City 2010

Im kalten Januar kam wie schon im vergangenen Jahr die Idee auf mal, wieder in die City zu fahren. Meist ergibt es sich bei mir dann ganz spontan, wo ich lande. Diesmal parkte ich in der Nähe des Holbeinsteges. Von dort bin ich dann Richtung Dom spaziert. Als ich 2009 im Januar dort meine Schneefotos machte, dachte ich, dass diese Gelegenheit wohl so schnell nicht wiederkommen würde. Wie habe ich mich da geirrt.

Frankfurt hat viele Mainbrücken und der Holbeinsteg ist eine der jüngsten. Die elegante Hängebrücke mit den blauen Stahlpfeilern verbindet seit 1990 die Innenstadt mit dem Sachsenhäuser Museumsufer. Mein erstes Foto zeigt denn auch gleich die momentan aktuelle Botticelliausstellung im Städel. Auch heute stand wieder eine enorm lange Besucherschlange davor.

Steg und Städel

In der Nähe des Holbeinsteges steht auch wieder ein Denkmal der Industriekultur – wie sooft am Main ist es ein Kran, hier der Herkuleskran. Im Januar wurde er optisch etwas vom Luxusflusskreuzfahrtschiff  “Leonardo da Vinci” erschlagen. Der Herkuleskran stammt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts.

* * *

Im März habe ich mir mal das relative neue Westhafen-Quartier vorgenommen, das hat mich schon länger interessiert. Parken ist nicht ganz einfach, aber auch ein längerer Fußmarsch lohnt sich durchaus.

westhafen1

“Wohnen am Fluß” heißt seit einigen Jahren wieder die Devise in Frankfurt. Man besinnt sich darauf, dass so ein großer Fluß doch auch Lebensqualität bedeutet, dass dort immer etwas los ist . . .ja, dass es eben etwas Besonderes ist. Seitdem der Main wieder relativ sauber ist, der Fischbestand wieder zunimmt und man dort theoretisch sogar wieder baden könnte, sehen die Menschen ihn auch wieder mit anderen Augen. Der Westhafen in Frankfurt ist ein ehemaliger Binnenhafen auf dem rechten Mainufer (flußabwärts). Er besteht aus einem 560 Meter langen und 75 Meter breiten Hafenbecken, das durch eine Mole vom Main getrennt ist. Erst in den 90ziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstand hier ein modernes Stadtquartier mit Yachthafen. Gegenüber auf der Niederräder Seite liegt übrigens das Uniklinikum, wie ich heute verblüfft festgestellt habe. Als ich dort in den 70zigern studierte, sah das alles noch völlig anders aus.

Klinikum FrankfurtAuf der anderen Mainseite – Das Universitätsklinikum am Schaumainkai

Das zylindrische Hochhaus ist Teil des neuen Stadtquartiers auf dem Gebiet des ehemaligen Westhafens. Von den Frankfurtern wurde der Westhafen Tower bereits “das Gerippte” bzw. “Äppelwoi-Turm” genannt, da die Glasfassade einem Apfelweinglas ähnelt. Doch vielmehr sollen die 3.500 Glasdreiecke durch unterschiedliche Lichtreflexionen Bezüge zum Element Wasser herstellen. — Im Yachthafen habe ich mehrere Kormorane entdeckt und natürlich jede Menge Möwen. Die Kormorane lassen sich gut unterscheiden, es scheinen Vögel verschiedenen Altes zu sein, vielleicht ist eines auch ein Weibchen. Da der Kormoran der Vogel des Jahres 2010 ist und ich in diesem Winter an der Nidda praktisch kaum einen entdecken konnte, hat mich das heute umso mehr gefreut.


Schon lange fasziniert mich der Blick auf den Hochhausturm im Manhattan Art Deco Stil, den man von vielen Stellen Frankfurts aus sehen kann. Er befindet sich am Deutschherrnufer, auf der Sachsenhäuser – fast schon Oberräder – Seite des Mains. Ende März bin ich bei sonnigem Wetter losgefahren. Leider hat sich gerade dann der Himmel zugezogen, aber es blieb erstmal trocken.

Schuhe im Baum haben in Frankfurt irgendwie Tradition

Die Deutschherrnbrücke

Die Deutschherrnbrücke ist eine zweigleisige Eisenbahnbrücke über den Main. Sie entstand zwischen 1911 bis 1913 und verbindet das Frankfurter Ostend (Osthafen) mit dem Deutschherrnufer in Sachsenhausen. Nichts erinnert heute mehr an das alte Schlachthofviertel, wenn man heute dort am Mainkai spazieren geht. Nichts – außer einem kleinen Denkmal dem Frankfurter Wappenstein der ehemaligen Viehhofbörse – 1882 erbaut und 1995 dem Erdboden gleich gemacht.

Wappenstein der Viehhofbörse

Ende des letzten Jahrhunderts entstand zum ersten Mal die Idee “Wohnen am Fluß” in Frankfurt wieder populär zu machen. Dazu musste der noch relativ neue Schlachthof abgerissen werden, der allerdings aus verschiedenen Gründen nicht mehr benötigt wurde. Es gab viel böses Blut, aber letztendlich wurde die Idee durchgesetzt. Vom Museumsufer am Main entlang kommend, fällt zuerst der bereits erwähnte Turm des “Main Plaza” auf. Er trägt eine dunkelrote Steinfassade und goldene Spitzen und erinnert an amerikanische Hochhäuser der 1920er Jahre.

Main Plaza Turm (88m)

Mit einer Höhe von 88m ist der Main Plaza Turm für Frankfurter Verhältnis gar nicht mal so sehr groß. Einige Frankfurter Hochhäuser liegen zwischen 200 und 250m Höhe. Sogar der Turm des Frankfurter Kaiserdoms ist höher (95m) – aber da wohnt auch keiner drin. Das Main Plaza enthält Wohnungen, Büros, Cafés und Restaurants. Für das Foto stehe ich auf dem Walther-von-Cronberg-Platz, der von einem gigantischen Springbrunnen dominiert wird. Das Phantastische an diesem Brunnen sind die unterschiedlichen Fontänen, die sich ständig abwechseln.

Unten am Main entstand eine schöne Grünlage, wo ich außer dem Wappenstein auch noch eine weitere Skulptur entdeckt habe, die beim gegenwärtigen Wetter aber leider ziemlich verdreckt ist – sie liegt halt flach auf dem Boden.

Metamorphose (Teilstück)

Anlässlich des Osterspaziergang (nach Goethe)1999 in Frankfurt am Main stifteten Bauherrn des gerade neubebauten Areals am ehemaligen Schlachthof die neugeschaffene Steinskulptur “Metamorphose” des Bildhauers Herbert Deiss.

Die Skulptur ist in einem leichten Bogen geschwungen und besteht aus elf verschiedenen Steinen. Die eingravierte Inschrift verläuft über die gesamte Länge und lautet:

WIE MAN DIE KÖNIGE VERLETZT,

WIRD DER GRANIT AUCH ABGESETZT,

UND GNEISS, DER SOHN IST NUN PAPA!

AUCH DESSEN UNTERGANG IST NAH:

DENN PLUTOS GABEL DROHET SCHON

DEM URGRUND REVOLUTION,

BASALT DER SCHWARZE TEUFELSMOHR

AUS TIEFSTER HÖLLE HERVOR

ZERSPALTET FELS, GESTEIN UND ERDEN,

OMEGA MUSS ZUM ALPHA WERDEN.

UND SO WÄRE DENN DIE LIEBE WELT

GEOGNOSTISCH AUF DEN KOPF GESTELLT.

Dieses Kunstwerk nimmt Bezug auf die Auseinandersetzung Goethes mit dem Neptunismus, der behauptete, die Gesteins- und Gebirgsbildung ginge auf ein Urmeer zurück. Ausgangspunkt ist Goethes Schema zur Substanzentwicklung bei der Gesteinsbildung, das sich auch in der zweiten (“klassischen”) Walpurgisnacht des Faust II findet. Der ironische Kommentar Goethes aus den “Zahmen Xenien”, der als gemeißeltes Schriftband die Skulptur durchläuft, enthält auch ein Stück Wissensgeschichte (Quelle: Kunst im öffentlichen Raum und Text auf einer Metallplatte im Rasen).

Das Viertel ist außerdem mit Wohnblocks bebaut, die ein bisschen aussehen wie die Häuser im Westhafen und mit anderen Gebäuden, die eine sehr moderne Architektur haben, die mich nicht anspricht. Das Triangelgebäude besitzt z. B. einen Innenhof – vermutlich Lichthof genannt – den ich fast zum Fürchten finde.

Blick Richtung Westen (City, Skyline)