[Der Anfang dieses Beitrages stammt aus einem anderen meiner Blogs, deshalb liest sich das vielleicht etwas seltsam.]
An sich wollte ich heute nichts mehr schreiben. Ein philosophischer Erguss pro Tag sollte reichen. Aber bei Ocean bin ich auf die Frage gestoßen, ob die Deutschen (und nicht nur sie) das Lesen verlernen. Am besten lest ihr euch mal bei Ocean durch, was sie geschrieben hat, meinen Kommentar dort und auch den Link zu ZEIT online. Zuviel verlangt? Seht ihr, genau das ist das Problem! Wer mir dennoch folgen möchte, lese bitte HIER weiter. Danke.
![]()
Wenn man auf der Seite ZEIT online auch die Kommentare liest, so findet man dort einen etwas polemischen Kommentar mit folgendem interessanten Satz (Zitat): An keiner Stelle findet sich auch nur eine Andeutung, dass die geringere Leselust mit Stress und Arbeitsbelastung zu tun haben könnte. (Zitat Ende)
Ich glaube nicht, dass geringere Leselust nur mit Stress und Arbeitsbelastung zu tun hat, aber dass das auch ein Grund ist. In erster Linie denke ich schon, dass der moderne Mensch zu bequem zum Lesen geworden ist. Denn Lesen bedeutet ja, dass man sich einem Gedankengang widmen muss, die Leistung des „verstehen wollens“ aufbringen muss. Da ist es doch leichter sich bunte Bilder anzugucken, zu denen jemand einen Text schwätzt, den man zudem noch überhören kann, wenn man möchte. Wenn man dann den Text aber doch verstanden hat, dann besteht die Gefahr, dass man darüber nachdenken könnte. Es könnten unbequeme Ideen auftauchen, Gedanken die uns zum Handeln auffordern.
Kann es sein, dass wir längst in einer Gesellschaft leben, in der Nachdenken und selbständiges Handeln nicht mehr erwünscht sind, in der Normen unser Leben so bestimmen, dass für persönliche Überzeugungen, für’s Diskutieren und Zweifeln gar kein Platz mehr ist?
Damit komme ich indirekt zurück zum Stress und der Arbeitsüberlastung. Menschen, die tagtäglich nur noch funktionieren, weil sie funktionieren müssen, denen bleibt tatsächlich weder die Zeit zum Lesen und Nachdenken noch vermutlich die Lust dazu. Vor ein paar Tagen sah ich im TV zufällig eine Sendung über Psychopharmaka und ihre Verbreitung in unserem Alltag. Diese Pillen wurden als legale Drogen bezeichnet und die Sendung hieß Doping für den Alltag oder Doping am Arbeitsplatz. Sowas in der Art. Dort wurde gezeigt, dass es heute fast schon normal ist, dass Menschen, die in unserer hektischen, uns überfordernden Arbeitswelt bestehen wollen, sich mit Pillen dopen, die im Grunde für psychisch Kranke gemacht sind. Dazu gehört z.B.das bekannte Rital*n, das in der Sendung als Kokain auf Rezept bezeichnet wurde aber auch viele andere rezeptpflichtige Medikamente. Ich war geschockt. Kranke Menschen, die diese Mediamente brauchen, lehnen sie oftmals ab, weil sie wissen, dass sie möglicherweise süchtig werden können. Und dann erfährt man, dass Tausende dieses Zeug schlucken, nur um in der Arbeitswelt konkurrenzfähig zu bleiben. Und keineswegs nur in der Arbeitswelt. Selbst unter Studenten ist es schon Usus und auch bei Schulkindern. Da hörte man Sätze wie: wenn ich die Pillen nehme, dann kann ich innerhalb kürzester Zeit den kompliziertesten Stoff aufnehmen (lernen), kann tage- und nächtelang für eine Prüfung durchmachen ohne müde zu werden. Aber ohne Pillen geht nichts mehr. Siehe auch hier: Wenn lernen nur noch . . .
Das ist doch Wahnsinn! Wollen wir das wirklich? Soll unser Leben sich so schwindelerregend weiter entwickeln, dass wir irgendwann nur noch Maschinen sind, deren Perfektion von der richtigen Pille abhängt? Mir graut es davor. Nicht mehr für mich, aber für meine Kinder und alle, die noch nach uns kommen.
Was denkt ihr darüber?
Und dann ist da noch die Sache mit dem Bloggen. Bei Ocean habe ich im Kommentar geschrieben, dass ich immer wieder feststelle, dass oftmals nur die meiner Beiträge Kommentare erhalten, die viele Fotos enthalten oder dass in Beiträgen mit Bildern in den Kommentaren oft nur Bezug auf diese genommen wird, aber nicht auf den dazu gehörigen Text. Das trifft vor allem immer wieder auf neue Leute zu, die einfach mal so in meinen Blog reingucken. Auch hier weiß ich, dass viele sagen: ich habe halt nicht soviel Zeit. Andererseits gibt es unter uns Bloggern so eine Art Wettbewerb “wer kriegt die meisten Kommentare”. Mal ehrlich – es ist doch so – oder? Oder??????? Und die meisten Kommentare kriegt natürlich der, der auch bei den Anderen kommentiert – logisch. Aber das heißt noch lange nicht, dass der, der viel kommentiert, auch wirklich liest und sich mit den Beiträgen auseinandersetzt, weil . . . wir eben eigentlich garnicht soviel Zeit haben. Ich bin heute mal wieder sehr nachdenklich geworden. Auch über den Sinn oder Unsinn des Bloggens denk ich mal wieder nach. Zumindest darüber, ob es für mich persönlich wichtig ist, viele Kommentare zu bekommen. Ich glaube, die Antwort heißt NEIN.
*lol* >>> Trotzdem interessiert mich hier natürlich eure Meinung zum Thema!


Guten Morgen, liebe Elke
hab Dank für den Hinweis zu deinem Eintrag hier. Du sprichst einiges an, was mir auch schon durch den Kopf gegangen ist .. unter anderem das Zeitproblem.
Ich würde – neben der mit Sicherheit auch mit ausschlaggebenden Streßproblematik – auch ein gewisses “Überangebot an Möglichkeiten” unserer modernen Zeit mit einbeziehen. Landläufig auch “Freizeitstreß” genannt *gg*
also .. man möchte ja schon lesen, man möchte surfen, selbst schreiben, gegenkommentieren, eine Sendung im TV sehen, malen, etwas basteln, sich mit Freunden und Familie zusammensetzen .. ähm, und wann das alles? irgendwas bleibt garantiert auf der Strecke.
Und hier greift dann evt. noch die Bequemlichkeit mit rein. Knopf drücken, die bunten Bilder und das Geschwätz – ist so viel bequemer, als sich wirklich mal in Ruhe hinzusetzen und sich einem längeren komplexen Text zu widmen – auch wenn man gerne möchte – aber die Zeit langt eben nicht für alles, was sich an reizvollen Möglichkeiten für die oft knapp bemessene Freizeit anbietet.
Prioritäten setzen ist das Stichwort. Wie Thea gemeint hat – wer wirklich lesen WILL, der schafft auch zumindest zwischenrein ein paar Seiten.
Das Problem von Streß und Druck, der bald nur noch mit Pillen zu bewältigen ist .. ich seh das auf jeden Fall auch. Es ist erschreckend, mit welcher Geschwindigkeit sich alles vorwärtsbewegt – und wir müssen “mitrasen”, oder werden überrollt – oder haben das Glück, uns ausklinken zu können und ein alternatives, ruhigeres Leben zu führen – aber das können eher weniger Leute.
Das ist es auch, was ich dann insgesamt mit meinem Ausdruck “Zuviel-Gefühl” meine. Ich hab noch relativ viel Glück, da ich meine Arbeit ohne Druck von oben erledigen kann, und mich frei fühle insgesamt .. nur eben so vieles auf einmal ansteht (so daß ich dann auch oft sage “keine Zeit zum Lesen” – warum? weil nachdem das “ich sollte” erledigt ist, ich einfach mal nur einen Krimi gucken oder ruhig vor mich hin häkeln und die Gedanken abschalten lassen will) -
aber wenn ich mir vorstelle, dass man ständig unter einem Anforderungsdruck steht im Beruf – dann womöglich noch Kinder daheim, und ein Mann, der diese Problematik nicht rafft ..nee, wie soll man da noch in der Lage und willens sein, sich komplexeren Texten zu widmen – freiwillig. Die innere Power fehlt dann halt oft ..
Kommentieren und Gegenkommentare – Wettbewerb – ich denke, in manchen Blog-Kreisen gibt’s den wirklich. Und mit Sicherheit – Kommentare v.a. bei vielen Gegenkommentaren. Aber ich hab bei unserem engeren Bloggerkreis zum Glück den Eindruck, daß die Blogger kommentieren, weil sie es gerne tun und nicht weil sie auf Gegenkommentare warten. Auf diese Art von Kommentiererei kann man irgendwo auch verzichten – sie ist hohl und oberflächlich, finde ich, und befriedigt nur den Aspekt der Eitelkeit.
So, nun muss ich aber weitermachen g* – wobei das wirklich ein sehr spannendes “Endlosthema” ist, das du hier beschreibst, liebe Elke.
Bis bald, und ganz liebe Grüsse an dich

Ocean
@ Brigitte, Thea & Helmut: Danke für eure Kommentare. Ja – manchmal denke ich auch, dass ich im Grunde eigentlich für mich selbst blogge, aber sicher trifft es das nicht hundertprozentig. Ich freu mich schon auch, wenn der Kram gelesen wird.
Liebe Elke
Ich habe früher sicher mehr gelesen, als ich dies in letzter Zeit tue. Sicherlich ist ein bisschen auch die fehlende Zeit nicht unschuldig, aber diese allein kanns ja nicht sein. Zeit fürs bloggen find ich schliesslich auch. Vielleicht liegts auch am Alter, Interessen verändern sich. Ich bin mir in meinem Fall gar nicht so wirklich sicher. Tatsache ist aber, ich bin nicht mehr die jüngste, und gelesen hab ich in meinem Leben schon sehr viel.
Bedenklich finde ich hingegen, wenn die jungen Leute heute nicht mehr lesen, und falls sie es doch tun, dann irgendwelche vereinfachten Texte. Schlimm. Kommt mir fast bisschen so vor, wie die Easy Readers, die ich zum Sprachen lernen immer so gerne gelesen hatte. Was bei Fremdsprachen eine wirklich gute Idee ist, gilt doch nicht für die Muttersprache.
Was du zu den Bildern im Blog schreibst, ja das sehe ich auch so. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob Texte ohne Bilder weniger gelesen werden, oder nur weniger kommentiert. Ich hab sehr häufig Bilder drin, manchmal um zu zeigen worüber ich geschreiben habe, manchmal auch einfach weils nett aussieht.
Findest du wirklich, dass da fast sowas wie ein Wettbewerb ausgebrochen ist? Je mehr Kommentare ein Blog hat, je besser ist er?
Ich freu mich natürlich über jeden Kommentar, klar. Man freut sich ja, dass gelesen wird, was man geschrieben hat, dass man ernst genommen wird … aber grad jetzt beim schreiben dieser Zeilen fällt mir auf, so ist es ja gar nicht. Wenn die Kommentare nur geschrieben werden, damit ich mich schnellstens auf die Socken mache, zum Gegenbesuch. Dann hat das herzlich wenig mit Interesse an meinem Blog zu tun. Allerdings denke ich auch, diejenigen Besucher kommen nicht sehr häufig vorbei, und die “Sache” verläuft sich eh im Sand. Und diejenigen, wo die Interessen passen, die bleiben und es können schöne Freundschaften entstehen. Und die anderen … naja so ist das Leben, nicht nur das Cyberleben.
Und jetzt bin ich total vom Thema abgekommen, einmal mehr … es ging doch eigentlich ums LESEN
Wünsch dir eine gute Nacht
Schlaf gut
Brigitte
Auch ich könnte ohne lesen nicht sein.Und die Ausrede, dass man ja keine Zeit mehr hat zum lesen, lasse ich auch nicht gelten. Wenn man Interesse an Büchern oder überhaupt an geschriebenem hat, findet sich immer mal eine Pause um ein paar Zeilen zu lesen.
Und das mit den Blogeinträgen habe ich auch festgestellt. Aber, ich blogge weil ich mich manchesmal mitteilen möchte, weil ich auch dadurch meine Heimatstadt ein wenig vorstellen kann, und weil es mir Spaß macht. Über Kommentare freue ich mich sehr. Besonders, wenn ich feststelle, dass mein jeweiliges Geschreibsel tatsächlich gelesen wurde. Aber, ich achte jetzt nicht darauf wieviele Kommentare ich bekomme.
Liebe Grüße
Thea
Lesen war für mich schon immer sehr wichtig. Meine Patentante schenkte mir Kinderbücher von Astrid Lindgren (Pippi Langstrumpf, später dann Karl May). Ich erinnere mich noch an einen Klassenlehrer, der wenn er das Klassenzimmer betrat sagte: “Helmut leg die Zeitung (er meinte meine Autozeitung). Gleich welche Stadt ich besuche, Zeit in einem Buchladen zu verbringen gehört für mich einfach dazu. Ich suche kein bestimmtes Buch, einfach nur schmöckern. Dann kann es schon passieren, daß ich “fündig” werde. Nicht nachvollziehen kann ich die Aussage “Ich habe keine Zeit zum Lesen”. Aber jeder wie er meint.
Zugegeben es stehen noch einige ungelesene Bücher in meinem Bücherregal (Böll und Coelho).
Doch irgendwann werde ich auch diese Bücher lesen. Wenn ich Kinder gehabt hätte, dann wäre es sicher mein Part gewesen ihnen die Liebe zum Lesen zu vermitteln. Natürlich ist es einfach die Kinder beim Kindermädchen Glotze abzugeben. TV Konsum kann durchaus sein – aber nicht ausschließlich.
Lieben Gruß
Helmut
P.S. Ich blogge für mich, weil ich Spaß daran habe meine Heimat ein wenig zu pushen. Natürlich freue ich mich über jeden Kommentar.