Elke Zedlitz hat noch einmal ihr Schreibprojekt “Damals & Heute” reaktiviert. Wie im vergangenen Jahr heißt das erste Thema “Auto & Verkehr – Damals und heute“. Ich habe meinen damaligen Beitrag nochmal vorgekramt und mit dem heutigen Datum versehen. Vielleicht fällt mir in den nächsten Tagen aber auch noch was Neues dazu ein.

Ich seh gerade: Es fehlen Fotos. Das einzige von 2008 ist mit der Auflösung meines alten Fotoblogs verschwunden. Da muss ich mir was einfallen lassen.

Auto & Verkehr – Damals und heute

(überarbeitet und mit neuen Fotos versehen)

An die ersten zwei Jahre meines Lebens kann ich mich sowieso nicht mehr erinnern, aber ab 1955 wohnte ich wieder in meinem (Groß-)Elternhaus im Heimchenweg. Der Heimchenweg war damals schon eine lange Straße, aber Verkehr gab es wenig. Auch fehlten praktisch noch alle Nebenstraßen, die heute vom Heimchenweg nach Westen und Osten abzweigen. Die ersten Autos, an die ich mich erinnere, fuhren eher durch Höchst, über die Leunastraße zum Beispiel. Und ich erinnere mich an VW Käfer, die mit dem Brötchenfenster, und an dreirädrige Isettas. Die hießen bei uns nur “Chausseefloh” – ausgesprochen: Schossee-Floh. Die Höchster hatten ihre eigene Aussprache des Französischen! Der Milchmann kam zunächst noch mit dem Pferdefuhrwerk, der Schrott- und Altpapiersammler ebenfalls. Als ich in die Schule kam, tauchten dann auch hier langsam Autos auf (in der Innenstadt von Frankfurt gab es die natürlich schon lange. Aber da kam ich nicht hin und meine Eltern besaßen nie ein Auto.) Aber sehr lange ging es bei uns noch ausgesprochen ruhig zu. Dabei gab es ganz in der Nähe die lange Zeit größte Autobahntankstelle Europas überhaupt, den Auto-Engel. Die Tankstelle stand mitten auf der Königsteiner Straße, am Ortsausgang in den Taunus. Als später die A 66 von Frankfurt nach Wiesbaden gebaut wurde und der Verkehr stärker wurde, musste Auto-Engel dort weg und bekam eine neue Bleibe an der Autobahn selbst. — Der Verkehr nahm unaufhaltsam zu. Als Schulmädchen litt ich darunter, dass meine Familie nie ein Auto besaß. Und zum Abi war es in den besser gestellten Familien durchaus schon üblich, dass meine Klassenkameradinnen ein Auto geschenkt bekamen. Wenig später kaufte ich mir dann als Studentin mein erstes eigenes Auto – einen alten roten Fiat 500 für 800,- DM. Es war ein Notkauf sozusagen, denn in der Minirockära wurde man als junge Frau ständig in den Straßenbahnen angemacht, betatscht, belästigt. Sonst hätte ich mein mühsam Erspartes nie in ein Auto gesteckt. Aber ich musste täglich von der Uni in Bockenheim rüber zur Klinik nach Sachsenhausen und zwar mitten durch’s Bahnhofsviertel und das war ein einziges Spießrutenlaufen.

Fotos von den Lufthansa Klassikertagen 2008 in Hattersheim

isetta*

fiatrot*

2CV*

kaefernormal*

kaefercabrioWer unter meinen Kommilitonen auf sich hielt – und meistens bereits aus einer Arztfamilie stammte -
fuhr im Käfercabrio vor, trug Lodenmantel, Accessoirs von Aigner
und bedauerte es vermutlich zutiefst, dass er/sie nicht in München studieren konnte.

*

Alles Geschichte. Heute ist der Heimchenweg zugeparkt ohne Ende. Obwohl – es ist immer noch besser als in den Siebzigern schon in der Innenstadt oder in angesagten Wohngebieten. Mein Mann und ich hatten Ende der Siebziger eine kleine Wohnung im Frankfurter Westend. Dort habe ich die einzigen Strafzettel meines Lebens für falsches Parken bekommen. Es ging kaum anders. Wer abends nicht seinen angestammten Parkplatz hatte, der hatte ein echtes Problem. Morgens kam es dann zu einem Wechsel, aber wehe man kam während des Tages mal notgedrungen nach Hause. Da blieben einfach nur die “Verzweifelungsparkplätze” im Halteverbot übrig. Kein Mensch, der dort wohnte, störte sich daran, nur die Polizei. Nun ja – einparken kann ich jedenfalls gut.

Mein Erstgeborener ist übrigens ein absoluter Autonarr. Ich behaupte immer, dass er mit Rädern statt mit Füßen auf die Welt kam. Er konnte kaum Papa und Mama sagen, da lief er schon den Heimchenweg an meiner Hand hoch und runter – oder fuhr er bereits BobbyCar? – und nannte mir sämtliche Automarken. Wo andere Kinder noch sagten: Guck mal ein rotes Auto, hieß das bei ihm: Guck mal das ist ein Ford Taunus oder so ähnlich. Wo der Knabe fahren konnte, da fuhr er  – wen wundert es, dass er heute glücklich im Autohandel tätig ist ;-)

Ich selbst fahre inzwischen seit fast vierzehn (14) Jahren einen grünen Mazda 323 und ich liebe dieses Auto. Es hat mich auch noch nie im Stich gelassen. Nach dem roten Fiat 500, von dem mich der TÜV sehr bald trennte, fuhr ich bis zum ersten Gehalt einen alten aber zuverlässigen VW Käfer. Dann gab es einen fabrikneuen Fiesta Sport – damals ein oberaffengei*es Auto, das ich erst gegen einen viertürigen Citroen tauschte, als ein Kinderwagenaufsatz hinein passen musste. Danach kam wieder ein roter Franzose (die Teile hielten nie sehr lange) und seitdem fahr ich den Mazda.

mazdaGenau so sieht er aus, es ist allerdings nicht meiner. So genial habe ich ihn noch nie fotografiert.

Das bis heute für mich tollste Auto, das ich fahren durfte, war allerdings ein echtes Yuppieauto aus den Siebzigern, dass mein GöGa damals fuhr: ein quietschgelber VW Porsche mit Mittelmotor und offenem Verdeck. Vor und nach diesem Spaßauto fuhr mein Angetrauter allerdings immer sehr solide Autos. Mal sehn, ob ich von dem VW Porsche noch ein Foto finde.

Mehr dazu hier

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9 Responses
  1. oh ja, die Isettas, die waren allerdings vor meiner Zeit.
    Und die Brötchenfenster hiessen bei uns Brezelfenster.
    Schöner Erinnerungen sind das und klasse Fotos!
    Gruss, Tine

  2. Elke sagt:

    @Pia: Vielen Dank liebe Pia, für diesen wunderbaren Kommentar.

  3. Pia-Marie sagt:

    Der Messerschmidt Kabinenroller wurde auch liebevoll ” Schneewitchensarg” genannt. Ich hab mal drinnen
    gesessen und weiß seitdem auch warum. Tief durchatmen konnte schon zum Problem werden*lacht*

    Einer meiner Onkel hatte vor mehr als 40 Jahren eine rote BMW Isetta und das dollste war der Klappstuhl den der Onkel als Fahrersitz umfunktioniert hatte. Das sah grandios aus wenn die Tür aufschwang. Der Onkel wog sicherlich an die 150 Kg, war nur klein und benötigte den Platz nur für sich allein. Ein zweiter Mitfahrer hätte eh keinen Platz gehabt. Die Ortspolizei hat es sicherlich gewusst, aber nie etwas dagegen unternommen. Stell dir nur mal vor Elke, du würdest heute so mit deinem Auto durch die Stadt düsen, die Polizei würde doch bei einer Kontrolle einen Anfall kriegen.

    Wir haben viele Jahre einen Goggo und einen Lloyd / Alexander gefahren. Wenn ich bedenke was wir damit alles transportiert haben, selbst eine lebende Gans wurde auf den Dachgepäckträger geschnallt. Sackweise Kartoffeln, Äpfel und Birnen wurde aus der Hannover Gegend von Oma´s Schwester geholt. Als ich das erste Mal mit einem BMW nach Wolfenbüttel zu meinem Patenonkel gefahren bin, war ich total überrascht wie kurz diese Strecke plötzlich war. Mit dem Goggo war es eine Halbtagesfahrt, mit dem BMW dauerte es nicht mal 1,5 Stunden.
    Im Winter sind wir mit Wärmflaschen und Decken losgefahren und meine Mutter musste während der Fahrt die Fahrerscheibe von Innen freikratzen.
    Aber irgendwie war alles gemütlicher als heute und selbst eine kurze Tour wurde zum Erlebnis. Heute wo man alle Entfernungen mit dem Flugzeug in Nullkomma-Nix überwinden kann, sind ja selbst Fernreisen nichts besonderes mehr und das Kleine, Besondere am Wegesrand geht in der ganzen Hetze und der Raserei ja sowieso verloren.
    Unsere Tochter hat die Liebhaberei der Oldtimer übrigens übernommen, die hat sich einen alten Käfer Cabrio gekauft den sie hegt und pflegt und mit dem sie an Oldtimerrallys teilnimmt.

    Danke für diesen netten Ausflug in die Erinnerung.
    Liebe Grüße
    Pia

  4. @Spini: Du meinst den Messerschmitt Kabinenroller? O ja, ich hatte im Studium einen Kommilitonen, der fuhr noch so ein Ding.

  5. spini sagt:

    nicht nur das goggomobil,
    kennt ihr auch diesen kapinnroller?
    fast wie ein tiefliegender roller,
    die zwei insassen saßen hinteeinander,
    das lenkrad war wie beim roller
    und das plexidach wurde von der seite hochgeschlagen,
    damit die leute aussteign konnten.

    mir fallen immer mehr dinge ein die mit dem thema
    “Auto & Verkehr – Damals und heute” zu tun haben
    und wo erst jetzt die erinnerung hochkommt.

    ich denke das ich um einen weiteren bericht nicht drumm wegkommen werde. *g*
    lieben gruß
    spini

  6. Elke sagt:

    @April: Hallo April, wie schön, dass du den Beitrag sogar schon entdeckt hast, bevor ich ihn unter ein aktuelles Datum gestellt habe. Danke für deinen Kommentar.

  7. april sagt:

    Ach ja, diese Isettas, da hab’ ich mich jetzt auch wieder dran erinnert. Und das Goggomobil w#re noch zu erwähnen.

  8. Elke sagt:

    Nein, Fussball interessiert mich weniger. Ich bin seit gestern total absorbiert vom neu entdeckten Schriftsteller-Forum:http://www.dsfo.de/

  9. Elke sagt:

    Hallo liebe Elke,
    ein großes Dankeschön für Deinen 1. Beitrag zu meinem Projekt “Damals & Heute” :-)
    Ich habe bereits die Themen- und Teilnehmerliste aktuallisiert.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntagabend (schaust Du auch Fussball?) und einen guten Start in die neue Woche!
    LG Elke Z.

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