Der Frosch im Headerbild ist sehr lebendig, aber alles, was wir sonst in (der Grube) Messel gesehen haben, ist Millionen von Jahren alt. Wir waren am Dienstag in Messel und hatten, das mal zuerst, mit dem Wetter geradezu unverschämtes Glück. Es blieb trocken, sonnig und warm, aber auch nicht zu heiß.
Die Grube Messel
Die Grube Messel in der Nähe von Darmstadt gehört seit 1995 zum UNESCO Welt-Naturerbe. Und das ist ein kleines Wunder. Noch Anfang der 1970er Jahre sollte die Grube Messel zur Mülldeponie werden. Der entschlossene Protest einer Bürgerinitiative verhinderte nach 20 (!) Jahren schließlich das Vorhaben. Vorher wurde hier seit Ende des 19. Jahrhunderts systematisch der Ölschiefer abgebaut und industriell weiterverarbeitet. Man hat damals schon Fossilien entdeckt, aber das hat niemanden großartig interessiert. Es gibt sehr schöne Erläuterungen und Bilder zur Entstehung des Messel-Sees und den Fossilien auf der Seite Google Arts and Culture. Was die Paläontologen dort aus dem Ölschiefer bergen, ist ca. 48 Millionen Jahre alt. Das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, aber – die Dinosaurier waren bereits ausgestorben.

Vor der von uns gebuchten einstündigen Rundfahrt mit einem E-Mobil haben wir die Dauerausstellung besucht. Oben im Bild seht ihr die sog. „Schatzkammer“, wo Originalpräparate ausgestellt sind. Es gibt viele Räume, die mit audio-visueller Unterstützung einen umfassenden Überblick bieten. Der Besuch ist unbedingt zu empfehlen, auch wenn die Infos auf der Rundfahrt (oder Rundgang zu Fuß) dadurch etwas überflüssig werden. Mich hat die Ausstellung tatsächlich weit mehr beeindruckt als die Fahrt.

In der Ausstellung muss man sich wirklich in allen drei Dimensionen orientieren. Selbst der Bodenbelag ist noch interessant. Rechts unter den hier nur blau erscheinenden Glasvitrinen liegen überall Exponate.

Manche Präparate darf man sogar ausdrücklich anfassen, aber nicht unbedingt echte Fossilien wie den Unterkiefer dieses Flusspferdes. Das befindet sich natürlich hinter Glas. Aber verschiedene Gesteinsformationen, die entsprechend präpariert wurden.

Ölschiefer ist genau genommen gar kein Schiefer, sondern ein dunkles, feingeschichtetes Sedimentgestein, das bis zu 30 Prozent organisches Material, sogenanntes Kerogen (den Vorläufer von Erdöl), enthält. Es ist ziemlich bröselig und reagiert sofort mit Zerfall, wenn es austrocknet. Das macht den Paläontologen vor Ort die Arbeit nicht gerade leicht.

Dieses fast papierdünne Stückchen Ölschiefer besteht immer noch aus ca. 20 Schichten unterschiedlichsten Materials. Auf der Rundfahrt durften wir Ölschieferstückchen begutachten, aber auch nicht das Kleinste darf mitgenommen werden. Das Gelände ist deshalb auch nur zugänglich, wenn man Führungen oder Rundfahrten bucht.
Vom ursprünglichen Messeler See sind fast nur noch Pfützen erhalten. Die Natur hat sich das meiste zurückgeholt und gegraben wird heute an anderen Stellen. Mich hat aber vor allem die Vegetation beeindruckt. Es ist fast Wildnis pur. Alles darf wachsen, wie es will, sofern keine Gefahren davon ausgehen.


Nochmal in die Ausstellung zurück: Größenvergleich zwischen dem Skelett eines modernen Pferdes zum Urpferdchen.

In der „Schatzkammer“ gibt es noch echte Fossilien des Urpferdchens, aber das Fotografieren wird einem mangels guter Beleuchtung (das ist sicher Absicht) nicht gerade leicht gemacht. Ich habe in der Nachbearbeitung mal wieder alles aufgeboten, was ging (Entrauschen, Entspiegeln, Kontrast verstärken).

Grundsätzlich ist das Fotografieren, natürlich ohne Blitz und Stativ, für private Zwecke erlaubt. Da mein Blog keinem kommerziellen Zweck dient, dürfte das Zeigen also in Ordnung gehen. Genauso wenig sollte das Ganze unter Werbung fallen. Es war ein rein privater Ausflug.
Im Empfangsgebäude, dort wo es auch zur Ausstellung geht, gibt es ein kleines Bistro mit Außenterrasse. Dort haben wir uns vor der Rundfahrt mit einem leckeren Flammkuchen gestärkt. Später gab es dann (im Preis enthalten) Kaffee und einen leckeren Aprikosenstreuselkuchen. Neben der Terrasse gibt es ein großes Wasserbecken, wo Seerosen blühten und Frösche und Libellen unterwegs waren.

Fazit
Es war ein schöner Ausflug. Aber lohnt sich nun der Besuch der Grube Messel wirklich? Ich möchte es mal so sagen: Wenn man in der Nähe wohnt oder sowieso in unserer Gegend ist, dann uneingeschränkt ja. Sonst vielleicht eher nein. Man bekommt sehr viel Wissen vermittelt, mehr vermutlich, als man aufnehmen kann. Die Ausstellungsstücke sind wertvoll und etwas Besonderes. Aber die sogenannten Führungen kann man fast vergessen, wenn man in der Ausstellung war. Draußen gibt es nicht sehr viel. Da muss man schon sehr viel Vorstellungskraft bemühen.


Was mich im Nachhinein besonders gestört hat: Die Angebote sind in meinen Augen nicht transparent genug. Runter in die Grube kommt man erst bei den 2-stündigen Führungen. In unseren Tickets für die Fahrt mit dem E-Mobil (Welterbe-Express) war der Eintritt für das Museum mit drin und auch Kaffee und Kuchen (wer’s braucht). Die Führungen zu Fuß sind billiger, aber da muss man das Museum (also die Dauerausstellung) extra bezahlen. Man könnte aber auch ausschließlich das Museum bezahlen und sich von einer frei zugänglichen Plattform einen wunderbaren Überblick über das Gelände verschaffen. Das ist die preiswerteste Lösung und wäre in meinen Augen völlig ausreichend. Im Prinzip sehe ich ein Gelände, das dem der renaturierten Weilbacher Kiesgruben nicht unähnlich ist. Dort kann ich kostenlos und ohne Einschränkungen stundenlang herumlaufen. Ist natürlich keine Grube Messel.

Zu Hause muss es in derselben Zeit mächtig gestürmt haben. Als wir zurückgekommen sind, haben erstmal festgestellt, dass es zwei wirklich große Äste vom Ahorn abgebrochen hat. Auch die Terrassenstühle hatte es quer über die Terrasse geweht. Kurz darauf begann es dann auch zu regnen. Wir hatten in Messel also wirklich Glück mit dem Wetter.
Diesen Beitrag verlinke ich am Donnerstag mit Marius‘ Nature Thursday. Passt er auch zu Nicole’s „Plausch am Gartenzaun“? Hm – schau’n wir mal . . .



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