Samstags-Mix im Mai

16.05.2026 | Garten, Gedanken, Gehölze, Makro, Pflanzenwissen, Wildblumen | 2 Kommentare

Lieber Himmel, also unbeständiger und damit unvorhersehbarer als heute kann das Wetter auch im April nicht sein. Da schnappst du dir die Kamera und denkst: jetzt mal schnell in den Garten, die Sonne scheint so schön . . . Ja, Pustekuchen! Da hat man kaum die Schuhe angezogen, schon regnet es wieder. Es gäbe draußen so viel zu tun. Aber okay, ich habe auch von den letzten Tagen, vor allem von gestern, etwas Muskelkater überall uns nirgends. Da tut auch ein bisschen Ausruhen mal ganz gut. Aber das macht keinen Spaß.

Heiliger oder Himmelsbambus (Nandina domestica)

Der Himmelsbambus im Vorgarten übertreibt es schon wieder mit dem Wachstum. Er sieht toll aus mit seiner Sommerfärbung, aber hier im Vorgarten viel zu üppig. Ich muss ihn zurückschneiden. Auch so ein Spontankauf vor etlichen Jahren, bei dem ich mir nicht vorstellen konnte, wie groß der mal werden würde.

Campanula poscharskyanaHängepolsterglockenblumen

Im Garagenhof wuchern jetzt wieder die Hängepolsterglockenblumen (auch Rankenglockenblume). Die kommen wirklich aus allen Ritzen. Manche muss ich einfach wegmachen, aber die meisten dürfen bleiben. Es gibt kaum genügsameres „Unkraut“. Nein, ist kein Unkraut, nur starkwüchsig, wie es so schön in den Beschreibungen heißt. Auch so eine Pflanze, die bei uns schon seit Jahrzehnten überdauert. Definitiv invasiv (bei uns auf dem Grundstück) und ursprünglich auch ein Neophyt, aber beliebt bei vielen Insekten (Wildbienen und Raupen.

Einjähriges Berufkraut oder Feinstrahl (Erigeron annuus)

Es hat mich dann doch wieder in den Garten getrieben. Es gibt ja immer was zu gucken und zu tun. Direkt am Eingangstor wächst mal wieder ein hoch aufgeschossenes Kraut, bei dem sich auch die App nicht sicher ist, ob es sich um das Kanadische Berufkraut oder den Feinstrahl (Einjähriges Berufkraut) handelt. Würde es blühen, wäre es einfacher. Ich bin dann aber im Internet auf die Seite Pflanzen-Vielfalt.net gestoßen und die ist wirklich genial. Das ist ein sehr umfangreiches Wildkräuter/Wildpflanzen-Lexikon, auch mit vielen Videos. Diese Seite habe ich mir gleich mal abgespeichert. Ich habe mir die Pflanze, vermutlich der Feinstrahl, dann noch genauer angeguckt und an einem Blatt die Anhaftung kleiner weißer Eier entdeckt. Wäre jetzt mal interessant zu wissen, zu welchem Insekt sie gehören. Höchstwahrscheinlich sind es Wanzeneier. Weiß jemand etwas Genaueres dazu?

Wären das Perlen, könnten sie perfekter nicht sein.

Wie auch immer, an dieser Stelle kann ich das Kraut nicht lassen und Wanzen haben wir im Garten auch genug. Das muss dann doch raus. So weit geht die Liebe zum Naturgarten dann doch nicht ***, dass ich alles stehen lasse.

Hier noch ein Blick auf die Rotlaubige Blasenspiere, die ich gestern erwähnt habe. Jetzt gehen die ersten Blüten auf und es wird ganz deutlich, das ich diesen Strauch unbedingt verjüngen und zurückschneiden muss. Er blüht wirklich nur noch spärlich und ganz oben an den Zweigen.

Rotlaubige Blasenspiere (Physocarpus opulifolius)

Naturgarten – pro & contra

*** Ursprünglich wollte ich dazu mal einen separaten Beitrag machen. Die Frage ist nur, wen solche Diskussionen interessieren.
Kann es beim Thema Naturgarten überhaupt ein Contra geben? Meine Frage ist tatsächlich etwas provokativ gemeint. Ich finde es sehr gut, wenn Gärten mit einheimischen Pflanzen gestaltet werden, wenn der Rasen kein unkrautfreier englischer Rasen mehr sein muss, wenn ganz allgemein das Bewusstsein für den Schutz unserer Umwelt steigt. Aber ich habe gerade das Gefühl, dass das Ganze teilweise auch schon wieder vollkommen kompromisslos betrachtet wird. Muss man denn „das Kind mit dem Bade ausschütten“? Ich stehe auf dem Standpunkt, dass ich auch alteingewachsene, liebgewordene Pflanzen in meinem Garten belassen kann, auch wenn sie ökologisch nicht so optimal sind. Ich kann sie durch einheimische ersetzen, wenn sie kaputt gehen, und sie mit Wildformen ergänzen.

Aber es scheint, als führten die Youtube Videos von Naturgärtnern wie Markus Burkhard, Berthold Daubner von ReNature und dem Tiroler Naturgärtner Robert Höck (die ich alle drei sehr schätze) schon zu einer fast religiös anmutenden Bewegung. Wenn man die Kommentare zu den Videos liest, dann werden nicht heimische Pflanzen verteufelt und radikal entfernt. Zumindest Markus Burkhard lebt davon sicher ganz gut, da er die propagierten Pflanzen auch im eigenen Shop vertreibt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nein, ich unterstelle ihm nicht, dass er nur zum Zweck des Verkaufs diese Videos dreht. Aber er hat damit eine Welle ausgelöst, die man ab und zu auch hinterfragen sollte.
Und sowas ist ja auch nicht neu. Ich denke da an die Hortusbewegung, ins Leben gerufen von Markus Gastl. An sich ist der ursprüngliche Gedanke hinter dieser Bewegung gar nicht so verkehrt. Das 3-Zonen-Modell macht schon Sinn, wenn man einen nachhaltigen Nutzgarten mit der Förderung der Artenvielfalt verbinden will. Aber was dann von den Anhänger*innen dieser Bewegung oftmals daraus gemacht wird, ist in meinen Augen schon grenzwertig. Da werden gesunde Böden auf „Teufel komm raus“ durch Schotter ersetzt, weil naturnahe Pflanzen angeblich unbedingt mageren Boden brauchen. Und – kein Hortus(garten) ohne eine lächerliche Steinpyramide. Steine im Garten sind toll, beispielsweise als Mäuerchen, in denen sich allerlei Getier ansiedeln kann. Aber warum sollte ich sie zu einer Pyramide auftürmen, die als Fremdkörper in meinem Garten herumsteht? Diese provokative Frage wird vermutlich erst verständlich, wenn man sich mal ein paar Webseiten mit solchen Gärten anguckt. (Hortusgarten ist eigentlich Blödsinn, weil Hortus an sich schon Garten bedeutet). Zur weiteren Information auf Wikipedia (sehr ausführlich).

Mein Fazit: Entspannt euch, Leute. Man kann viel Gutes erreichen, wenn man bei der Gartengestaltung achtsam vorgeht und ganz allgemein versucht, unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt zu fördern und zu schützen. Aber lauft nicht einfach einem Trend hinterher, sondern fragt euch, welche Ansprüche ihr selbst an euren Garten habt. Sich informieren schadet nie, aber anschließend nicht das Gehirn ausschalten.

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2 Kommentare
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Jutta
16.05.2026 22:41

Liebe Elke, ich kann wirklich jedes Wort, was du geschrieben hast, nur unterstreichen. Genauso denke ich auch darüber. Dein Japanischer Ahorn, der Himmelsbambus und die Blasenspiere – egal wo sie jetzt herkommen – sehen so herrlich aus, darauf würde ich trotz aller Argumente nicht verzichten wollen. Ich würde heute sicher… Weiterlesen »

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