Die positive Seite der Hitzeschlacht

22.06.2026 | Buch-/Filmempfehlung, Inspirationen, Schreiben & Lesen | 4 Kommentare

Irgendwie habe ich jetzt genug gejammert. Ja, ich empfinde die gegenwärtigen Temperaturen nach wie vor als unangenehm, aber ich habe mich damit arrangiert. Mir wird gerade bewusst, dass diese Zeit des Rückzugs in die eigenen vier Wände auch etwas Positives hat. Normalerweise bin ich der absolute Draußenmensch, immer in der Natur, immer die Kamera dabei. Jetzt lote ich aus, was mich noch interessieren könnte. Oder welche Sachen es gibt, die es wert sind, genauer hinzugucken.

Die letzten Tage war es ein plötzliches Wiederaufleben meines Interesses an „Notizbüchern“ im Allgemeinen und dann den Common-Place-Books im speziellen. Gefolgt von der Frage, wie das heutzutage vermutlich alles auch digital umgesetzt wird. Mein Fazit bisher: Es gibt da durchaus gute Apps (Notion, Day One und andere), aber ich bleibe vorerst beim analogen Schreiben. Trotzdem werde ich meine schon vorhandenen Notizmöglichkeiten aus Netz nutzen wie Google Notizen, um schnell was festzuhalten, was ich sowieso gerade im Internet gefunden habe.

Netzfund: Der Moment der Schönheit . . .

. . . oder wie ich vielleicht wirklich zur Literatur zurückfinde. Ich bewundere so belesene Bloggerinnen wie Astrid K. Ich selbst entspanne mich am besten mit Krimis. Keine Ahnung, woran es liegt, dass ich so wenig ‚Literatur‘ im weitesten Sinne lese. Es ist nicht so, dass mich die in der Schulzeit gelesenen Bücher abgeschreckt hätten. Ob Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Heinrich Böll oder Günter Grass (und andere) habe ich auch später noch gelesen. Aber ich vermute mal, dass diese Phase irgendwann von der Phase ‚keine Zeit mehr‘, weil Praxis und Mutterschaft andere Prioritäten setzen, abgelöst wurde. Sehr viel später während des Fernstudiums in der ‚Schule des Schreibens‘ gab es Kontakte in Richtung ernster Literatur, aber eher als Quellenangaben und Zitate. Und prompt bin ich selbst wieder beim Schreiben von Krimis hängengeblieben.

Ausgerechnet während der Beschäftigung mit den Common-Place-Books bin ich dann vor ein paar Tagen – ich habe es schon erwähnt – auf F. Scott Fitzgerald und das Buch „Der Moment der Schönheit – Aus den Notebooks“ gestoßen, gefunden im Blog von Hanns-Josef Ortheil (Schriftsteller, Germanist und Drehbuchautor). Er zitiert auf seinem Blog einige Sätze aus dem Buch, die mich so angesprochen haben, dass ich es mir sofort bestellt habe, antiquarisch wie fast immer. Heute ist es angekommen, sieht aus wie neu und hat ein überraschendes Format. Relativ klein, lässt es sich angenehm in den Händen halten. ISBN 978-3871621147

Interessant und inspirierend für das eigene Common-Place-Book finde ich das Inhaltsverzeichnis oder den Index. Das beginnt mit Anekdoten und endet mit Youth and Army. Nun ja, den Punkt wird es bei mir eher nicht geben. Aber Stichwörter wie Ideen, Musik, Presseausschnitte, Emotionen etc. finde ich gut.

Man darf sich aber vom Titel und den wenigen ausgewählten Sätzen bei Ortheil nicht in die Irre führen lassen. Es dreht keineswegs alles um Schönheit. Aber die meisten Sätze erzeugen Bilder und inspirieren mich, selbst mal wieder zu schreiben. Und wenn nicht, finde ich vielleicht wenigstens einen neuen Zugang zur Literatur. „Der Moment der Schönheit“ ist kein Buch zum Lesen. Ja, das klingt jetzt seltsam. Ich meine damit, dass man es nicht durchliest wie einen Roman. Eher häppchenweise, die einzeln Notizen auf sich wirken lassend. Man erfährt auch viel über die Zeit, in der F. Scott Fitzgerald (1896 bis 1940) gelebt und geschrieben hat. Er schuf ein treffendes Porträt der sogenannten „Roaring Twenties“, den von wirtschaftlichem Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flappers geprägten 1920er Jahren in den Vereinigten Staaten. Flappers? Flapper bezeichnete in den 1920er Jahren junge Frauen, die kurze Röcke und kurzes Haar trugen, Jazz hörten und sich über die Regeln des guten Benehmens selbstbewusst hinwegsetzten. Die Flappers galten in ihrer Zeit als keck und frech, weil sie sich schminkten, hochprozentigen Alkohol tranken und rauchten. Quelle: Wikipedia

Das war’s. Behaltet einen kühlen Kopf und bleibt am besten drinnen, soweit es möglich ist.

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4 Kommentare
Edith
22.06.2026 21:33

Liebe Elke, ich lese ganz intensiv seit ich lesen kann. Wie du ja noch weißt, ich lese keine Krimis, gerne Historisches. Natürlich auch Naturbücher, wenn man. Naturwanderin heißt, ist es Pflicht. Philosophische Bücher lese ich ebenfalls oft, alles was mich interessiert. Bei der momentanen Hitze lese ich natürlich viel, im… Weiterlesen »

Jutta
22.06.2026 20:22

Na ja, liebe Elke, das Problem ist, dass ich zum Lesen im Moment so gar keine Lust habe. Aber ich beschäftige mich natürlich zur Zeit auch vielen anderen Dingen Du hast mir ja genug Anstöße gegeben. Ist ja gut, wenn man seinen Fokus auch mal wieder auf andere Sachen ausrichtet.… Weiterlesen »