Höchst
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Höchst ist entschieden ein Sonderfall
Obwohl es nun auch schon lange ein Stadtteil von Frankfurt ist (Eingemeindung 1928), so sind die “alten” Höchster niemals Frankfurter sondern zumindest gefühlt – immer noch Höchster. Im Jahre 790 wurde Höchst zum erstenmal als “Hostat” urkundlich erwähnt, 1355 verlieh Kaiser Karl IV. Höchst die Stadtrechte. Das Wappen zeigt das Mainzer Rad auf rotem Grund.
Höchst war viele Jahrzehnte lang ein Begriff durch den Chemiekonzern Hoechst AG oder früher Farbwerke Hoechst. Heute gehört dieser Konzern zu anderen Gruppierungen. Ich will mich namentlich gar nicht festlegen, denn wer weiß, ob nicht bald schon wieder ein anderer Name als Sanofi-Aventis aktuell ist. Das Gelände der früheren Hoechst AG nennt sich inzwischen Industriepark und der befürchtete komplette Untergang des Stadtteils ist ausgeblieben. Dennoch gingen zunächst viele Arbeitsplätze verloren. Auch die früher üblichen Invesitionen der Hoechst AG zu Gunsten ihrer Mitarbeiter, von denen der Stadtteil sehr profitierte, sind Geschichte.
Inzwischen – so scheint es zumindest – ist Frankfurts Interesse an Höchst erneut erwacht. Man besinnt sich und versucht in Höchst und seine schönen Seiten zu investieren. Das gelingt mal mehr mal weniger gut, aber zumindest die in den letzten Jahren aufgefrischte Mainuferpromenade, ist ein voller Erfolg. Höchst grenzt südlich direkt an den Main und ist dort noch von einer wunderbaren alten Stadtmauer umgeben, die lange Zeit so zugewachsen war, dass man sie kaum noch erkennen konnte. Wenn man nun dort unten am Main flaniert, versteht man auch, warum Höchst seinen Namen als “Hohe Stadt am Main” bekommen hat.

Seit kurzem ist die lang ersehnte Anbindung der Leunabrücke (jahrelang “Sodabrücke” genannt, weil sie einfach nur so da stand) an die Autobahnen auf der Schwanheimer Seite erfolgt. Wenn man unterhalb dieser Brücke den Spaziergang beginnt, entdeckt man zunächst ein Denkmal der Industriekultur, einen großen Kran. Unterhalb wurde ein Platz für Scater angelegt und kurz darauf kommen wir zum ersten “Beachclub” des Stadtteils > Die Schiffsmeldestelle (hat auch eine attraktive Homepage). Bei schönem Wetter sind die Liegestühle mit Blick auf den Main sehr begehrt. Hier fällt der Blick auf den Ochsenturm in der Stadtmauer, deren schönster Teil hier beginnt. Links geht der Blick nun gerne nach oben, wo die Altstadt thront und der helle schlanke Turm des Alten Höchster Schlosses empor ragt. Würde man am Ochsenturm durch den Brüningpark nach oben zur Bolongarostraße laufen, käme man an der Mauer des Neuen Schlosses vorbei. Rechts wird der Blick immer wieder zum Main gelenkt bzw. zum gegenüber liegenden Schwanheimer Ufer. Eine Fähre verbindet seit 1623 beide Seiten. Es ist dies übrigens die einzige Frankfurter Fähre über den Main! Zwischen die neuesten Fotos (Juli 2009) eingestreut einige Bilder vom Januar 2008. Es sind Aufnahmen vom Höchster Panorama, die ich von der Schwanheimer Seite aus gemacht habe. Der große Vorteil: im Winter hat man einen fast ungehinderten Blick von “Dribbdebach” nach Höchst rüber. “Dribbdebach” wird auf der Schwanheimer Seite erklärt
Am Ostende der Höchster Flaniermeile befindet sich der Bolongaropalast. Es handelt sich um einen barocken dreiflügeligen Palastbau, der 1772 – 1774 für die italienischen Schnupftabakfabrikanten Josef Maria und Jacob Philipp Bolongaro errichtet wurde. Heute befinden sich dort Ämter wie das Höchster Einwohnermeldeamt, das Standesamt und Prunksäle. Über eine Renovierung und neue Nutzung wird zur Zeit (Sommer 2009) heiß diskutiert. Der Bolongaropalast besitzt einen großen barocken Garten, der sich in zwei Terrassen zum Main hin öffnet und für jedermann zugänglich ist. Im unteren Bereich befinden sich zum barocken Ensemble gehörende Gartenpavillons. Im Sommer finden hier Theateraufführungen statt.
Eingefügt habe ich ebenfalls Bilder vom Schlossfest 2008 (Abschlussfeuerwerk) – alle Fotos von der Leunabrücke und aus der Hand fotografiert. Ich fotografiere grundsätzlich ohne Stativ. Das macht das Hobby spontaner, wenn auch nicht unbedingt professioneller.
Seit einiger Zeit gibt es sehr amüsante “Historische Stadtrundgänge” durch die Höchster Altstadt, durchgeführt vom “Bären-Schorsch” und Gudula dem Schloßgespenst, verkörpert von Silke Wustmann und Mario Gesiarz vom Frankfurter Mundart-Theater Rezi*Babbel*. Am 29.August 2009 habe ich an einem dieser Spaziergänge teilgenommen und in meinem Blog darüber berichtet. Hier nun einige Fotos:
Obwohl sich schon viel getan hat, gibt es nach wie vor eine ganze Menge Schandflecken, die vielerlei Ursachen haben. Außerordentlich unschön präsentiert sich, soweit ich zurückdenken kann, der Bereich zwischen dem Stadtteilende Richtung Nied (Zuckschwerdstraße), der Ludwig Scribastraße, der Kasinostraße und der Königsteiner Straße im Bereich der Fussgängerzone. In diesem Bereich liegt der Andreasplatz, der wohl als PLATZ schon lange nicht mehr wahrgenommen wurde. Hier vergammeln viele alte Häuser, andererseits gibt es Baulücken, hässlich Hingeklatschtes, hier war viel zu viel Autoverkehr in engen Straßen und alles in allem ist dort außerdem ein Klein-Istanbul entstanden. Letzteres sollte man nicht nur beklagen sondern sich darüber Gedanken machen, warum nur noch Menschen mit geringeren Ansprüchen ans Wohnen hier bleiben.
Im Moment (2010) ist dort alles aufgerissen, der Andreasplatz soll ein modernes, attraktives Gesicht erhalten. Und irgendwo hofft man auch immer noch, dass man den Autoverkehr in Zukunft irgendwie besser in den Griff bekommt. In der Emmerich Josef-Straße ist grad das Chaos ausgebrochen und genau dort sitzt mein Lieblingsoptiker, den ich heute aufsuchen musste. Also Auto stehen lassen und zu Fuß gehn. Und das war gut so. Plötzlich sind mir alle möglichen Fassaden mit Schmuckelementen aufgefallen, die ich vorher noch nie beachtet hatte. Es wäre schön, wenn einige dieser Häuser anschließend von den Eigentümern auch wieder auf Vordermann gebracht würden. Ein Problem ist sicher, dass die jetzt vorhandenen Häuser ohne Blick auf eine einheitliche Bebauung zusammen gewürfelt sind. Ob und wann das jemals wieder hinzubekommen sein wird, wage ich nicht zu prognostizieren.
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