Unterliederbach
Unterliederbach ist der nordwestlichste Stadtteil Frankfurts und der Stadtteil, in dem ich selbst aufgewachsen bin und lebe. 1917 wurde Unterliederbach nach Höchst am Main eingemeindet, 1928 gemeinsam mit Höchst nach Frankfurt am Main. Unterliederbach hat sich in den vergangenen hundert Jahren ständig vergrößert und verändert. Zunächst verschmolz der alte Dorfkern durch die Entwicklung der Liederbacher Straße und des Heimchenwegs (früher Steinweg) mit dem Stadtteil Höchst. Die Entwicklung des Ortes wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts stark durch die Farbwerke Höchst (später Hoechst AG) beeinflusst. Ab 1891 entstanden die Arbeitersiedlungen Engelsruhe im Osten und “Das Heimchen” im Süden. Zwischen dem “Heimchen” und dem alten Unterliederbach entstand weiterhin das Gebiet, das als Vogelviertel bekannt ist, in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts außerdem zwischen dem Heimchenweg und der Bahnlinie in den Taunus weitere Wohngebiete. Nach Osten hat sich hat sich der Stadtteil auch stetig vergrößert. Die größten Veränderungen gab es dort noch einmal in den letzten 15 Jahren, nachdem die amerikanische McNair Kaserne 1992 aufgegeben wurde und wiederum ein völlig neues Wohngebiet entstanden ist. Die größte Bausünde aber war und ist die angefangene und nie fertiggestellte Siedlung “Parkstadt” westlich der Bahnlinie. Es handelt sich dabei um das letzte Wohnungsbauprojekt der früheren Hoechst AG kurz vor ihrem Verkauf an Aventis.

Die folgende Galerie enthält Fotos von einem Spaziergang durch den alten Kern Unterliederbachs, beginnend mit der alten Bürgermeisterei und der großen “Wohnscheune” in der Wartburgstraße. Wir gehen weiter durch den Graubnerpark mit Herrenhaus, betrachten die alte Dorfkirche einschließlich der ältesten nachgewiesenen Gräber, kehren im Gasthof “Zum Goldenen Löwen” ein und schauen uns alte Fachwerkhäuser an. Weiter geht es am Liederbach entlang unter der A 66 durch zur Kneiselsmühle. An ihr vorbei könnten wir den Spaziergang nun durch die Felder nach (Ober-)liederbach lenken, gehen aber am alten Friedhof vorbei Richtung Main Taunus (Einkaufs-) Zentrum. Dort überqueren wir die B8, laufen erneut unter der A 66 zurück durch die Hans Böckler Staße zum Liederbach. Der Liederbach führt uns nun auf der Rückseite der Häuser an der Liederbacher Staße auf verwunschenen Pfaden zurück zu unserem Ausgangspunkt. Dabei entdecken wir noch den alten Gasthof “Zur Krone” mit einer wunderbar geschnitzten Holztür (Weintrauben, Äpfel, Hopfen usw.). Doch niemand, denn ich bisher angesprochen hatte, konnte mir etwas zu diesem Gasthof sagen. Heute befinden sich darin ausschließlich Wohnungen. Auf der östlichen Seite des Liederbachs – südlich der Wasgaustraße – wird zur Zeit (Juli 2009) eine seit langem stillgelegte ehemalige Lederfabrik (Graubner & Scholl 1888 – 1911) abgerissen. Hier soll eine Wohnanlage für betreutes Wohnen entstehen. Die Fabrikgebäude mit ihren Schornsteinen prägten für lange Zeit das Ortsbild.
Im Westen grenzt Unterliederbach etwa in Höhe der Jahrhunderthalle an den Stadtteil Zeilsheim, im Norden an der A 66 an den Main Taunus Kreis mit dem Nachbarort (Ober-)Liederbach. Beide leiten ihre Namen ab vom “Liederbach”, der im Taunus entspringt und in Höchst in den Main mündet. Die Bezeichnung wurde zum ersten Mal um 800 in einer Schenkung an die Gaugrafen von Nürings als “Liderbach” oder “Leoderbach” erwähnt wird. Das Dorf selbst wurde aber bereits um 550 gegründet.
Im Süden geht Unterliederbach nahtlos in den Stadtteil Höchst über. Für mich ist vom Gefühl her die Bahnlinie eine deutliche Grenze, aber das stimmt nicht ganz. Die wirkliche Gemarkungsgrenze verläuft teilweise schon früher in Höhe der Seebachstraße, ist aber nicht mehr zu erkennen. Man könnte sich also fragen, ob denn das “Heimchen” überhaupt noch zu Unterliederbach gehört oder bereits zu Höchst. Das Gleiche gilt für die Flächen des Höchster Tennis- und Hockeyclubs. Im Osten verschmilzt Unterliederbach ebenso nahtlos mit Höchst und Sossenheim, etwa auf der Höhe des Friedhofs und dem neuen “Lindenviertel” (früher McNair Kaserne, noch früher Höchster Oberfeld). Dort im Höchster Oberfeld plante die damals noch selbständige Stadt Höchst am Main zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen neuen Stadtteil mit Schule und Volkshaus als Zentrum. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Stadt dort aber zunächst die französische Besatzungsmacht mit ca. 3500 Soldaten unterbringen. Später übernahmen die Nazis die bereits bestehenden Gebäude und nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich die Amerikaner. Auch die Währungsreform von 1948 unter Ludwig Ehrhard wurde hier in die Wege geleitet. So kann’s gehen. Ganze hundert Jahre hat es gedauert, bis schließlich dieses neue Wohngebiet doch noch entstanden ist. Obgleich das Lindenviertel schätzungsweise in großen Teilen zu Höchst gehört – zumindest das Areal der McNair Kaserne, möchte ich hier ein paar Bilder einfügen. Über das Mitscherlichhaus bzw. über Alexander und Margarete Mitscherlich bitte im Internet recherchieren.
Diese Galerie zeigt zunächst Fotos aus meiner unmittelbaren Umgebung, dem Heimchenweg und dem Vogelviertel. Der Heimchenweg hieß vor der Eingemeindung der Stadt Höchst nach Frankfurt noch Steinweg, wurde dann aber umbenannt, weil es in der Innenstadt bereits einen Steinweg gab. Wer in unserem Viertel wohnt, kann bei der Bearbeitung seines Gartens den alten Namen leicht nachvollziehen: Steine, nichts als Steine in lehmiger Erde. Kein Wunder, denn hier verliefen in vergangenen Jahrhunderten zwei Seitenarme des Liederbachs. Alte Gemarkungsnamen sind denn auch: die Bach, die alte Bach, Seebach usw. Der Heimchenweg hat seinen Namen nicht etwa vom gleichnamigen Insekt, sondern von der 1889 erbauten und auf der Weltausstellung in Paris preisgekrönten Arbeitersiedlung “Das Heimchen”, das die Farbwerke Hoechst (später Hoechst AG) für ihre Arbeiter erbaute (siehe auch oben). Diese Siedlung befand sich von Höchst aus gesehen hinter der Bahnlinie nach Norden, also in Richtung Unterliederbach. Der Weg zwischen dem Arbeiterheim und dem alten Unterliederbach wurde im 20. Jahrhundert nach und nach zur bebauten Straße. Mein Elternhaus (Heimchenweg 20) wurde von meinem Großvater 1927 erbaut – rundherum freies Feld! Mitte der 60ziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde das “Heimchen” bis auf ein Haus abgerissen und durch “moderne” Flachdachbungalows dem Zeitgeschmack entsprechend ersetzt. Inzwischen haben einige dieser Häuser wenigsten wieder Giebeldächer bekommen. Im Anschluß an das “Heimchen” entstand mit dem “Vogelviertel” eine weitere Siedlung mit großzügigeren Häusern in einem dem Heimchen ähnlichen Stil. Diese Häuser befinden sich inzwischen in Privatbesitz und wurden alle liebevoll renoviert. Das Vogelviertel versprüht noch etwas vom Charme der guten alten Zeit, ebenso wie die sich anschließenden großen Villen, die heute fast alle hinter hohen Mauern oder Hecken verschwinden. Hier wohnen inzwischen fast ausschließlich Ärzte, Anwälte, Architekten oder Politiker wie Herr Riesenhuber. Ebenfalls in den Sechzigern entstand dann schließlich unser Wachtelweg, zunächst zum größten Teil Häuser der leitenden Angestellten der Hoechst AG und erstmal Endpunkt der nordwestlichen Ausdehnung des neuen Unterliederbach.
Es folgen Fotos der unsäglichen Parkstadt, dem oben bereits erwähnten letzten Bauprojekt der früheren Hoechst AG. Wer die ursprünglichen Pläne gesehen hat, kann eigentlich nur weinen. Die wenigen fertiggestellten Gebäude (die auf meinen Fotos von der Abendsonne angestrahlt bei blauem Himmel besser aussehen als sie sind) verkommen zusehendst zum Ghetto. Um niemandem zu schaden, sollte erwähnt werden, dass es immerhin eine Arztpraxis und ein Restaurant gibt. Zwischen dem Vogelviertel und der Parkstadt verläuft die Bahnlinie Höchst – Königstein und hinter einem hohen Wall eine Umgehungsstraße. Schlimmer geht’s nimmer. Was ursprünglich auch der Erschließung der Parkstadt dienen sollte, schottet sie nun komplett vom übrigen Unterliederbach ab. Inzwischen ist ziemlich klar, dass hier vermutlich nie weitergebaut werden wird. Die strengen Seveso Richtlinien verbieten eine Bebauung in der Nähe des Industrieparks. An sich eine Eulenspiegelei, denn ganz Höchst, Unterliederbach und Zeilsheim liegen ja im “verbotenen” Umkreis, aber daran lässt sich glücklicherweise nichts mehr ändern. Seit ihrer Gründung im Jahre 1863 hatten die Farbwerke Hoechst (vormals Meister Lucius & Brüning) das Leben der Menschen in den westlichen Vororten Frankfurts und Umgebung geprägt. Das nicht nur, weil die Fabrik einer der größten Arbeitgeber war, sondern vor allem auch durch das soziale Engagement des Chemiekonzerns und kulturelle Angebote, die von ihm ins Leben gerufen wurden (z.B.Silobad). Ein Jammer, dass es so enden musste, wie es nun geendet hat. ***
Die letzen Fotos – ein großer Sprung – zeigen dann Eindrücke vom Osten Unterliederbachs wie weiter oben bereits beschrieben.
Diese ausführlichen Stellungnahmen zu Unterliederbach gibt es nur, weil ich hier wohne und aufgewachsen bin. Bei allen anderen Stadtteilen kenne ich mit weit weniger gut aus. Es wird also nicht immer soviel Text geben
*** Dies ist eine private Webseite !!!, daher erlaube ich mir manchmal einige emotionale Ausrutscher von der reinen Information.
