Eigentlich würde ich den Mond gerne direkt auf dem Kranausleger sitzend fotografieren, aber das hat bisher noch nicht funktioniert. Immerhin hatte ich heute trotz des schlechten Wetters mal einen guten Blick auf den aktuellen Halbmond. Ich habe mir erlaubt, die erste Strophe eines Gedichtes von Franz Seraphicus Grillparzer (* 15. Januar 1791 in Wien; † 21. Januar 1872 ebenda) etwas meinen ZiB- Bedürfnissen anzupassen.

Aber das kann ich jetzt nicht so stehen lassen. Das Originalgedicht muss ich zumindest dann doch noch zitieren. Meine Version fand ich aber für heute Abend passender. Und etwas weniger depressiv.

Der Halbmond glänzet am Himmel

Der Halbmond glänzet am Himmel,
und es ist neblicht und kalt.
Gegrüßt sei du Halber dort oben,
Wie du, bin ich einer, der halb.

Halb gut, halb übel geboren,
Und dürftig in beider Gestalt,
Mein Gutes ohne Würde,
Das Böse ohne Gewalt.

Halb schmeckt ich die Freuden des Lebens,
Nichts ganz als meine Reu;
Die ersten Bissen genossen,
Schien alles mir einerlei.

Halb gab ich mich hin den Musen,
Und sie erhörten mich halb;
Hart auf der Hälfte des Lebens
Entflohn sie und ließen mich alt.

Und also sitz ich verdrossen,
Doch läßt die Zersplitterung nach;
Die leere Hälfte der Seele
Verdrängt die noch volle gemach.

Franz Grillparzer
(* 15.01.1791, † 21.01.1872)

Seht ihr auf dem Headerbild ganz weit oben links an der Spitze des Nadelbaums den kleinen weißen Punkt? Das ist der Planet Saturn. Etwas weiter unterhalb und rechts davon müsste theoretisch Jupiter noch heller erstrahlen, aber den kann ich von uns aus nicht sehen.

Verlinkt mit Novas „Zitat im Bild“.