Damit sage ich euch vermutlich nichts Neues. Aber denkt mal darüber nach, was sich derzeit täglich tut und das in einem atemberaubenden Tempo. Früher habe ich mir darüber Gedanken gemacht, wie schwierig es für meine eigenen Eltern (Jahrgänge 1909 und 1911) gewesen sein muss, die vielen Veränderungen des 20.Jahrhunderts zu verkraften (einschließlich der beiden Weltkriege, aber nicht nur). Da meine Eltern bei meiner Geburt beide über 40 waren (ich habe einen 17 Jahre älteren Bruder), waren sie für mich im Prinzip schon eine Art Großelterngeneration, zumindest in ihrem Denken. Das war nicht einfach und wir haben uns in meiner Teenagerzeit ziemlich gefetzt. Ich habe lange gebraucht, mit ihrer – von mir so empfundenen – Rückständigkeit klarzukommen.

Wenn ich darüber nachdenke, was sich alles in meiner eigenen Lebensspanne von inzwischen über 70 Jahren getan hat – und vor allem gerade jetzt wieder – dann stelle ich fest, dass sich die Welt definitiv noch rasanter dreht. Wenn man jung ist, nimmt man Vieles einfach nur als selbstverständlich und hinterfragt es auch nicht groß. Könntet ihr jemandem aus dem 18. Jahrhundert so richtig erklären, wie es möglich ist, dass sich Menschen über Erdteile hinweg verständigen können, indem sie auf ein Ding einsprechen, das nicht größer ist als eine Tafel Schokolade? Wobei ‚verständigen‘ ein doppeldeutiges Wort ist und auch viel mit „Verstand“ zu tun hat. Und daran scheint es mir heutzutage extrem zu mangeln.
Rosi (Rumpelkammer) hat gestern in einem Blogbeitrag auf einen englischsprachigen Artikel bei Tom (Backroadstraveller) verwiesen, in dem es um die Verdummung US-amerikanischer Bürger durch den Sender Fox News geht. Aber wir müssen gar nicht über den großen Teich gucken (obwohl es mehr als heftig ist, was da abgeht), es reicht, wenn man sich bei uns mit der AfD und ihren Jüngern beschäftigt. Gleichwohl kann man nicht alles der AfD anlasten. Dank der globalen Vernetzung erreichen uns Verschwörungstheorien aus der gesamten Welt. Und mir scheint, es braucht erst gar nicht die aktuelle Hitzewelle, um bei manchen Leuten das Gehirn verdorren zu lassen.

Was ist los mit der Menschheit? Um uns herum brennen die Wälder, es gibt Hitzetote wie nie zuvor, und dann lese ich Sätze wie „wir haben halt Sommer“. Übrigens – die Anzahl der Verstorbenen hat in den letzten Tagen derart zugenommen, dass in Offenbach das Krematorium ein Kühlzelt für Särge aufstellen musste, weil man mit den Einäscherungen nicht mehr nachkommt. Und dann läuft da bei mehr als 40 Grad die Tour de France, bei der die Teilnehmer auf alle nur erdenkliche Weise runtergekühlt werden müssen, während Straßenbelag aufplatzt und sich durch die Hitze Gleise verbiegen.

Die Entwicklung der KI macht mir durchaus Angst. Aber vielleicht sollte man sie auch als Chance betrachten. Denn die KI verarbeitet nur vorhandenes Wissen, noch (!) zum größten Teil Fakten. Dann könnte es doch in Zukunft möglich sein, dass man auf Politiker verzichtet und die KI Entscheidungen treffen lässt. Obwohl man auch bei der Künstlichen Intelligenz das Problem der Halluzinationen kennt. Damit ist sie dann schlussendlich auch nicht sicherer als diverse Wirrköpfe, die unser Leben beeinflussen. Es bleibt dabei, wir alle müssen unser Gehirn gebrauchen und mehr denn je abwägen, was wir glauben oder nicht, was gut ist und was falsch, was logisch und offensichtlich ist und was reine Gehirnwäsche.
In diesem Sinne: Kommt gut durch diese heißen Tage und darüber hinaus.



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