Ein paar meiner Kurzgeschichten möchte ich aus dem alten Autorenblog dann doch übernehmen.  Ich lese sie selbst hin und wieder gerne. Es werden vorwiegend die DWGs – die 3-Wort-Geschichten – aus der Schule des Schreibens sein. Das sind Geschichten, in die drei vorgegebene Begriffe für eine Person, einen Gegenstand und einen Ort integriert werden müssen. Außerdem sollten sie möglichst weder viel länger noch viel kürzer als 2.400 Zeichen lang sein.

Auch einige meiner Aufgabentexte aus den Studienheften werde ich hier einstellen. Und wenn mich mal die Muse ganz unverhofft küssen sollte, vielleicht auch noch weitere Geschichten.

Es wird für jeweils zwei Geschichten – sofern sie nicht besonders lang oder kurz ausfallen – eine Seite geben.

Das ewige Leben

 

Wulli hatte seine Leichtlaufrollen ausgefahren und rollte mit einer geradezu atemberaubenden Geschwindigkeit durch die riesige Raumstation. Wulli mit den vier kurzen Beinen und den schlauen Schweinsäuglein war Hausmeister auf dem Planeten K7-beta, Abschnitt 3. Menschen des letzten Jahrtausends hätten ihn vermutlich etwas abschätzig als Hausschwein bezeichnet. Aber die Zeit der Menschen war im Jahr 3578 längst vorbei. Intelligentere Lebewesen hatten sich entwickelt, hatten den Planeten Erde nach dem letzten atomaren Schlagabtausch zwischen den USA und Nordkorea hinter sich gelassen. Wulli war eines dieser Wesen und er kannte diese verrückten Zweibeiner nur noch aus alten Überlieferungen. Wulli gehörte zu den Hamb^ugui und es war ihm eher unangenehm, dass seine Gene denen der früheren Menschen ähnlich waren. Vor allem, wenn sich alle Bewohner von K7-beta, Abschnitte 2 bis 5 zum einmal jährlich vorgeschriebenen Geschichtsunterricht trafen. Dann dozierte der leicht arrogante Karim-khan über den Planeten Erde, der als längst untergegangen galt. Karim-khan gehörte zum Elitesektor im Abschnitt 1, und Wulli musste ihm ständig Brille und Brillenputztücher hinterhertragen. Niemand der Hamb^ugui verstand diese Marotte mit der Brille, einem antiken Relikt aus der planetaren Steinzeit. Aber Karim-khan war unantastbar, niemand machte Witze über ihn. Er war auch kein echter Hamb^ugui, er war irgendwie … menschenähnlich? Wann immer er einen der Hamb^ugui  fixierte, pflegte er nach Wulli zu rufen:  „Wullraff-san, mein Brillenputztuch!“ Und je länger er die Gläser seiner Brille polierte, um so sicherer konnte man sein, dass der so Fixierte in den nächsten vierundzwanzig Stunden verschwinden würde. Es war gruselig.

Soeben hatte man im Elitesektor 1 nach Wulli verlangt. Das kam selten genug vor, und Wulli war sich nie sicher, was es zu bedeuten hatte. Vorsichtshalber hatte er eine Vorratspackung allerfeinster Brillenputztücher eingesteckt. Als er endlich am Allerheiligsten angekommen war, stand dort die Tür sperrangelweit offen und Karim-khan starrte in den hellerleuchtete Weltraum hinaus.
„Wullraff-san, mein  Brillenputztuch“, rief er fast andächtig. „Da draußen! Siehst du ihn? Endlich!“

Ein merkwürdig fremdes Raumschiff hatte angedockt. Es erinnerte Wulli an die Bilder dieser Flugobjekte, die vor vielen Jahrhunderten von den Menschen benutzt worden waren.

Wulli sah einen Zweibeiner in goldglänzendem Raumanzug auf die Station zukommen.  Er traute seinen Augen nicht. Eben nahm der Bursche seinen  Helm ab. Er kannte ihn. Diese seltsamen goldblonden Flusenhaare, dieses Mündchen im feisten Gesicht … Sollte wirklich ER von Allen überlebt haben?

Vorgabe: Hausmeister, Raumstation, Brillenputztuch ca. 2400 Zeichen

Heimlichkeiten

 

Aus der geschlossenen Garage dröhnte laute HipHop Musik. Entnervt riss Konrad das Tor nach oben: „Ruhe verdammt noch mal. Hast du überhaupt schon Hausaufgaben gemacht?“ Sascha, der mit einem Salto rückwärts aus dem Stand vor seinem Vater landete, drückte beleidigt auf den Knopf des alten. Ghetto Blasters.

„Was’n los? Schlechten Tag gehabt?“
Konrad lief rot an. Sascha hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Gespräch mit dem Abteilungsleiter war ausgesprochen schlecht gelaufen. Doch bevor er explodieren konnte, lenkte Sascha ein.
„Sorry, Papa. Ja, Hausaufgaben sind fertig. Und ich wollte halt bloß noch ein bisschen für die Show am Samstagabend üben.“ Der Fünfzehnjährige kannte die drängenden Geldsorgen der Familie. Sie waren seit Wochen Thema.

Konrad bekam ein schlechtes Gewissen. Richtig – das Schulfest stand vor der Tür. Er hatte es glatt vergessen. Seine Frau hatte in höchsten Tönen davon geschwärmt.
„Du hättest deinen Sohn mal sehen sollen, Schatz. Das ist der geborene Stuntman.“

„Setz ihm bloß keine Flausen in den Kopf. Wir schicken unsere Kinder nicht aufs Gymnasium, damit sie hinterher für ein paar Kröten Hals und Kopf riskieren.“ Aber eigentlich war Konrad stolz auf seinen Sohn. Sascha war in Ordnung. Er würde sein Weg schon gehen. Vermutlich besser als er selbst.
„Es gibt gleich Abendessen. Geh schon mal rein. Ich  – hab noch was im Auto vergessen.“

Konrad fühlte den Lottoschein in seiner Hosentasche. Seit einiger Zeit spielte er regelmäßig, obwohl er nicht daran glaubte, dass ausgerechnet er mal Glück haben könnte. Sabrina durfte nichts davon wissen. Für sie wäre das rausgeworfenes Geld. Das Wasserhäuschen war gleich um die Ecke, der Schein seit dem Abend zuvor ausgefüllt. Er musste ihn nur abgeben und bezahlen.

Die Show war ein voller Erfolg. Das Publikum applaudierte und pfiff frenetisch Beifall, als sich die Jungs am Ende artig verbeugten.

„Geil“, brüllte Emily, Saschas kleine Schwester in die Menge.
„Besser als die Flying Steps“. Auch Sabrina war hellauf begeistert. Sie umarmte Konrad. „Na, nun sag schon auch mal was.“

„Gut, richtig gut.“ Er wollte nach Hause, Nachrichten sehen und die Ziehung der Lottozahlen. Eine Stunde später machte sich Ernüchterung breit – nichts.
„Nein“! Sabrina hatte neben ihm auf der Couch gesessen.
„Was ist denn los?“
Seine Frau hatte hektische rote Flecken im Gesicht.
„Ich – warte mal. Ich brauch meine Handtasche.“ Gleich darauf wedelte sie mit einem Stück Papier vor seinem Gesicht herum.
„Ich wollte es dir eigentlich schon immer beichten, Schatz. Ich habe heimlich Lotto gespielt. Und nun schau mal: 5, 9, 14, 25, 36, 42 … Konrad, wir haben sechs Richtige.“

Vorgabe: Garage, Stuntman, Lottoschein – ca. 2400 Zeichen

KG2

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