Dank des gestrigen Tages, den ich im Kampf gegen den Hitzetod größtenteils im Liegestuhl verbracht habe, konnte ich das Buch (ebook) “Rabenblut drängt” von Nikola Hotel fast am Stück lesen. Dass ich das auch wirklich getan habe, zeigt zumindest schonmal, dass es mir gefallen hat, und ich möchte mich noch einmal bei der Autorin bedanken, die mir ihr Erstlingswerk zum Lesen und zur Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt hat.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich alle zukünftigen Leser noch auf die Webseite der Autorin zu “Rabenblut drängt” aufmerksam machen, die mit tollen Extras aufwartet, unter anderem mit den Musikstücken aus dem Roman, denen dort viel Raum gewährt wird.
Zum Inhalt wie er bei Amazon erscheint: »Wellenartig schwappte mein Rabenblut über, quoll übervoll aus meinem Herzen. Und egal, wie sehr ich es auch zurückdrängte, es bahnte sich doch unaufhaltsam seinen Weg. Ich schaute weder links noch rechts und rannte los. Als ich das Haus erreichte, hatte ich jegliche Kontrolle über meinen Körper verloren. Wie ein Blinder stolperte ich durch die Tür. Ich zitterte, bebte, und jede Zelle meines Körpers vibrierte unter dem Drang sich zu verwandeln.«
Mitten in der Nacht findet die junge Studentin Isa einen schwer verletzten Mann im Wald. Was sie nicht ahnt: Alexej lebt in einem Rabenschwarm, und nur durch die Schwere seiner Verletzungen war er gezwungen, sich zu verwandeln. Er versucht, sein wahres Wesen vor ihr zu verbergen, aber sein Verhalten gibt ihr Rätsel auf. Weshalb kann er den Anblick von totem Wild nicht ertragen? Und warum hat er so unerklärlich hohes Fieber? Bei der Suche nach einer Erklärung kann sie jedoch eins nicht verhindern: dass sie sich unsterblich in ihn verliebt.”
Hm – ja – also das ist so eine Inhaltsangabe – vor allem der von mir rot markierte Teil - der mich eher zurückschrecken lässt, zumal es seit einigen Jahren Gestaltwandlerromane wie Sand am Meer gibt. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Die Story ist wirklich gut und es geht auch weder um Werwölfe noch um Vampire sondern um Menschen, die sich in Raben verwandeln können. Die Geschichte spielt im Tschechien der Jetztzeit, in einem Nationalpark in der Nähe von Prag (mit einigen geschichtlichen Rückblicken in die kommunistische Vergangenheit, die zur Erklärung dienen – Prager Frühling 1968, eventuell auch die Samtene Revolution 1989. So ganz klar wurde mir das nicht). Es ist eine feine Fantasygeschichte mit einem großen Anteil an Liebesgeschichte.
Das erste Drittel empfand ich nach einem furiosen Anfang als ein bisschen langweilig schleppend, was meiner Meinung nach daran liegt, dass im ersten Kapitel “zuviel Pulver verschossen” wurde. Der Leser erfährt darin im Grunde viel zuviel über den Rabenmann, als dass die Autorin daraufhin noch einen sich allmählich steigernden Spannungsbogen hätte aufbauen können. Wenn ich mehr weiß als die handelnden Personen des Romanes, finde ich das bis auf gelungene Ausnahmefälle ermüdend. Auch den Erzählstil fand ich zu Beginn eher etwas holprig, etwas das ab der Mitte etwa sehr viel besser wurde. Beispielsweise kommt es zu einem leicht inflationären Einsatz des Wortes “Eremit” für den unbekannten Fremden, was später nur noch vom ständig gebrauchten “Sakra” getoppt wird. Aber das sind Kleinigkeiten. Die Geschichte hat was, das mich trotzdem hat immer weiterlesen lassen.
Sehr gut haben mir die ideenreichen Titel der einzelnen Kapitel gefallen. Das fand ich so hinreißend, so dass ich mich gefragt habe, warum das Buch selbst so einen objektamputierten Minisatz als Titel bekommen hat. Zwar reichen in der deutschen Grammatik Subjekt und Prädikat für ein Satzminimum aus, aber schön finde ich das nicht. Aber an Titeln habe ich ja fast immer etwas auszusetzen ;-)
So richtig gut finde ich das Buch dann spätestens ab der zweiten Hälfte. Da kommt Schwung rein, da wird es wieder spannend. Am Ende bleiben bei mir allerdings eine Reihe von Fragen offen. Denn es wird nicht so wirklich klar, warum es ausgerechnet die Söhne adeliger tschechischer Dissidenten sind, die alle das Rabenblutgen besitzen. Aber bei Fantasyromanen darf man sowieso nicht alles hinterfragen.
Fazit: Eine gute Idee, ein schön erzählter Fantasyroman, eine mit leichten Abstrichen spannende Geschichte – für ein Erstlingswerk wirklich gelungen und empfehlenswert. Fast ein bisschen schade, dass das Manuskript nicht bei einem großen Verlag gelandet ist. Erstens ist das Buch so nur als ebook in der Kindleedition erhältlich, zweitens hätte es mit entsprechender Unterstützung und noch ein bisschen Überarbeitung in meinen Augen durchaus das Zeug zum Bestseller. Aber besser so als gar nicht auf dem Markt. Jedem, der einen Kindle besitzt und Fantasy mag, kann ich “Rabenblut drängt” nur empfehlen. Das Buch bekommt von mir 4 von 5 möglichen Sternen
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