Recht immer und immer wieder in die Innenpolitik anderer Länder militärisch einzugreifen? Es gab eine Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Auslandseinsatz deutscher Soldaten ein völlig unmöglicher Gedanke zu sein schien. Als Jugendliche habe ich die USA für Vietnam kritisiert und auch heute finde ich den Bundeswehreinsatz in Afghanistan nicht gerechtfertigt. Und nun Libyen? Worum geht es den Politikern wirklich? Denen, die noch vor kurzem mit Gaddafi Geschäfte gemacht haben? Geht es wieder nur ums Öl? Und was wird passieren, wenn aus diesen Ländern nach einem Machtwechsel – es geht ja derzeit nicht nur um Libyen – die nächsten Islamistenverbände Europa mit Terror überziehen?
Ehrlich gesagt, ich bin im Moment mehr als froh, kein Politiker zu sein. Ein leichtes Geschäft scheint die Politik nur hin und wieder zu sein, aber dann kommt es plötzlich knallhart. Und ich finde es schlimm, wenn ähnlich wie in den letzten Tagen in Bezug auf die Katastrophen in Japan und politischer Entscheidungen in Deutschland, nun erneut überall die Besserwisser aus dem Boden schießen wie Pilze nach dem Regenguss. Deutschland blamiert sich … ach ja? Ist es wirklich so einfach?
Ich höre derzeit täglich, dass die Beliebtheit der Grünen bei den Deutschen steigt. Reicht die Angst vor AKWs tatsächlich aus, einer Partei zu glauben, dass sie regierungsfähiger ist als andere? Bewiesen haben sie noch nichts dergleichen. Und selbstgerechte Gestalten wie Königs, Trittin oder der SPD Chef Gabriel sind mir alles andere als sympathisch, wobei zumindest Sigmar Gabriel bei der Entscheidung zur UN-Resolution mit der Regierung konform geht.
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Gibt’s auch was Positives?
Ja, die Sonne kämpft sich wieder durch die Wolken. Nachdem dieser Tag noch nass und grau angefangen hat, wird der Himmel nun zunehmend blau, die Sonne scheint und die Vögel zwitschern. Ziemlich kühl ist es da draußen noch. Vorhin bei Staub saugen hatte ich die Türen zu Terrasse offen, aber das ist noch nicht das Wahre. Trotzdem – es soll ja nun Tag für Tag wieder wärmer werden. Blechi und ich haben das nächste Treffen – diesmal in Frankfurt selbst – auf kommende Woche verschoben. Heute freue ich mich mal wieder auf einen gemeinsamen Kaffeeplausch mit meinen drei Männern. Zweimal ist das nun hintereinander ausgefallen – erst am Faschingssamstag, dann als ich letzte Woche in Bad Nauheim war, und schon fehlt mir das ganz gewaltig. Ich bin doch mehr Familienmensch als ich immer denke ;-)
Der Flieder wird zunehmend grün, die Meisenknödel sind kaum noch gefragt
Vorbei
Das war’s dann also. Karl-Theodor zu Guttenberg hat seinen Hut genommen, ist von allen politischen Ämtern zurück getreten. Und was haben wir nun davon? Ein Vakuum im Verteidigungsministerium, triumphierende Gutmenschen, die ihre Macht bewiesen haben und bei mir ein schales Gefühl, wie sehr wir uns von den Medien benutzen lassen. Ich glaube nicht, dass ich nun von den Politikern in unserem Lande besser denke als vorher. Dann wollen wir doch mal hoffen, dass wir ab sofort nur noch von Menschen mit blitzsauberen, weißen Westen regiert werden . . . Honi soit qui mal y pense
zu Guttenberg
. . . und kein Ende. Kennt ihr den Ausdruck “Fremd schämen”? Seit Kriegsende verlangt man von uns Deutschen, dass wir uns immer noch kollektiv und einzeln für die Hitlerzeit schämen. Tut mir leid, ich lehne das für mich ab. Aber allmählich fange ich an, mich für dieses dauergeifernde Volk zu schämen, für das offenbar im Moment nichts wichtiger ist, als einen Minister, der sich mal unkorrekt verhalten hat – soll ich mal aufzählen, was wir an Unkorrekheiten in dieser Bundesrepublik schon so alles mitgemacht haben? - aus dem Amt zu schmähen? Da kann im Norden Afrikas die Welt brennen und uns möglicherweise der Ölhahn abgedreht werden, da drohen Flüchtlingsmassen Südeuropa zu überschwemmen, und was haben die Deutschen im Sinn: Der Verteidugunsminister möchte doch sein Amt räumen, weil er beim Doktortitel geschummelt hat. Ich krieg echt die Krise! Allerdings würde ich es verstehen, wenn Minister zu Guttenberg wirklich bald genug hat und den Hut nimmt. Ich denke gerade an die Affäre um Bill Clinton, die ja nun wirklich peinlich war und dennoch blieb dieser Mann Präsident der Vereinigten Staaten. Von Berlusconi redet wohl nur die SPD – ein Vergleich, der so primitiv ist, wie die Absicht, die dahinter steckt. Nein, ich finde, es gibt wichtigere Dinge in der Welt, als einen Verteidigungsminister derart zu mobben.
Ach was reg ich mich eigentlich auf? Ich geh besser raus in den Garten, da ist es heute sooo schön!
Schlammschlacht
Mal ganz ehrlich: ich möchte kein Politiker sein! Aus Spaß habe ich zwar schon ab und an das Gegenteil behauptet, wenn mal wieder von Diätenerhöhung oder Ähnlichem die Rede war, aber diese Schlammschlachten, die im Politzirkus geschlagen werden, gehn mir sowas von auf den Geist.
Klar, auch ich rede von zu Guttenberg und seiner Doktorarbeit. Wusstet ihr bisher überhaupt, dass er einen Doktortitel hat? Also ich nicht. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass er damit jemals aufgetreten wäre oder damit angegeben hätte. Warum also jetzt diese Hetzjagd? Ich wäre naiv, wenn ich mir die Antwort nicht selbst geben könnte. Karl Theodor war im letzten Jahr nunmal der Shootingstar der Politik, fast schon sowas wie eine Lichtgestalt, der die Opposition nichts entgegen zu setzen hat. Also wird demontiert, was das Zeug hält. Oder man versucht es zumindest. Ich gehe jede Wette ein, dass alle der CDU nicht wohlgesonnenen Parteien Leute auf zu Guttenberg angesetzt haben, die nichts Anderes zu tun haben, als nach Flecken auf der weißen Weste zu suchen. Mich k*tzt das an, aber sowas von!
Wenn er tatsächlich kopiert hat ohne das anzugeben, wäre das natürlich nicht schön. Aber mal ehrlich – bei welcher Dissertation wird heutzutage das Rad noch neu erfunden? Selbst bei Habilitationen kommt selten was wirklich Bahnbrechendes auf`s Papier. Eine Doktorarbeit ist im Allgemeinen eine Fleißarbeit, bei der man Unmengen Bücher von anderen mehr oder weniger schlauen Leuten liest (das nennt sich dann Recherche oder Literaturstudium), das Ganze so zusammenfasst, dass es letztendlich ein gutes Licht auf den eigenen Doktorvater wirft, der sich damit schmücken möchte, und ab und an findet sich in so einer Doktorarbeit auch mal was Neues. Ich denke noch heute mit leichtem Schaudern daran zurück, wie viel medizinischen Schund aus der NS-Zeit ich lesen musste, weil die damals den Menschen halt so perfekt vermessen hatten.
Was mir den Kamm wirklich schwellen lässt, das ist diese Verlogenheit in der Politik. Wenn unsere Parteien einmal aufhören würden gegeneinander zu arbeiten und sich stattdessen kluge Köpfe aller politischen Richtungen zu sachlichen Diskussionen zusammen finden würden, dann könnte man vielleicht auch Politik machen, die unseren Staat voranbringt und den Menschen weiterhilft. So finden doch immer nur wieder Kindergartengerangel und Selbstbeweihräucherungen statt, die für uns, die wir in diesem Staat leben (müssen), einfach nur nervig sind.
Demokratieverständnis
Mittlerweile muss man wohl sagen, dass es im nahen Osten = arabischen Raum nicht mehr nur gärt sondern schon brennt. Und uns Mitteleuropäern mit unserem westlichen Demokratieverständnis ist es nicht so ganz wohl dabei – den USA auch nicht. An sich sind wir ja wohl der Meinung, dass der Sturz eines Diktators immer eine positive Sache ist. Aber wie ist es denn nun, wenn die Nachfolger plötzlich dem fundamentalen Islam angehören? So ein bisschen erinnert mich das, was in Ägypten passiert, an den Iran zur Zeit des letzten Schahs, den man noch Schah von Persien nannte. Europa und die USA sind mit ihm ja ganz gut gefahren. Und dann kam der Sturz des – so sah es die Bevölkerung – unzeitgemäßen Herrschers. Seitdem regieren die Mullahs den Iran und wir finden das gar nicht mehr so toll. Ein Teil der dortigen, westlich orientierten Bevölkerung allerdings auch nicht.
Heute haben große Teile der europäischen und amerikanischen Bevölkerung Angst vor dem Islam. Mit den Machthabern in Ägypten und Tunesien hatten wir als Touristen eher kein Problem.
Wie seht ihr das, was da gerade passiert?
Wer keine Politik mag, kann im Gartenblog Vögelchen gucken gehn ;-)
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