Mir sind in letzter Zeit auf YouTube immer wieder Video-Reihen aufgefallen, die von vorn bis hinten KI-erzeugt sind. Manche sind ziemlich gut gemacht, viele aber eine echte Zumutung. Meistens erkennt man sie schon daran, dass plötzlich auf einem Kanal innerhalb weniger Tage zwei Dutzend Videos veröffentlicht werden. Und die Leute merken es nicht!
Gestern las ich auf literaturcafé.de, dass in einem Buch einer vielgelesenen amerikanische Selfpublisherin mitten im Text Prompts und KI -Antworten auftauchten. Und was soll ich euch sagen: Gerade eben ist mir das Gleiche begegnet. Nachdem ich vorhin ein paar Stunden an meinem Krimi gesessen habe, habe ich auf meinem Kindle durch die Amazon unlimited Angebote geblättert und mir einen Kurzkrimi heruntergeladen. Einfach mal so zum Entspannen – dachte ich eigentlich. Irgendwie sah der Text schon seltsam aus, überhaupt nicht ordentlich formatiert. Ich habe ein bisschen quer gelesen und dann kam es ganz dicke. Auch hier tauchten mitten im Text ganze KI-Passagen auf, die dem Autor (?) die nächsten Szenen auf dem Tablett servierten. Ich dachte, ich sehe nicht recht. Da fallen dem schnüffelnden Ex-Polizisten Schuhe auf, die nicht an diesen Ort gehören und dann gibt es ganz präzise von einer KI erzeugte Anweisungen, wie der Text weitergehen soll. Hier hatte ich Beispiele vorgesehen, die ich wieder gelöscht habe, weil auch dieser Autor Urheberrechte für sich reklamiert. Falls es jemand genauer wissen will, darf er/sie mich gern anschreiben. Leider tauchen die entsprechenden Passagen noch nicht in der Leseprobe auf, was auch nicht verwundert, weil der Krimi kaum mehr als 110 Seiten hat.
Ich habe dann auch selbst nicht mehr weitergelesen. Aber für einen Moment war ich so geschockt, dass ich mich gefragt habe, wozu schreibe ich eigentlich noch selbst? Andere machen mit diesem Mist schnelles Geld und unsereiner sitzt monatelang an seinen Texten. Das Schlimme ist, dass wir a) von diesen Büchern und Videos überschwemmt werden und b) es massenweise Leute gibt, die das überhaupt nicht zu stören scheint bzw. die das sogar gut finden. Die positiven Kommentare und Rezensionen sprechen ja für sich. Ich stelle mir gerade bildlich vor, wie neuerdings Wagenladungen von Pflichtexemplaren solcher Bücher, zu denen jeder Autor verpflichtet ist, bei der Deutschen Nationalbibliothek landen. Die Bibliothekare, die das sichten und sortieren müssen, können einem wirklich leid tun. Die Menschheit konsumiert inzwischen so ziemlich alles und scheint allmählich zu verdummen. Es ist traurig und erschreckend. Muss man sich da noch über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt wundern?
Neulich habe ich mal darüber nachgedacht, ob ich, falls ich meinen Krimi auch wirklich zu Ende schreibe und publizieren will, nicht von Amazon z. B. zu Tredition wechsle. Irgendwie dachte ich, das sei eine professionellere Plattform, die Manuskripte auch einer Überprüfung unterzieht, bevor sie veröffentlicht werden. Dieses Buch, das ich gerade erwähnt habe, wurde über Tredition veröffentlicht.



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